Stand: 14.02.2020 11:19 Uhr  - NDR Kultur

"Beyond The Black Atlantic" startet im Kunstverein Hannover

von Agnes Bührig

Welche Einflüsse haben die Kultur der Schwarzen in aller Welt geprägt? Damit beschäftigte sich Mitte der 90er-Jahre der Soziologe Paul Gilroy und prägte den Begriff "Black Atlantic". Er beschrieb, wie afrikanische, amerikanische, britische und karibische Kulturen Schwarze in der Diaspora beeinflussten, die über den Atlantik als Sklaven verschifft wurden. Diese Einflüsse thematisiert jetzt die Ausstellung "Beyond the Black Atlantic" im Kunstverein Hannover, gespiegelt an den Werken junger schwarzer Künstler.

Künstlerischer Blick auf schwarze Identität

Geschichte ist Teil der schwarzen Identität, doch die Ausstellung will mehr, sagt Kurator Sergey Harutoonian. Es geht in der Schau vorrangig darum, den etwas volkstümliche Blick auf die schwarze Identität, auf die schwarze Kunst abzustreifen. Schon in den 80er-Jahren, hatte es eine wegweisende Ausstellung im Centre Pompidou gegeben "Magiciens de la terre". Das sei, so Harutoonian, auch eine Ausstellung gewesen, die schwarze Künstler auf Augenhöhe mit europäischen beziehungsweise mit westlichen Künstlern gestellt habe. Und das nicht auf eine bis dahin ungewohnte Art und Weise.

Auf der documenta 11 2002 hat der in Nigeria geborene Okwui Enwezor damit begonnen, Kunst schwarzer Künstler in großem Stil zu zeigen, die nicht zwangsläufig vom afrikanischen Kontinent stammten, sondern aus den USA und aus Großbritannien. Es sei um die globale Sicht gegangen und wirklich eine Revolution gewesen, findet Harutoonian.

Eine vitaler werdende Kunstszene

Vier Positionen der jüngeren Generation schwarzer Künstlerinnen und Künstler präsentiert Sergey Harutoonian in seiner Gruppenausstellung, die jüngste Künstlerin ist Jahrgang 1990. Sie haben ihre biografischen Wurzeln in Brasilien und Amerika, aber auch in Süd- und Zentral-Afrika, wie Sandra Mujinga. Sie wurde 1989 im Kongo geboren und kam mit zwei Jahren nach Norwegen. In ihrer Arbeit beschäftigt sie sich mit dem Thema Sichtbarkeit.

"Beyond The Black Atlantic" im Kunstverein Hannover

Kulturjournal -

Gibt es eine "Schwarze Kultur"? Vier Künstlerinnen sind dieser Frage nachgegangen. Mit einer Ausstellung reflektieren sie die gesellschaftliche Wahrnehmung der Black Community.

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"Re-Imaging Things IV" hat Sandra Mujinga ihre Videoarbeit genannt, die diese Doppeldeutigkeit spiegelt. Auf den Stoff von Greenscreens, die in Film und Fernsehen verwendet werden, um etwas nachträglich in einen Hintergrund zu setzen, hat sie glänzende schwarze Farbe aufgetragen. Darauf projiziert sie verfremdete Feuerwerksvideos. Schwarzer Untergrund und energetische Explosionen wirken wie ein Kommentar zur vitaler werdenden Szene schwarzer Kunst.

Hinterfragen der eigenen Identität

Kunst passiert heute mühelos Länder und Grenzen, woran "Broken Flags" von Paulo Nazareth erinnert. Er wanderte von Brasilien nach Amerika und filmte dabei Flaggen. Wie Inseln ihrer jeweils symbolisierten Heimat stehen sie nun auf Holzpaletten, die wiederum an den einstigen Handelsweg, den sogenannten Black Atlantic erinnern. Tschabalala Self aus New York, die mit beeindruckenden, riesigen Figurenbildern in der Ausstellung vertreten ist, wählt einen individuellen Blick auf die Geschichte der Schwarzen.

Es sind sehr unterschiedliche Positionen, die Selbstbewusstsein einer jungen, schwarzen Künstlergeneration ausstrahlen. Mit ganz unterschiedlichen künstlerischen Ansätzen, die das Thema Identität hinterfragen.

"Beyond The Black Atlantic" startet im Kunstverein Hannover

Welche Einflüsse haben die Kultur der Schwarzen in aller Welt geprägt? Das thematisiert die Ausstellung "Beyond the Black Atlantic" im Kunstverein Hannover.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Kunstverein Hannover
Sophienstraße 2
30159  Hannover
Telefon:
(0511) 169 92 78 12
Preis:
6 Euro / ermäßigt 4 Euro / Mitglieder frei
Besonderheit:
Eröffnung: 14.02.2020, 20 uhr
Hinweis:
Öffnungszeiten:
Dienstag - Samstag: 12 - 19 Uhr
Sonn- und Feiertag: 11 - 19 Uhr
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 13.02.2020 | 19:00 Uhr

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