Stand: 15.02.2018 09:53 Uhr

Das Leben zwischen Trümmern und Solidarität

von Sebastian Friedrich

Wer sich ein Bild von armen Menschen macht, schaut meist mit Mitleid auf sie. Die Ausstellung "Copacabana Palace" über eine Wohnsiedlung in Brasilien wagt einen anderen Blick auf Menschen in Not. Die Galerie für Fotografie in Hannover zeigt Arbeiten des Fotografen Peter Bauza.

Eine Wohnsiedlung ohne fließendes Wasser

Copacabana Palace - das ist der Name des vielleicht berühmtesten Hotels in Brasilien. In dem Fünf-Sterne-Luxushotel sind schon große Berühmtheiten abgestiegen: Ella Fitzgerald, Henry Fonda und Marlene Dietrich. Knapp 60 Kilometer entfernt gibt es ein anderes "Copacabana Palace". Der Name ist ein ironisch gemeinter Spitzname, denn mit Glamour haben die Ruinen des niemals fertiggestellten Häuserkomplexes nichts zu tun. Das Leben ist geprägt von Elend und Perspektivlosigkeit. Hier leben etwa 1.000 Menschen - ohne fließendes Wasser, ohne richtiges Stromnetz und ohne ärztliche Versorgung.

Einfühlsame Bilder von den Bewohnern

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Der Fotograf Peter Bauza hat den Alltag der Bewohner bildlich eingefangen.

Peter Bauza war über acht Monate immer wieder vor Ort und hat einfühlsame Fotografien von den Bewohnern gemacht. Bauza ist ein engagierter Fotograf, der sich in seinen Arbeiten immer wieder mit sozialen Themen auseinandersetzt. Er blickt nicht herablassend auf die Menschen. Er verleiht jenen Stimme und Gesicht, die sonst häufig nur als stumme Masse in der Öffentlichkeit eine Rolle spielen.

Hier herrschen Armut - und Solidarität

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Peter Bauza zeigt: Der Alltag in den Ruinen des Häuserkomplexes ist nicht nur trist.

Die Bilder zeigen die Bewohner in ihrem Alltag, wie er ist: mal traurig und nachdenklich, mal fröhlich und ausgelassen. Hier herrscht nicht nur Armut, sondern auch durch Solidarität, Stärke und Selbstbestimmung. Viele der Bewohner haben zuvor in Favelas gelebt und sich dann vor Jahren entschieden, die leer stehende Ruine zu besetzen.

Jenseits der prestigeträchtigen Großereignisse

Anregung für Bauza waren zwei Großereignisse in Brasilien: die Fußballweltmeisterschaft 2014 und die Olympischen Sommerspiele 2016. Zwei Spektakel, für die der brasilianische Staat Milliarden ausgegeben hat. Eine Protestbewegung kritisierte damals, dass für die armen Menschen zu wenig Geld ausgegeben werde. Bauza, der seit 20 Jahren in Lateinamerika lebt, zeigt die andere Seite des Lebens in Brasilien - fern der Stadien und der Copacabana in Rio.

Die Ausstellung läuft bis zum 25. März in der Galerie für Fotografie in Hannover. Geöfnnet hat die Galerie in der Seilerstraße Donnerstag bis Sonntag zwischen 12 und 18 Uhr.

Dieses Thema im Programm:

Regional Hannover | 14.02.2018 | 17:00 Uhr

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