Stand: 04.05.2020 17:51 Uhr  - NDR Kultur

Hannover: Sprengel Museum vor Wiedereröffnung

Am vergangenen Donnerstag haben sich Bund und Länder darauf verständigt, dass die Museen in Deutschland wieder öffnen können, sofern sie bestimmte Hygienevorgaben erfüllen. In Schleswig-Holstein durften Kunstinteressierte schon am Sonntag wieder Ausstellungen besuchen, die anderen Bundesländer ziehen in den nächsten Tagen nach. Ab Donnerstag öffnet auch das Sprengel Museum in Hannover wieder seine Pforten. Ein Gespräch mit dem Direktor des Hauses, Reinhard Spieler.

Der Direktor des Sprengel Museums Hannover Reinhard Spieler vor einen Bild von Picasso. © Sprengel Museum Hannover
"Wir haben nur auf das Signal gewartet, wann wir wieder loslegen können", sagt Reinhard Spieler voller Vorfreude auf die Wiedereröffnung des Sprengel Museums.

Herr Spieler, nur noch drei Tage, dann geht es wieder los. Freuen Sie sich?

Reinhard Spieler: Ja, wir freuen uns riesig. Wir sind schon seit einiger Zeit in den Startlöchern, haben uns im Hintergrund schon lange darauf vorbereitet und nur auf das Signal gewartet, wann wir wieder loslegen können.

Es gibt einige Empfehlungen vom deutschen Museumsbund, wie die Einrichtungen Zugang und Gesundheitsschutz miteinander vereinbaren können. Dazu gehört unter anderem die Begrenzung der Besucherzahlen. Wie gewährleisten Sie das?

Spieler: Ich habe gerade die neue Landesverordnung gesehen, die Niedersachsen den Museen auferlegt. Da heißt es, dass mindestens zehn Quadratmeter pro Person angeboten werden sollen. Das ist für uns keine große Auflage. Wir haben derzeit trotz Brandschutzsanierungsarbeiten etwa 6.500 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Das heißt, wir könnten 650 Leute gleichzeitig ins Haus lassen - so viel Auslastung haben wir so gut wie nie. Für uns ist das kein Problem.

Abstandsregelungen haben wir ganz strikt auf mindestens zwei Meter festgelegt. Das beginnt schon vor dem Haus, wo wir Abstandsmarkierungen geklebt haben, und auch im Foyer vor den Kassen. Wir haben relativ viel Personal in allen Ausstellungsräumen verteilt, die strikt darauf achten werden, dass die zwei Meter Abstand eingehalten werden.

Und wie haben Sie Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gebrieft und ausgerüstet?

Spieler: Ausgerüstet sind sie nicht speziell. Es gibt keine Maskenpflicht für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter - die Landesverordnung sieht nur für die Besucherinnen und Besucher eine Maskenpflicht vor. Das ist wie in den Geschäften auch: Dort müssen die Kunden eine Maske tragen, aber nicht das Kassenpersonal. Das hat damit zu tun, dass die Personen acht Stunden mit Maske arbeiten müssten - das ist schon eine arge Einschränkung für die Atmung und auch nicht wirklich zielführend. Sie können aber eine Maske tragen, wenn sie wollen. Ansonsten haben wir Desinfektionsschutz, und wir haben zusätzliche Reinigungskräfte vorgehalten, die tagsüber mehrmals die Toiletten, die Handläufe, die Wasserhähne reinigen und desinfizieren.

Wenn man keine Schutzmaske dabei hat, kann man sie bei Ihnen auch im Museumsshop erwerben?

Spieler: Ja, an der Kasse. Wir bekommen ein bestimmtes Kontingent an Einmalmasken, die wir gratis abgeben können. Außerdem haben wir auch etwas hochwertigere Masken, die man käuflich erwerben kann.

Wie funktioniert das mit dem Kartenverkauf? Muss man vorab online Tickets erwerben?

Spieler: Sie können einfach hinkommen. Wir rechnen nicht mit so einem großen Ansturm. Wenn ich durch die Innenstadt gehe, sehe ich in den Geschäften noch ziemlich viel Leere - da sind die Leute noch sehr zurückhaltend. Insofern glaube ich auch nicht, dass sie bei uns in riesigen Massen auftreten.

Wir haben unsere Öffnungszeiten etwas reduziert: Dienstag, Mittwoch und Donnerstag haben wir erst ab 13 Uhr geöffnet, weil die Schulklassen bis Schuljahresende die Schule im Klassenverband nicht mehr verlassen dürfen. Insofern haben wir uns entschlossen, die Öffnungszeiten zu reduzieren und dafür unser Personal in den Ausstellungsräumen etwas zahlreicher einsetzen zu können. Freitag, Samstag, Sonntag, haben wir von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Am Samstag haben wir von 10 bis 13 Uhr einen speziellen Slot für Risikogruppen, also über 50-, 60-Jährige und gesundheitlich vorbelastete Menschen, die sich dann vielleicht bei uns ein bisschen sicherer fühlen können. Wir wollten damit ein Signal setzen und die Gruppe, die jetzt eher ausgegrenzt wird, die geschützt werden soll, speziell ansprechen und einladen.

Mussten Sie im Programm etwas ändern?

Spieler: Wir haben nur minimale Änderungen vornehmen müssen. Wir hatten kurz vor der Corona-Krise unsere aktuelle Ausstellung der Kurt-Schwitters-Preisträgerin Mika Rottenberg eröffnet, und die haben wir jetzt um eine Woche verlängert. Alles andere ist beim Alten geblieben. "Ruhige Momente" hätte schon vor zwei Wochen eröffnet und wird nun ab Donnerstag zu sehen sein.

Was erwartet die Besucherinnen und Besucher ab Donnerstag?

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Spieler: Die Ausstellung "Ruhige Momente" widmet sich Stillleben, Interieurs, lesenden Personen, der ruhigen, zurückgezogenen Introspektion. Also genau die richtige Ausstellung zur momentanen Situation. Noch bis zum 17. Mai läuft die hinreißend tolle Mika-Rottenberg-Ausstellung mit wunderbaren Videoarbeiten - die kann ich allen ans Herz legen. Sie ist eine ganz tolle Künstlerin und die Arbeiten, die sie da gemacht hat, sollte man auf keinen Fall verpassen.

Ab Juni gibt es die nächste große Ausstellung: Albert Oehlen und Carroll Dunham, zwei der ganz großen Malerei-Vertreter - einer aus Deutschland, der andere aus Amerika -, die in den 80er-Jahren sozialisiert wurden.

Um Kulturinteressierten auch während der Schließung den Zugang zu Kunst zu ermöglichen, hatten sie sich ein digitales Alternativprogramm ausgedacht. Können Sie das noch mal kurz beschreiben?

Spieler: Die schnelle Schließung hat uns alle sehr überrascht. Wir haben sofort reagiert und begonnen, Sprengel-Quarantäne-Clips zu senden. Jeden Tag, manchmal jeden zweiten Tag, haben wir einen kleinen Clip über ein Werk aus unserer Sammlung online gepostet, und das machen wir immer noch.

Wir haben außerdem eine etwas größere Reihe mit Gesprächen begonnen: "Bildwanderungen" durch das Werk eines Künstlers oder einer Künstlerin. Das sind 20- bis 25-minütige Gespräche, die ein bisschen in die Tiefe gehen.

Wir haben auch eine Reihe für Kinder: Da führt Carola, eine Puppe, durch bestimmte Bilder unserer Sammlung. Und wir haben natürlich auch unsere ganze Sammlung online, mehr als 15.000 Werke, die man jederzeit anschauen kann.

Das Gespräch führte Alexandra Friedrich

Der Direktor des Sprengel Museums Hannover Reinhard Spieler vor einen Bild von Picasso. © Sprengel Museum Hannover

AUDIO: Hannover: Sprengel Museum vor Wiedereröffnung (8 Min)

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal | 04.05.2020 | 19:00 Uhr

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