Stand: 08.05.2018 14:11 Uhr

Feier in Marktkirche: 200 Jahre Klosterkammer

In der Klosterkammer sitzen viele Leute auf Stühlen, vorne spricht ein Mann am Pult © dpa-Bildfunk Foto: Holger Hollemann
Mit einem Festakt in der Marktkirche ist an Dienstag der 200. Geburtstag der Klosterkammer Hannover gefeiert worden.

Die Klosterkammer Hannover gilt mit Blick auf ihre Größe, Geschichte und Struktur als bundesweit einzigartig. Und sie hat schon einige Jahre auf dem Buckel: Heute vor 200 Jahren ist sie gegründet worden. Der runde Geburtstag ist am Dienstagvormittag mit einem Festgottesdienst in der hannoverschen Marktkirche gefeiert worden. Die Gründung der Klosterkammer am 8. Mai 1818 sei zukunftsweisend gewesen, sagte der schaumburg-lippische Landesbischof Karl-Hinrich Manzke in seiner Predigt. Mit ihr sei eine respektvolle Partnerschaft von Staat und Kirche begründet worden. Klosterkammerpräsident Hans-Christian Biallas verwies auf die zahlreichen Baudenkmale, zu deren Erhalt die Klosterkammer beitrage. Sie sei damit Teil der kulturellen Identität des Landes Niedersachsen. An der Feier nahmen unter anderem auch die Äbtissinnen der evangelischen Frauenklöster in Niedersachsen und Erbprinz Ernst August von Hannover sowie Heinrich Prinz von Hannover als Vertreter des Welfenhauses teil.

Minister Thümler: "Gegenüber Neuem aufgeschlossen"

Die heutige Sonderbehörde unter Rechtsaufsicht des Landes Niedersachsen wurde 1818 vom welfischen Prinzregenten Georg von Hannover (1762-1830) gegründet, dem späteren britischen König Georg IV. Ihre Aufgabe war die Verwaltung früherer Kirchengüter, die in der Reformationszeit säkularisiert worden waren. "Trotz ihrer langen Geschichte ist die Klosterkammer bis heute quicklebendig geblieben, weil sie Neuem gegenüber aufgeschlossen ist und sich den modernen Entwicklungen immer wieder anpasst", sagte der niedersächsische Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU). Heute verwaltet die Kammer 20 Klöster, 43 Kirchen und rund 12.000 Kunstgegenstände. Das Vermögen umfasst rund 750 Millionen Euro. Über eine Tochtergesellschaft gehört ihr eine Brauerei im Harz und sie ist Eigentümerin riesiger Waldflächen in Niedersachsen.

Größter nicht-staatlicher Waldbesitzer

Mit rund 38.000 Hektar Fläche, darunter 26.500 Hektar Wald, ist sie heute der größte nichtstaatliche Grundbesitzer in Niedersachsen und bundesweit der größte nichtstaatliche Waldbesitzer. Mit rund 16.700 Erbpacht-Verträgen ist sie zudem die größte Institution in Deutschland, die Erbbaurechte ausgibt. Ihre rund 800 Gebäude sind zum Großteil hochrangige Kulturdenkmäler, die aus den Erträgen von vier öffentlich-rechtlichen Stiftungen erhalten werden.

Millionen für soziale Projekte

Die Klosterkammer unterstützt jährlich etwa 200 Projekte aus Kirche, Bildung und sozialer Arbeit mit rund drei Millionen Euro. "Wir orientieren uns an gesellschaftlichen Veränderungen, folgen aber nicht immer gleich dem Zeitgeist", sagte Klosterkammer-Präsident Hans-Christian Biallas dem Evangelischen Pressedienst. Mit diesem Anspruch entspreche die Behörde dem von Georg IV. unterschriebenen Patent.

Ausstellung über Klosterschätze

Anlässlich des 200. Jubiläums läuft im Landesmuseum Hannover derzeit bis zum 12. August die Ausstellung "Schatzhüterin" über Klosterschätze aus Niedersachsen und das Leben in den niedersächsischen Frauenklöstern. Am 25. August lädt die Klosterkammer die Öffentlichkeit zu einem Jubiläumsfest im Kloster Wöltingerode bei Goslar ein. Für den 1. Oktober ist ein Tag der offenen Tür in Hannover geplant.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 08.05.2018 | 17:00 Uhr