Stand: 20.07.2017 09:29 Uhr

Dürer neu entdecken

von Friederike Bruns

"Die Apokalypse", "Die Große Passion" und "Das Marienleben" - das sind drei der bekanntesten Werke von Albrecht Dürer. Diese drei großen Holzschnittfolgen liegen im Kulturgeschichtlichen Museum Osnabrück. Auch eine große Zahl an Kupferstichen und Dürer-Drucken beheimatet das Museum - ein unglaublicher Kunstschatz. Der soll jetzt neu präsentiert werden. Dafür hatte sich das Museum zwölf Künstler in die Stadt geholt, die sich in unterschiedlichen Formen mit Dürer auseinandersetzen und ihre Ergebnisse nun präsentieren. "Dürer+Ich" - so der Titel der Ausstellung.

Die Dürer-Sammlung in Osnabrück

Das Dürer-Labor

Nikola Dicke aus Osnabrück hat ihr Arbeitswerkzeug bereits aufgebaut - im sogenannten Dürer-Labor. Auf einem Tisch liegen Glasplatten in verschiedenen Größen. In einer Federmappe hat sie diverse Zeichenwerkzeuge: Schaschlikspieße, Nadeln oder eine feine Zirkelspitze. Mit dieser zeichnet die Künstlerin in den Ruß auf den Diaplättchen.

Die Zeichnungen sind so groß wie ein Daumenabdruck, aber unglaublich kleinteilig. Wenn die Zeichnung fertig ist kommt das Glasplättchen zurück in den Diarahmen. Und dann? Das wisse sie noch nicht so genau, meint die Künstlerin. "Scanne ich die ein und mache daraus einen Film oder fahre ich mit einem Diaprojektor draußen herum und gucke mal, was da passiert? Da gibt es verschiedene Möglichkeiten, das muss ich erst rausfinden."

"Jetzt mach' mal"

So wie ihr geht es vielen der Künstler, die sich für das Ausstellungsprojekt beworben haben. 33 Bewerber gab es für "Dürer + Ich" - zwölf wurden ausgewählt und beschäftigen sich auf ihre ganz eigene Art mit Dürers Werken. Einen Entwurf einreichen musste niemand. Dem Direktor des Museums, Nils-Arne Kässens, ist es wichtig, den Prozess so offen wie möglich zu gestalten - eine Frage des gegenseitigen Vertrauens: "Ich vertraue den Künstlern, dass sie gut mit unserem Dürer umgehen. Ich vertraue den Künstlern auch, dass sie Arbeiten produzieren, die wir nachher auch wirklich präsentieren können. Gleichzeitig vertrauen die Künstler ja auch mir. Wir geben ihnen einen Zeitraum und einen Ort und sagen "jetzt mach mal."

Deswegen auch der Name: "Dürer-Labor". Die Idee zu der Ausstellung entstand schon im vergangenen Winter. Kässens kam damals neu ans Museum. Auf einer Entdeckungsreise durch seine neue Wirkungsstätte stellte er fest: Das Dürer-Kabinett ist nicht optimal gestaltet: "Man rauscht da letztlich so durch. Nun sind aber gerade die Dürer-Grafiken dazu angetan. Denen muss man Zeit widmen. Die müssen sie anschauen und sie müssen davor verweilen."

Ein sichtbarer Dürer

Renaissance

Die Renaissance ("Wiedergeburt") ist eine Epoche in der Kunst und Kultur des 15. und 16. Jahrhunderts. Florenz gilt als die Wiege der Renaissance. Im Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit findet ein Umbruch in der Gesellschaft statt. Das bestehende Weltbild wird angezweifelt. Modernisierung und Fortschritt stehen im Fokus. Der Handel in Europa floriert, weshalb die Epoche auch das "goldene Zeitalter" genannt wird. Viele wohlhabende Familien investieren viel Geld in Gemälde, Kunstwerke und Bauwerke. Die neuen Erfindungen und Entdeckungen inspirieren Künstler wie Leonardo da Vinci, Michelangelo, Sandro Botticelli und Albrecht Dürer.
Kennzeichnend ist die Rückbesinnung auf antike Formen, vor allem in der Architektur, prägend sind die Darstellung der Raumtiefe (Zentralperspektive) und detailgenaue Anatomie.

Kässens meint auch: Der von dem Architekten Daniel Libeskind entworfene Raum wird der Dürer-Sammlung nicht gerecht. Ein Designerteam soll das ändern. Der Museumsdirektor setzt große Hoffnungen in sie: "Der Raum wird gewinnen, der Dürer wird sehr gewinnen und er wird endlich auch die Sichtbarkeit hier im Museum bekommen, die ihm auch gebührt."

Nicht nur im Museum soll Dürer sichtbar werden. Das Künstlerduo aus Ann Schomburg und Sascha Boldt will den alten Meister auch in die Stadt Osnabrück tragen: "Und zwar in der Form, dass wir aus dem Labor heraus verschiedenen Grafiken auswählen und die dann tatsächlich den Bürgern der Stadt Osnabrück nahebringen - unter die Nase halten. Ja, sagen wir es mal so."

Die "Zeugen Dürers"

Als "Zeugen Dürers" an Haustüren klingeln und die Reaktionen aufnehmen - das ist eine Idee, die die beiden haben. Die Performancekünstler arbeiten in Berlin und Frankfurt, sind mit ihrer Kunst aber auch in ganz Deutschland unterwegs. Aus ihren Aktionen ergeben sich Objekte, Bilder, Filme oder Installationen. Ann Schomburg verbindet viel mit einem von Dürers Kupferstichen: "Das wichtigste an Dürer ist, dass er eigentlich schon seit meiner Schulzeit sehr präsent war. Mit der 'Melancholia'. Diese Melancholie hat sich auch immer durch mein Leben weitergezogen, sei es jetzt bei Lars von Trier oder anderen Sachen, die sich so mit Melancholie beschäftigen."

Sascha Boldt hat schon einmal mit Dürers Apokalypse gearbeitet und ist damals wie heute fasziniert. Er sei einfach begeistert vom Bildaufbau, meint der Künstler, "von der Vielfalt der Geschichten, die in dieser Geschichte noch mit auftauchen. Ich denke, wir sind heutzutage, wenn man die ganzen Medienberichte liest, auch irgendwie in einem apokalyptischem Zeitalter."

Der Reiz der Details

Nicht alle konzentrieren sich auf spezielle Werke. Manche reizen bestimmte Details, zum Beispiel die Darstellung von Händen oder Kissen. Auch die Kunstformen sind vielfältig: Es wird eine Klanginstallation geben, Fotografien, Projektionen, Schnittkunst, Kupferstiche und Malerei.

Museumsleiter Nils-Arne Kässens freut sich, dass er so ein vielseitiges Projekt umsetzen kann. Er ist begeistert von den Künstlern und ihren Ideen. Denn im Vorfeld war nicht klar, wie sich das Ganze entwickeln würde. Kässens findet: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt: "Ich glaube auch, dass Kunst Mut braucht. Ich glaube, dass Museen Mut brauchen, sich auch mal was zu trauen. So passieren dann die Dinge, die einem dann tatsächlich im Gedächtnis bleiben."

Dürer neu entdecken

Im Kulturgeschichtlichen Museum Osnabrück befinden sich drei Holzschnittfolgen Albrecht Dürers. Zwölf Künstler haben sich mit diesem Schatz auseinandergesetzt.

Datum:
Ende:
Ort:
Kulturgeschichtliches Museum
Lotter Straße 2
49078  Osnabrück
Telefon:
(0541) 323 22 07
E-Mail:
museum@osnabrueck.de
Preis:
5 Euro (ermäßigt 3), bis 18 Jahre frei
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag 11-18 Uhr
Sonnabend und Sonntag 10-18 Uhr
Jeden ersten Donnerstag im Monat 11-20 Uhr
Montags geschlossen
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Dieses Thema im Programm:

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