Gemälde von weißen Mohnblumen auf einem Feld © Landesmuseum Hannover

Ausstellung "Im Freien - Von Monet bis Corinth" in Hannover

Stand: 16.07.2021 13:18 Uhr

Das Landesmuseum Hannover widmet sich Kunst, die vor mehr als 100 Jahren unter freiem Himmel entstanden ist. Die Ausstellung "Im Freien - Von Monet bis Corinth" zeigt Werke der sogenannten Freilichtmaler.

Gemälde von weißen Mohnblumen auf einem Feld © Landesmuseum Hannover
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von Agnes Bührig

Es ist ein Eintauchen in die Zeit um 1900: eine Frau im langen, hochgeschlossenen Sommerkleid mit großem Hut auf der Gartenbank, der leere Strand von Sylt, ein militärisch wirkender Reiter vor aufgewühltem Meer. Nachdem 1841 die Tubenfarbe erfunden worden war,  wird das Arbeiten im Feld noch leichter. Und es entstehen neue Blickwinkel, wie das Bild "Weißer Mohn" von Karl Hagemeister von 1881 zeigt, erklärt die Kunsthistorikerin Annegret Kehrbaum: "Der Blick des Künstlers versenkt sich in einer Mohn-Rabatte auf Kniehöhe, der Horizont ist sehr hoch. Ein Werk, was wirklich impressionistischen Charakter hat. Es ist keine klassische Komposition, sondern man hat den Aspekt der Mohnblume am Wegesrand entdeckt und möchte genau das festhalten. Das ist hier das Neue."

"Rinnsteinmaler" und "Malweibchen": Freiluftmalerei war zunächst verpönt

Zu sehen sind Werke bekannter Künstler wie Lovis Corinth, Paula Modersohn-Becker und Max Liebermann. Sujets sind die Sommerfrische am Meer und im Garten, der Hafen von Rotterdam. Auch der Papageienmann im Zoo von Frankfurt ist zu sehen, den der Impressionist Max Slevogt 1901 malte. Dass die Freiluftmalerei am Anfang kritisch gesehen wurde, zeigt ein Blatt von Wilhelm Busch von 1859: Da stemmt sich ein kleiner Maler mit großer Mappe gegen Sturm und unebenen Untergrund.

Max Liebermann etwa soll als "Rinnsteinmaler" gegolten haben, draußen arbeitende Künstlerinnen wurden als "Malweibchen" verunglimpft. "Als die Maler sich anschickten, ins Freie zu gehen, dann war das verpönt. Warum? Weil plötzlich ein ganz anderer Pinselstrich entstand. Man hat eine ganz bewusst flüchtigere, freie Zeichnung bevorzugt", sagt Katja Lembke, Direktorin des Landesmuseums Hannover. "Es kommt eine neue Farbigkeit, eine ganz neue Erfahrung von Licht da mit hinein, die schlichtweg fremd war."

Videoarbeiten ergänzen das Ausstellungs-Thema

Weiter geführt wird das Thema von Licht und Sehen mit künstlerischen Mitteln des 21. Jahrhunderts. Eine Videoarbeit mit dem Titel "Beacon" von Christoph Girardet aus Hannover und Matthias Müller aus dem Jahr 2002 setzt sich auf poetische Weise mit dem Meer auseinander: Himmel, Strand und lange Einstellungen vermitteln Zeitlosigkeit. "Dolly Sourround" reflektiert "Schäferin mit Herde" des französischen Landschaftsmalers Charles Jacque von 1875. Die Studentin Dorothea Franck hat dafür Einzelteile des Gemäldes kopiert, auf mehrere Schichten verteilt und diese hintereinander aufgereiht. Sie will damit den Betrachtenden auch den Aufbau eines Bildes verdeutlichen: "Es hat diesen partizipatorischen Ansatz, dass sie lernen, dass ein Bild aus mehreren Ebenen besteht."

Jüngere Menschen anlocken mit Playlists und begehbarer Kunst

Die Arbeit gehört zum Projekt "Frei Raum"-Ateliers. Studierende des Studienganges Experimentelle Gestaltung der Hochschule Hannover haben Konzepte entwickelt, um jüngere Menschen für das Thema der Ausstellung zu begeistern. Die Ergebnisse sind begehbare Kuben und Freiluftateliers vor dem Landesmuseum, die am Wochenende öffnen. Dazu gibt es die Playlist "Im Freien" mit Titeln wie "Summertime" oder "Here comes the sun". Aber auch mit Claude Debussy. Ein Ausstellungskonzept für jedes Alter.

Die Ausstellung "Im Freien - Von Monet bis Corinth" ist bis Januar 2022 im Landesmuseum Hannover zu sehen.

Ausstellung "Im Freien - Von Monet bis Corinth" in Hannover

Das Landesmuseum Hannover zeigt in der Ausstellung "Im Freien - Von Monet bis Corinth" Werke der sogenannten Freilichtmaler.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Niedersächsisches Landesmuseum Hannover
Willy-Brandt-Allee 5
30169  Hannover
Telefon:
(0511) 98 07 - 686
Preis:
10 € / ermäßigt 8 € / Familien 20 €
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag 10 – 18 Uhr
Montag geschlossen
Besonderheit:
Der Besuch des Museums ist ohne Voranmeldung möglich.
Hinweis:
Im Museum muss eine medizinische Maske getragen werden.
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 16.07.2021 | 06:20 Uhr