Stand: 21.08.2020 09:12 Uhr  - NDR Kultur

Festival der Illustratoren in Oldenburg

von Helgard Füchsel

Kinderbücher werden durch ihre Illustrationen erst lebendig, naturwissenschaftliche Lehrbücher sind mit Bildern leichter zu verstehen und selbst ein simpler Fruchtjoghurt wird vielleicht eher gekauft, wenn auf dem Becher die Zeichnung einer saftigen Erdbeere abgedruckt ist. Bilder sind allgegenwärtig. Wieviel Arbeit und Herzblut dahinter steckt, will das Festival der Illustratoren in Oldenburg zeigen. Vierzehn Illustratoren aus Norddeutschland stellen dort aus. Am 21. August wird die Ausstellung der Illustratoren in der Kulturhalle am Pferdemarkt in Oldenburg eröffnet.

Vierzehn ganz unterschiedliche Positionen sind in der Bauwerkhalle am Pferdemarkt in Oldenburg zu sehen. Da gibt es die düsteren und etwas morbiden Fantasy-Bilder von Tobias Schneider aus Mölln: Eine junge Frau posiert im Halbdunkel im edlen roten Gewand mit goldenem Gürtel. An ihrem Umhang hakt eine Hühnerklaue fest, von der Blut tropft. Ein Entwurf für ein mittelalterliches Kostüm. Die junge Frau lächelt, dennoch wirkt das Bild düster. "So wie alle meine Bilder", sagt Tobias Schneider.

"Ich habe irgendwann gedacht, gut - dann sollte ich das vielleicht irgendwann annehmen als meins. Und ich habe sehr viel Freude daran und auch daran, das Ganze nicht zu ernst zu nehmen. Ich male Sachen, die mir Freude machen und wo ich weiß, dass sie anderen Menschen Freude machen. So banal das klingt, das ist eigentlich das, warum ich es tue. Ich arbeite gern mit leidenschaftlichen Menschen zusammen und mache gerne schöne Sachen für sie."

Die bunte Vielfalt der Illustrationen

Schräg gegenüber von seinen Werken hängen die lustigen und bunten Tierbilder von Petra Bergmann. Bei ihr schwingt eine Giraffe Hula-Hoop-Reifen und eine freundliche Stute fährt Fahrrad. Es sind Entwürfe für Kinderbücher und Glückwunschpostkarten. Andere Künstler präsentieren gezeichnetes Erdbeereis in einer knusprig wirkenden Waffel, Tattoos oder Comics. Organisator Norbert Egdorf will die Vielfalt der Illustrationen darstellen: "Ich finde es immer erstaunlich, was da für Neuentdeckungen aufploppen. Wir sind jetzt vierzehn Illustratoren und Illustratorinnen. Es ist ein ganz bunt zusammengewürfelter Haufen. Und manchmal gibt es dann einfach schöne Begegnungen, schöne Kontakte, neue Kontakte. Es wird ein Netzwerk damit aufgebaut, das man nach und nach dann wieder abgreifen kann."

Norbert Egdorf hat die Teilnehmer zusammen mit einer Jury aus rund vierzig Bewerbern ausgewählt. Er organisiert das Festival alle zwei Jahre - in diesem Jahr bedingt durch Corona allerdings nur mit kleinem Rahmenprogramm. Es gibt eine musikalische Lesung mit der Cartoonistin Bettina Bexte aus Bremen und einen Vortrag über den Berufseinstieg als Illustrator. Besucherinnen und Besucher der Ausstellung können aber täglich mit anwesenden Illustratoren sprechen. "Vielleicht können wir so ein bisschen die Sensibilität erhöhen", sagt Norbert Egdorf, "wenn die Besucher auch nach der Ausstellung einfach mal durch die Stadt schlendern oder in die Geschäfte gehen und vielleicht ein bisschen mehr darauf achten, was tatsächlich nicht fotografiert, sondern illustriert worden ist."

Illustrationen als Lernmittel

Die meisten Ausstellenden haben ein künstlerisches Fach studiert. Viktoria Bassenge dagegen ist Landwirtin. Vor ein paar Jahren begann sie ein Studium der Tiermedizin. Sie musste viel auswendig lernen und hat dann kurzerhand selbst anatomische Zeichnungen angefertigt: "Das Fach Tiermedizin als Ort der Illustration - das war toll. Wir haben ja auch sehr viele komplexe medizinische Zusammenhänge, die kann man sehr toll zeichnen und bildlich darstellen", erzählt sie. "Die Idee kam eigentlich beim Machen, beim Lernen und ist bislang gut angekommen bei meinen Kommilitonen."

Inzwischen hat sie auch Lernspiele für angehende Tierärzte gezeichnet: Ein sogenanntes Parasiten-Memory mit Bildern von Vogelmilben, Wurmeiern oder Zecken. Die angehende Tierärztin präsentiert ihre Lernspiele jetzt in der Ausstellung. Ob sie dadurch mehr verkauft, lässt sie auf sich zukommen. Erst einmal freut sie sich über die neuen Kontakte: "Über die Vielfältigkeit der Künstler, über die verschiedenen Menschen, über die Charaktere, über die verschiedenen Wände, die wir anschauen können. Über die Besucher die kommen - eigentlich über alles."

Mikrofon im NDR Kultur Studio © NDR Foto: Mathias Heller

AUDIO: Oldenburg: Festival der Illustratoren 2020 (4 Min)

Festival der Illustratoren in Oldenburg

Vierzehn Künstlerinnen und Künstler aus Norddeutschland stellen beim Festival der Illustratoren in der Kulturhalle in Oldenburg aus und zeigen die bunte Vielfalt dieser Kunst.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Bauwerkhalle/Kulturhalle am Pferdemarkt
Pferdemarkt 8a
26121  Oldenburg
Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag: 14 bis 20 Uhr
Samstag bis Sonntag: 11 bis 18 Uhr
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 21.08.2020 | 09:20 Uhr