Marlene Dietrich und Erich Maria Remarque © Courtesy Everett Collection (Imago Images)

Ausstellung: "Marlene Dietrich - Die Diva. Ihre Haltung. Und die Nazis."

Stand: 08.07.2021 15:00 Uhr

Dass sich Marlene Dietrich als politische Kämpferin gegen die Nationalsozialisten engagierte ist vielen nicht bekannt. Genau diese Seite beleuchtet nun eine Ausstellung in Osnabrück, im Erich Maria Remarque-Friedenszentrum.

Blick in einen Ausstellungsraum mit Fotos von Marlene Dietrich © Erich Maria Remarque-Friedenszentrum Foto: Alice Cadeddu
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von Birgit Schütte

Das Lied "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt" und die Rolle als Lola im Film "Der Blaue Engel" haben Marlene Dietrich berühmt gemacht. Geschrieben hat das Lied Friedrich Hollaender. 1933 musste der jüdische Komponist vor den Nationalsozialisten aus Deutschland flüchten. Genauso wie der jüdische Autor Max Kolpe, der ebenfalls Liedtexte für die Diva schrieb. In der Ausstellung kann man die Musikstücke anklicken und erfährt den Hintergrund dazu.

Marlene Dietrich und Erich Maria Remarque waren ein Paar

Blick in einen Ausstellungsraum mit einem großen Foto von Marlene Dietrich © Erich Maria Remarque-Friedenszentrum Foto: Alice Cadeddu
Die Ausstellung erzählt von Marlene Dietrich und Erich Maria Remarque in der NS-Zeit.

Für den Leiter des Erich Maria Remarque-Friedenszentrums Thomas Schneider war klar, dass er die Ausstellung über Marlene Dietrich und ihre Haltung zum Nationalsozialismus nach Osnabrück holen musste. Schließlich waren Dietrich und Remarque während der Zeit, um die es hier geht, liiert. Von 1937 bis 1941 waren sie ein Paar. Seit 1939 lebten beide in den USA. In ihrer Beziehung ging es auch um die Frage: Was können wir gegen die Nationalsozialisten tun?

"Natürlich haben die beiden endlos darüber diskutiert, was jetzt mit der Situation anzufangen wäre. Das reflektiert sich in Remarques Tagebüchern und auch in den Briefen zwischen den beiden. Marlene Dietrichs Entscheidung war, aktiv durch Konzerte für US-amerikanische Truppen ihren Beitrag zum Kampf gegen den Nationalismus zu leisten", so Schneider.

Konzerte für die Amerikaner waren für viele Deutsche ein Affront

Marlene Dietrich gab mehr als 150 Konzerte in zehn Wochen. Ein Foto von 1945 zeigt sie im Paillettenkleid auf einem amerikanischen Panzer. Oder mit Stahlhelm und Blousonjacke ungeschminkt im zerstörten Deutschland. Amerikanische Zeitungsartikel titeln: "Der blaue Engel an der Front". Für die Deutschen war das ein Affront, erläutert Thomas Schneider: "Weil klar war, dass sowohl Dietrich als auch Remarque mit ihrer politischen Grundeinstellung im nationalsozialistischen Deutschland nichts zu suchen hatten. Dann gab es parallel die Versuche der Nationalsozialisten, diese weltweit bekannten Persönlichkeiten sozusagen 'heim ins Reich' zu holen, um mit ihnen zu glänzen, was beide abgelehnt haben."

Remarque und Dietrich kehrten nicht mehr nach Deutschland zurück

Blick auf eine Ausstellungsvitrine mit Schallplatten © Erich Maria Remarque-Friedenszentrum Foto: Alice Cadeddu
Schellackplatten und zahlreiche Briefdokumente ergänzen die Ausstellung.

Filmausschnitte zeigen die Diva später in den 1960er-Jahren in der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem oder bei einem Besuch in einem Filmclub in Warschau. Sie hielt Kontakt zu den "Nazijägern" Beate und Serge Klarsfeld. Aber die Texte und Fotos auf den Stellwänden dokumentieren auch ihre Einsamkeit: "Die Grundmelodie heißt Verlorenheit: Verlorenheit in der Welt, in der Liebe. Es ist das Gesicht eines Menschen, über den verhängt wurde, das Leben immer ein wenig als Exil zu fühlen. Heimat ist anderswo." Das schrieb 1938 der jüdische Schriftsteller und Antifaschist Alfred Polgar über Marlene Dietrich.

Im Remarque-Friedenszentrum wurde die Ausstellung mit Schellackplatten von Marlene Dietrich aus der großen Schallplattensammlung Remarques ergänzt. Außerdem werden Manuskripte von Briefen Remarques an seine Geliebte gezeigt. Es gibt viele Parallelen im Leben beider Künstler, die nie mehr nach Deutschland zurückkehrten.

"Sie galten mehr oder weniger als Vaterlandsverräter, weil sie sich während des Nationalsozialismus gegen Deutschland engagiert hatten", schildert Schneider.

Die Ausstellung "Marlene Dietrich - Die Diva. Ihre Haltung. Und die Nazis." ist bis Ende September in Osnabrück zu sehen.

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Der Schriftsteller Erich Maria Remarque 1956 auf dem Flughafen Tempelhof in Berlin. © dpa - Bildarchiv Foto: Bruechmann

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Remarque-Friedenszentrum mit digitalen Angeboten

Neben der aktuellen Sonderausstellung bietet das Zentrum einen virtuellen Stadtrundgang, ein Quiz und einen Podcast an. mehr

Ausstellung: "Marlene Dietrich - Die Diva. Ihre Haltung. Und die Nazis."

Das Remarque-Friedenszentrum in Osnabrück dokumentiert Marlene Dietrichs Engagement gegen die Nazis und ihre Beziehung zu Remarque.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Erich Maria Remarque-Friedenszentrum / Universität Osnabrück
Markt 6
49074  Osnabrück
Telefon:
(0541) 323-3292
Preis:
Eintritt frei
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag: 10 - 13 Uhr, 15 - 17 Uhr
Samstag und Sonntag: 11-17 Uhr
Gesetzliche Feiertage: 11- 17 Uhr
Hinweis:
Die Zahl der Besucher:innen ist auf 10 Personen gleichzeitig begrenzt
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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 08.07.2021 | 07:55 Uhr