Das "Rizzi-Haus" im Magniviertel von Braunschweig. © NDR Foto: Janek Wiechers

Happy Rizzi House: Wie das Kunsthaus nach Braunschweig kam

Stand: 04.08.2021 05:58 Uhr

Durch seine bunten Farben sticht das Happy Rizzi House im Braunschweiger Magni-Viertel hervor. Weltweit ist es das einzige Gebäude, das der US-Künstler James Rizzi entworfen hat.

von Janek Wiechers

Die typischen, bunten Zeichnungen des US-amerikanischen Pop-Art Künstlers James Rizzi: Übersäht mit kleinen, sympathischen Figürchen lassen sich die bunten Zeichnungen des US-amerikanischen Pop-Art Künstlers James Rizzi schnell wiedererkennen. Fröhlich, fast kindlich-naiv wie Wimmelbilder in Kinderbüchern sind Rizzis Bildwelten, in denen er immer wieder seine Heimatstadt New York thematisiert. Die bunte Welt des 2015 verstorbenen Künstlers fand sich schon auf Flugzeugen, auf Straßenbahnen, schmückte die Plakate von Tennisturnieren und des Jazzfestivals in Montreux.

Ein Stück New York in Braunschweig

Das "Rizzi-Haus" im Magniviertel von Braunschweig. © picture-alliance / dpa | Rainer_Jensen
James Rizzi signiert 1999 einen nach seinen Ideen bemalten VW-Beetle in der Zentrale des Autokonzerns in Wolfsburg.

Neben einer Straßenkreuzung gegenüber des neu errichteten Stadtschlosses steht das von James Rizzi entworfene Haus. Bunt und knallig wie seine Zeichnungen. Die etwas schief in die Stadtlandschaft gebauten Gebäudetrakte, ähneln schrägen Wolkenkratzern. Sie sind übersäht mit lachenden Gesichtern, Herzen, Augen, Sternen und Vögeln. Einige der Motive sind dreidimensional ausgearbeitet; sie scheinen aus der Fassade herauszuwachsen.

"Er kam ja vom Graffitti und ist dann immer mehr in die Malerei gegangen", sagt der Braunschweiger Galerist Olaf Jaeschke. "Dann ist er in die zweite Dimension gegangen. Dass er eben haptische Elemente auf seine Bilder gearbeitet hat." Ganz viele Themen, die er in York erlebt hat, würden sich in seinen Werken widerspiegeln. Da sind Teile von auch in diesem Haus von ihm umgesetzt.

Happy Rizzi House: In Braunschweig ein Ausnahmegebäude

Das "Rizzi-Haus" im Magniviertel von Braunschweig. © NDR Foto: Janek Wiechers
Mit seiner bunten Fassade und ungewöhnlichen Architektur sticht das Rizzi-Haus deutlich aus seinem Umfeld im Braunschweiger Magniviertel hervor.

Jaeschke verkaufte als erster deutscher Kunsthändler Arbeiten von James Rizzi. Er war es auch, der Ende der 1990er-Jahre seinen New Yorker Freund überreden konnte, sein Happy Rizzi House in der niedersächsischen Stadt zu bauen - statt irgendwo anders in einer Metropole dieser Welt. "Wir haben von ihm gehört, dass ein Architekturbüro mit ihm in Paris oder New York ein Kunsthaus plant und da habe ich ihn doch gebeten, ob es nicht eine Chance gibt für Braunschweig was zu machen", erinnert sich der Galerist. "Ich hab' ihm klargemacht, dass dieses Haus in diesen Städten natürlich irgendwie untergeht, weil diese Städte sehr viel Highlights haben. In Braunschweig hat das schon eine Sonderstellung - und das hat ihn glaube ich gereizt." Ein Coup, auf den Jaeschke 20 Jahre nach der Eröffnung des Happy Rizzi House noch immer stolz zu sein scheint.

Harter Kampf: Pop Art gegen deutsche Bauvorschriften

Jaeschke gelang es die Stadtverwaltung, Geldgeber aus der Wirtschaft und einen Architekten hinter sich zu bringen, die gewillt waren das ungewöhnliche Haus zu bauen. Besonders für den Architekten Konrad Kloster war es keine leichte Aufgabe, die unkonventionellen Ideen Rizzis als Gebäude umzusetzen. Denn es musste einerseits den eigenwilligen Vorstellungen des New Yorker Künstlers entsprechen, andererseits aber auch den strengen deutschen Bauvorschriften genügen. Vor allem die dreidimensionalen Pop-Art-Ornamentiken, die haptisch aus der Fassade herausragen mussten, seien ein Problem gewesen. "Das war auch für Herrn Rizzi schwierig, weil in Amerika von der Bauordnung und vom Brandschutz andere Dinge herrschten", erinnert sich Jaeschke. "Und es war für ihn natürlich auch schwierig dann zu verstehen, dass wir dann für einen Notausgang auch mal ein Herz versetzen mussten."

Happy Rizzi House sorgt für gute Laune

Das "Rizzi-Haus" im Magniviertel von Braunschweig. © NDR Foto: Janek Wiechers
Beliebtes Fotomotiv und Ort der guten Laune: das Rizzi House ist ein Anziehungspunkt.

Nach zwei Jahren Bauzeit war das Happy Rizzi House 2001 fertig. Immer wenn er nach Braunschweig kam, habe der 2015 verstorbene Künstler sich sehr über das Haus gefreut. Eine Freude, die auch den Tod des Künstlers überdauert. Die optimistische Ausstrahlung der knallfarbigen Bauskulptur überträgt sich auf viele, die am Haus vorbeikommen. Das Happy Rizzi House ist ein beliebtes Fotomotiv in Braunschweig.

"Ich frage regelmäßig die Stadtführer ab. Und die sagen, dass dieses Rizzi-Haus schon einen ganz besonderen Stellenwert hat bei Besuchern", sagt Jaeschke. Aber auch bei den Braunschweigern sei es sehr beliebt und sorge beim Vorbeigehen für gute Laune. "Das ist einfach ein besonders bunter Vogel, der Menschen berührt."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 04.08.2021 | 14:20 Uhr