Stand: 13.06.2017 15:58 Uhr

Immendorffs Kunst in seiner Heimat Lüneburg

von Meike Richter

Am 14. Juni wäre er 72 Jahre alt geworden: Jörg Immendorff. Geboren wurde er in Bleckede im Kreis Lüneburg. Nun ehrt die Heimat ihren Malersohn mit einer Ausstellung: Die Kunsthalle im Kulturzentrum Kulturbäckerei zeigt "Das grafische Werk" bis zum 16. Juli 2017.

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Der Künstler Jörg Immendorf 2004 in seinem Düsseldorfer Atelier.

Vielleicht erinnern sich einige noch an die Aktion von 1968, als der Künstler Jörg Immendorff sich einen schwarz-rot-goldenen Klotz ans Bein band und damit vor dem damaligen Bundestagsgebäude auf und ab lief. Er war ein Künstler, der nicht nur mit seinen Werken für Aufsehen sorgte, sondern auch mit seiner Person. Er wollte protestieren und politisieren. Dadurch polarisierte er. Fest steht, dass er einer der bedeutendsten deutschen Maler der Nachkriegszeit ist.

Am Eingang der Ausstellung empfängt Jörg Immendorff die Besucher: Ein großes Porträt-Foto zeigt den Künstler - grimmiger Blick, kurze Haare, ganz in schwarz. Fast wie der Sänger einer Rock-Band. Rocken wie ein Musiker, das konnte er dennoch, durch seine Bilder, durch seine Aktionen und durch seine Person. Immendorff war ein politischer Maler, sagt die Kunsthistorikerin Anne Simone Krüger.

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Ideen nach außen tragen

Seine Grafiken erinnern dabei an politische Streitschriften, erzählt sie: "Die Grafik ist für ihn eine Möglichkeit gewesen, seine Ideen unters Volk zu bringen, weiter zu streuen. Da ist die Auflage ganz anders und schneller zu verbreiten. Eine Immendorff-Grafik ist erschwinglicher für den Durchschnitts-Bürger, als ein Immendorff-Gemälde. Insofern steht der Anspruch dahinter, die Ideen nach außen zu tragen und nicht im Atelier für sich geheim zu halten. Es erinnert an politische Streitschriften oder Flugblätter."

Wer Immendorffs Werke betrachtet, muss gleichzeitig den Künstler als Person im Blick haben. Immendorff selbst inszenierte sich selbst, sagt Kunsthistorikerin Krüger.

Geboren wurde Jörg Immendorff am 14. Juni 1945 in Bleckede, Kreis Lüneburg. Hier, in der kleinen Stadt an der Elbe, hatte er das geteilte Deutschland direkt vor Augen. Die Teilung des Landes beschäftigte ihn Zeit seines Lebens - bis zur Wiedervereinigung. Vielleicht nahm er sich ein Beispiel an Tom Rakewell, vermutet Kurator Enno Wallis: "Tom Rakewell war ein Lebemann, der im 18. Jahrhundert exkzessiv lebte und das ganze Kapital und Vermögen durchbrachte. Er riss sein soziales Umfeld mit in den Strudel dieses Verderbens. Er hat Jörg Immendorff sehr beeindruckt."

60 grafische Arbeiten in der Ausstellung

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Arbeiten von Jörg Immendorff sind in Lüneburg zu sehen.

Rund 60 grafische Werke von Jörg Immendorff sind in der Ausstellung "Elbquelle" zu sehen. Darunter auch die Serie "Anbetung des Inhalts" mit Hitler, Marx, Lenin und Stalin. Trotz aller Erfolge: Man darf nicht außer Acht lassen, dass Jörg Immendorff kein einfacher Mensch war, sagt Kurator Enno Wallis: "Jörg Immendorff war tatsächlich auch ein Mensch, der kein Blatt vor dem Mund nahm und rebellierte, wenn ihm was nicht passte und seine Ungestümheit hatte eine enorme Energie. Selbst, als es ihm körperlich nicht mehr möglich war zu malen, war er immer noch obsessiv an Produktionsprozessen beteiligt und hat bisweilen relativ herrisch seine Helfer angeleitet."

Dennoch sei Immendorff aus der zeitgenössischen Kunst nicht wegzudenken, sagt Kunsthistorikerin Anne Simone Krüger: "Er hat an der Staedel-Schule gelehrt, eine der renommiertesten Kunstakademien Deutschlands. Viele junge Künstler, die heute sehr erfolgreich sind, gehören zu seinen Schülern. Gleichzeitig wird sein Werk auch dadurch rezipiert, weil es ein sehr politisches ist." Jörg Immendorff starb am 28. Mai 2007 an der Nervenkrankheit ALS.

Jörg Immendorff, Plakatmotiv zur Ausstellung: Sein grafisches Werk und Skulpturen. © Hamburg Messe und Congress GmbH Fotograf: Michael Dannenmann

Jörg Immendorf: Malen heißt siegen

NDR Kultur -

Jörg Immendorf sah sich als gesellschaftskritischen Maler. Er erklärt seine Bilder nur ungern, weil er das Urteil des Publikums nicht beeinflussen wollte. 2000 sprach NDR Kultur mit ihm über seine Arbeit.

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Immendorffs Kunst in seiner Heimat Lüneburg

Am 14. Juni wäre der gebürtige Lüneburger Jörg Immendorff 72 Jahre alt geworden. Ihm zu Ehren zeigt die Kulturbäckerei Lüneburg grafische Kunst des berühmten Malers.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
KulturBäckerei Lüneburg
Dorette-von-Stern-Straße 2
21337  Lüneburg
Telefon:
(04131) 864 51 36
E-Mail:
info@kubalu.de
Preis:
Eintritt frei
Öffnungszeiten:
Mo-Fr 10-18 Uhr, Sa & So 13-18 Uhr
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Kulturspiegel | 13.06.2017 | 19:00 Uhr

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