Das Deutsche Theater Göttingen © NDR Foto: Peter Heller

Deutsches Theater Göttingen stellt Spielzeit 2022 vor

Stand: 21.07.2021 17:26 Uhr

Im September startet die neue Saison im Deutschen Theater Göttingen. Unter welchen Bedingungen, das wird sich zeigen. Was wird im Programm zu erwarten sein?

von Frederik Schulz-Greve

Intendant Erich Sidler hat sich seit Beginn der Corona-Krise zurückgehalten und selbst keine Stücke inszeniert. Mit der kommenden Spielzeit soll sich das ändern. Nur noch hinter dem Schreibtisch sitzen, ist ihm zu wenig, und dementsprechend groß ist seine Freude: "Ich glaube, dass es wichtig ist für die Größe dieses Hauses, dass die Intendantin oder der Intendant in Kontakt ist mit dem Ensemble - und nicht nur im Büro sitzt, organisiert, besetzt und kommuniziert. Von daher habe ich ein bisschen den Kontakt zu einzelnen Schauspielerinnen und Schauspielern, nicht verloren, aber er ist nicht mehr so intensiv wie früher. Und ich freue mich drauf, dass wir da wieder zu einem regen Austausch kommen."

Reflexion aktueller Krisen im Spielplan-Fokus

Denn vor allem das, was das Ensemble im Alltag bewegt, könne mit der notwendigen Leidenschaft auf der Bühne aufgeführt werden. So wird es in der kommenden Saison um die Reflexion aktueller Krisen gehen. Los geht es zum Beispiel im September mit "Pop Up (Play)" von Bastian Dulisch und Gerhard Willert, einem Stück über Gender, Antirassismus "und diskriminierungsfreie Räume und wie so etwas überhaupt möglich ist", so Erich Sidler. "Ob es so etwas überhaupt gibt und ob es überhaupt hilfreich ist, so etwas zu haben. Alles das sind Fragen, die uns im Theater beschäftigen, weil das quasi das Fundament ist."

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Neben Klassikern auch viel Neues

Je nach Möglichkeit, werden auch verschiedene Stücke für aktuell 140 Zuschauende wiederaufgeführt, zum Beispiel "Alles muss Glänzen", "Warten auf Godot" oder "Die Räuber". Trotz unverändertem Ensemble, teils in neuer Besetzung. Uns erwartet aber auch viel Neues. Zum Beispiel "Wagner - der Ring des Nibelungen, a piece like fresh chopped eschenwood" von Thomas Köck im Januar 2022. "Ich glaube schon, dass dieses Stück etwas Wesentliches aussagt. Nämlich die Frage, worauf die Mythen gründen, die wir uns selbst gebaut haben, auch im ökonomischen Sinne", findet der Intendant.

Theaterpädagogik weiter fördern

Gemeint ist der Mythos ewiges Wachstum, mit der Frage, ob das der richtige Weg ist. Mit großen Themen beschäftigte sich auch die Theaterpädagogik des Hauses. Trotz neuer Formen des Austauschs konnten die 36 Kooperationsschulen des Hauses gehalten werden. Über noch mehr Präsenzangebote freut sich Theaterpädagogin Gabriele Michel-Frei: "Ich war wieder live in Schulen, und das war immer ein total tolles Erlebnis für alle. Es war ein toller Austausch und Demut in dem Sinne, dass man sagt: Wenn etwas stattfindet, dann wäre das einfach großartig, weil mir das gut tut."

Michael Endes "Der Wunschpunsch" im Jugendprogramm

Was alles möglich ist, klärt sich im Herbst. Die Jugendprogrammleiterin Sonja Bachmann macht schon mal Hoffnung mit einer Inszenierung von Moritz Beichel: "Der Wunschpunsch ist so eine Entdeckung der Stunde, weil Michael Ende schon in den 80er-Jahren beschrieben hat, wie die Natur kaputt gehen könnte und wie zwei kleine Wesen, ein Kater und ein Raabe, es schaffen können, die Erwachsenen wieder zur Vernunft zu bringen, beziehungsweise das Schlimmste zu verhindern."

Ob zum Mitmachen oder Zuschauen, klein oder groß, das Deutsche Theater ist auf die nächste Saison gut vorbereitet und verspricht Raum für viele Diskussionen, die uns alle bewegen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 21.07.2021 | 17:20 Uhr