Stand: 20.10.2018 16:20 Uhr

Ausstellung: Alltagsgegenstände mit Geschichte

von Carmen Woisczyk

Was haben ein Holzpferdchen, das als Souvenir aus dem Urlaub mitgebracht wurde, schrumpelige Kaffeebohnen, ein Rollstuhl oder eine ausgewaschene Strickjacke mit Freiheit, Toleranz, Freundschaft und Respekt zu tun? Die Antwort auf diese Frage erfahren Besucher in der neuen Ausstellung "Museum für Werte" in Wolfsburg. Das Kunstmuseum zeigt über 80 persönliche Gegenstände von Menschen aus der Region - die auf den ersten Blick vielleicht noch wertlos erscheinen. Aber: Mit jedem Ausstellungsstück sind wertvolle Geschichten verbunden. Sie werden in der Ausstellung erzählt.

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Die Fliegerjacke steht für Pilotin Karin Cyrol für Freiheit - äußere und innere.

Eine Fliegerjacke und der Korb von einem Heißluftballon - diese beiden Gegenstände bedeuten Karin Cyrol viel, denn sie stehen für Freiheit. Und die fühlt die Pilotin jedes Mal aufs Neue, wenn sie in die Luft abhebt. "Diese körperliche Freiheit, dieses Schwerelossein, das Schweben in der Luft - das ist eine schöne Sache", sagt sie. Aber die innere Freiheit sei noch viel mehr wert. Das habe sie erst durch die Fliegerei erkannt. 15 Jahre ist Karin Cyrol schon Pilotin, das habe sie verändert. "Ich finde es wichtig, dass man es auch im Alltag schafft, andere Perspektiven einzunehmen: über den Dingen zu stehen. Letztendlich möchte ich eigentlich vielen Leuten sagen: Wir haben viel mehr Freiheit als wir glauben. Wir müssen uns die Freiheit suchen und dann auch den Mut haben, diese Freiräume zu füllen."

Wandbilder

Das "Museum der Werte" in Wolfsburg

Kulturjournal -

Werte wie Respekt, Freundschaft und Freiheit sind in aller Munde - und doch nicht selbstverständlich. Das Kunstmuseum Wolfsburg versucht, diese Werte in einer Ausstellung zu präsentieren.

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Silbernes Lesezeichen für Freundschaft

Eine andere Geschichte - über Freundschaft - steckt hinter einem silbernen Lesezeichen aus Japan. Susanne Balk hat es vor über 20 Jahren bei einer Studienreise von ihren Gasteltern bekommen. "Die beiden wollten einfach viel über mich erfahren, aber auch ganz viel über ihr eigenes Land zeigen", erzählt sie. "Das war alles geprägt von Freundschaft, die auch immer noch andauert. Ich bin sehr dankbar, dass ich so etwas erfahren durfte. Das Lesezeichen erinnert mich immer wieder daran. Es liegt immer bei mir auf dem Nachttisch."

Wertgutscheinkarten für fehlenden Respekt

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Diese Wertmarken wurden bis vor einigen Jahren statt Bargeld an Flüchtlinge ausgegeben.

Direkt neben dem Lesezeichen in einer Vitrine des Museums liegen mehrere Wertmarken für Essen und Kleidung. Sie seien bis vor einigen Jahren an Flüchtlinge statt Bargeld ausgegeben worden, erklärt die ehemalige Lehrerin Mecki Hartung. Die Deutsche engagiert sich für die Flüchtlingshilfe und verbindet mit den Marken fehlenden Respekt. Das hat sie selbst erlebt. "Man darf damit nicht alles einkaufen", erzählt sie. "Wenn das Duschgel zu teuer ist, dann fragt die Verkäuferin den Filialleiter: 'Das ist ein Luxusartikel, darf die das überhaupt kaufen?' Dann gucken alle in der Schlange und denken: 'Ah, wieder so ein Sozialfall!'" Eine sehr unangenehme Situation, findet sie.

Weitere Geschichten werden gesucht

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Die Wolfsburger sind dazu aufgerufen, darüber nachzudenken, was für sie ganz persönlich wertvoll ist.

Mehr als 80 Geschichten wie diese werden mit den persönlichen Gegenständen erzählt. Und es sollen noch mehr werden: Das Kunstmuseum sucht auch noch während der Ausstellung weitere Geschichten rund um Freundschaft, Freiheit, Toleranz und Respekt. Museumsleiter Ralf Beil ruft die Menschen aus der Region in und rund um Wolfsburg dazu auf, darüber nachzudenken, was für sie persönlich wertvoll ist. "Wenn wir das zeigen können und wenn wir andere Menschen dazu bringen, darüber zu sprechen, dann haben wir schon einen großen Schritt gemacht: Die Dialogkultur zu fördern, die in unserem Land immer noch gestärkt werden muss", sagt er.

Diskussion über persönliche Werte

Die Idee zur Ausstellung hatte Jan Stassen. In Berlin war sie bereits zu sehen, wurde aber für Wolfsburg mit völlig neuen Geschichten konzipiert. Er möchte die Diskussion über persönliche Werte anregen: "Wir haben festgestellt, dass Menschen nur allgemein über ihre Werte reden", sagt Stassen. "Das haben wir versucht zu ändern, indem wir es ganz subjektiv und ganz individuell gemacht haben." Werte greifbar machen, das soll die Ausstellung "Museum für Werte" in Wolfsburg. Sie dauert noch bis Anfang Dezember.

Ausstellung: Alltagsgegenstände mit Geschichte

Fliegerjacke, Wertgutscheine, Lesezeichen: In der Ausstellung "Museum für Werte" im Kunstmuseum Wolfsburg hat jeder der gezeigten Alltagsgegenstände eine persönliche Geschichte.

Datum:
Ende:
Ort:
Kunstmuseum Wolfsburg
Hollerplatz 1
38440  Wolfsburg
Telefon:
(05361) 2669 - 0
E-Mail:
info@kunstmuseum-wolfsburg.de
Preis:
Der Eintritt ist frei.
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag, 11 bis 18 Uhr
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 21.10.2018 | 16:20 Uhr

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