Stand: 03.02.2020 14:27 Uhr  - NDR Kultur

Hildesheim: Doppel-Ausstellung zeigt Gewalt in Afrika

von Kristin Häfemeier

Beim Wort Kolonialismus denkt man sofort an die Gewalt, mit der sich europäische Staaten einen ganzen Kontinent Untertan gemacht haben. Zwei Sonderschauen im Roemer- und Pelizaeus Museum Hildesheim setzen sich nun mit der Gewalt in Afrika während, aber auch vor dem Kolonialismus auseinander. Auf ganz ungewöhnlich Weise.

Eiskalt und gebieterisch schauen die Frauen auf den Schwarz-Weiß-Aufnahmen des Fotokünstlers Marc Erwin Babej auf den Besucher herab. Sie posieren mit Waffen oder blicken angewidert auf einen Affen. Dennoch seien die Bilder auf eine verstörende Weise ästhetisch, sagt der Kurator der Ausstellung "Unser Afrika", Oliver Gauert.

Bilder aus der Doppelausstellung in Hildesheim

Kolonialherren werden in "Unser Afrika" von Frauen verkörpert

Dass die Kolonialherren ausschließlich von Frauen verkörpert werden, verleiht den Bildern noch einmal eine ganz besondere Wirkung. "Man würde von den Frauen nicht erwarten, dass sie diese Positionen von Gewaltherrschern einnehmen", erklärt er. "Das steigert den verstörenden Eindruck der Bilder. Man sieht diese wunderschönen Darstellerinnen mit Waffen, in Uniformen, mit ihren kalten und menschenverachtenden Blicken in der Kulisse der originalen Landschaften, in denen diese grausigen Ereignisse vor nicht einmal 100 Jahren stattfanden. So übersteigert sich dieser Eindruck eines totalitären Regimes."

Texte unter den Bildern sorgen für kalte Schauer

"Dass diese ästhetisch schönen Bilder nicht verherrlichend wirken - dafür sorgen die darunter stehenden Originaltexte aus der Kolonialzeit", so Gauert weiter. "Die Texte, die darunter stehen, die sind so menschenverachtend, dass niemand mehr sagen kann: Das ist durch irgendetwas zu rechtfertigen. Da gibt es Texte, in denen ganz klar beschrieben wird, dass die Menschen in Afrika kein Existenzrecht haben. Und dass die Kolonialherren von Gott gesandt seien, um diese Menschen auszulöschen und das Land zu bestellen. Da muss jedem ein kalter Schauer herunterlaufen."

"Dahomey" - Königreich aus Blut und Tränen

Ein Stockwerk tiefer erfahren Besucher mehr über das bereits in der vorkolonialen Zeit entstandene Königreich Dahomey im heutigen Benin. Zu sehen sind zum Beispiel ein Thron, der auf Schädeln steht und das riesige Bild eines Palastes, dessen Terracotta-Wände durch das beigemischte Blut rot leuchten. Auf den ersten Blick schöne - aber zugleich verstörende Exponate, sagt Kuratorin Lea-Kristin Kschuk: "Es gibt ganz viel Wunderbares in diesem Königreich", sagt sie. "Aber die Könige haben wirklich grausam regiert. Diese Kluft zwischen dem, was wir an Objekten haben, aber auch dem, was die Geschichte uns zeigt - das ist faszinierend!"

Beide Ausstellungen Roemer- und Pelizaeus-Museum zeigen Grausamkeit

Beide Ausstellungen thematisieren die Grausamkeit - die der Kolonialherren, aber auch die der Könige von Dahomey. Und so sollen sie den Besucher auch davor warnen, wie leicht Menschen der Grausamkeit verfallen, sagt Kschuk: "Wir sind heutzutage nicht so weit von vielen Grausamkeiten entfernt. Wenn man sich damit auseinandersetzt hat die Grausamkeit auch einen warnenden Ton", sagt sie. "Denn das, was die Ausstellung zeigt, geschieht auch heute noch. Also ich persönlich habe mich - während ich diese Ausstellung gemacht habe - immer wieder daran erinnert, dass man sehr viel Respekt vor der eigenen Menschlichkeit und der Menschlichkeit anderer haben sollte."

Hildesheim: Doppel-Ausstellung zeigt Gewalt in Afrika

Zwei Ausstellungen in Hildesheim setzen sich auf ungewöhnliche Weise mit Gewalt in Afrika auseinander: "Unser Afrika" beleuchtet die Zeit des Kolonialismus, "Dahomey" die Zeit davor.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim
Am Steine 1-2
31134  Hildesheim
Telefon:
(05121) 936 90
E-Mail:
info@rpmuseum.de
Preis:
10 Euro, ermäßigt 8 Euro
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag: 10 - 18 Uhr

Karfreitag, Ostersonntag und Ostermontag: 10 - 18 Uhr
Pfingstsonntag und Pfingstmontag: 10 - 18 Uhr
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 03.02.2020 | 10:20 Uhr