Stand: 30.10.2019 15:30 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Brueghel-Bilder aufgetaucht: Zwei neue Alte Meister

Lisa Marie Roemer, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kunstgeschichtlichen Seminar der Uni Göttingen, hält das lange als verschollen geglaubte flämische Werk "Kreuztragung Christi" aus der Werkstatt Grueghel in den Händen. © dpa - Bildfunk Foto: Swen Pförtner
1973 gestohlen und jetzt wieder da: Dieses Werk eines flämischen Meisters ziert jetzt die Kunstsammlung Göttingen zurückgekehrt.

Kunst kann vieles sein. Inspirierend zum Beispiel. Oder provokant. Und manchmal auch verwirrend. So etwa in diesem Fall: Es geht um zwei verschiedene Werke. Beide stammen von flämischen Meistern - eines von Pieter Brueghel dem Jüngeren, eines von einem namenlosen Meister aus der Werkstatt von Brueghels Bruder Jan. Pieters Gemälde heißt "Kreuztragung Christi" und wird ab 7. November im Herzog-Anton-Ulrich-Museum in Braunschweig gezeigt. Der Name des Bildes, das der unbekannte Künstler gemalt hat, ist auch unbekannt. Es zeigt, um die Verwirrung komplett zu machen, ebenfalls die Kreuztragung Christi. Das Werk ist jetzt in die Kunstsammlung der Universität Göttingen zurückgekehrt. Das beide Werke jetzt fast zeitgleich wieder auftauchen, ist purer Zufall. Beide Bilder haben eine wechselvolle Geschichte hinter sich.

VIDEO: Uni Göttingen erhält Brueghel-Gemälde zurück (3 Min)

Diebstahl am helllichten Tage

Das Gemälde "Kreuztragung Christi" des flämischen Malers Pieter Brueghel wird fotografiert. © 3Landesmuseen Foto: C. Cordes, HAUM
Im zweiten Anlauf war die Restaurierung des Werkes "Kreuztragung Christi" erfolgreich.

Das Gemälde aus Göttingen stammt vermutlich aus dem Zeitraum um 1600. Es handelt sich nach Angaben der Universität Göttingen um ein auf Kupfer gemaltes Ölbild. Am 26. Januar 1973 wurde das Bild von zwei Männern am helllichten Tage gestohlen. Damals wurde das Bild noch für ein Originalwerk Brueghels gehalten. Nach dem Diebstahl galt das Bild als verschollen. Im vergangenen Jahr wurde es von einem Kunstsammler im Angebot eines Auktionshauses in München wiederentdeckt.

Wo war das Bild?

Der vorherige Besitzer des Werkes, der anonym bleiben wolle, habe es der Kunstsammlung gegen eine vergleichsweise geringe Aufwandsentschädigung zurückgegeben. Bei dem Mann soll es sich den Angaben zufolge um einen gewerblichen Verwerter von Hausrat handeln, der das Bild jahrelang in seinem Besitz hatte, ohne zu wissen, woher es stammte. Wo sich das Werk in der restlichen Zeit befand, sei unklar, sagte eine Sprecherin. Das Gemälde habe einen unschätzbaren ideellen Wert für die Kunstsammlung.

Bruegel der Ältere und Brueghel der Jüngere

Aus der flämischen Malerdynastie stammend, schuf Pieter Bruegel der Ältere weltbekannte Gemälde der Renaissance. Sein gleichnamiger Sohn Pieter Brueghel (mit "h") orientierte sich oft an den großen Werken seines Vaters. Die "Kreuzlegung Christi" von Pieter Bruegel nahm sein Sohn als Inspiration, um 1629 ebenfalls ein Kreuzlegungs-Gemälde zu schaffen. Dabei griff er die damalige politische Situation der Niederlande auf. Auch der zweite Sohn von Bruegel, Jan Brueghel, wurde ein bekannter Maler und dazu Vater von Jan Brueghel dem Jüngeren - ebenfalls Maler.

(Quelle: epd)

Sonderausstellung nach Restaurierung

Noch länger nicht gezeigt als das gestohlene Bild wurde das andere Werk. Die "Kreuztragung Christi", im Jahr 1629 auf Leinwand gemalt, hat nach Angaben des Braunschweiger Herzog-Anton-Ulrich-Museums fast 200 Jahre im Depot des Hauses gelegen. Es war schwer beschädigt. Ein erster Versuch, das Bild zu restaurieren, sei in den 1930er-Jahren gescheitert. Seit 2017 lief dann der zweite Versuch und der war erfolgreich. Ab 7. November beginnt in Braunschweig die Sonderausstellung "Brueghel. Ein Meisterwerk restauriert", die den Künstler und die Restaurierung ins Zentrum stellen soll. Hier gibt es weitere Informationen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 30.10.2019 | 14:30 Uhr