Stand: 02.02.2018 06:20 Uhr

Ausstellung "Die Neunte Kunst" in Oldenburg

von Helgard Füchsel

"Die Neunte Kunst": Dieser Begriff erklärt den Comic zur eigenen Kunstform in Abgrenzung zu den klassischen Künsten wie Malerei, Musik oder Architektur. Und dieser neunten Kunst widmen sich jetzt die städtischen Museen im niedersächsischen Oldenburg. In drei verschiedenen Häusern beleuchten sie Comics aus verschiedenen Blickwinkeln - vom Comic-Heftchen für Kinder über die künstlerisch gestaltete Graphic Novel bis hin zum Computerspiel.                            

Ein langer Gang endet in einem schwarzen Nichts. Schemenhaft gezeichnete Menschen laufen darauf zu. Einige davon sind Kinder mit Koffern. Neben ihren Füßen steht in vielen Sprechblasen das Wort "Tak". Ein Markenzeichen der Künstlerin Ulli Lust, sagt Museumsleiterin Jutta Moster Hoos: "Sie arbeitet viel mit diesen Lautmalereien. Da gibt es dann auch Begriffe, die sie für einen bestimmten Klang oder ein Geräusch erfindet, die oft sehr beklemmend wirken."

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Jutta Moster-Hoos, Leiterin des Horst-Janssen-Museums, erläutert die Arbeitsweise von Reinhard Kleist in seiner Graphic Novel über Nick Cave.

Ulli Lust hat den Roman "Flughunde" von Marcel Beyer als Bildergeschichte erzählt. Neben Literaturadaptionen zeigt die Ausstellung Dokumentationen und auch Skurriles von 13 deutschsprachigen Zeichnern. Das Besondere: Es sind nicht nur die fertigen Zeichnungen zu sehen, sondern auch die Vorskizzen. Das zeigt eindrucksvoll, wie die Künstler arbeiten.

Nostalgische Erinnerungen

Ganz anders ist die Ausstellung nebenan im Stadtmuseum: Sie besticht durch nostalgische Erinnerungen. Museumsleiter Andreas von Seggern steht vor einer Wand mit Sprechblasen und liest die schrill-bunten Worte darin vor: "'Kreisch', 'Seufz', 'Boom' - das trifft jeden emotional, jeder weiß sofort, wie er das einzuordnen hat, da muss man keine großen Worte machen."

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Ohne viele Worte: Andreas von Seggern, Leiter des Stadtmuseums Oldenburg, führt durch die Comic-Ausstellung.

Die Ausstellung wirft Schlaglichter auf die Geschichte des Comics. Sie streift kurz japanische Mangas und verschiedene Arbeiten von Wilhelm Busch bis Seyfried. Das erste Donald-Duck-Heft ist zu sehen, ebenso wie ein Mickey-Mouse-Telefon. Die Popularität der Ducks wurde auch zu Propagandazwecken genutzt. In dem Film "Der Fuehrer‘s Face" hat Donald Duck einen Albtraum. Er lebt in Nazideutschland. Solche Filme liefen während des Zweiten Weltkriegs in amerikanischen Kinos vor den Hauptfilmen und dienten laut von Seggern dazu, "die amerikanische Bevölkerung in breitestem Maße zur Kriegsunterstützung zu ermuntern."

Das Erzählen des Ungewollten

Im dritten Ausstellungshaus, dem Edith-Russ-Haus, sind großformatige Wandzeichnungen, Installationen, Computerspiele und Animationsfilme zu sehen. Alle passend zum Titel der Ausstellung "Unwanted Stories", sagt Museumsleiter Marcel Schwierin: "Uns interessiert besonders, dass dort Geschichten erzählt werden, die man sonst überhaupt nicht erzählen kann, eben weil es keine fotografischen Bilder dazu gibt. Das kann Science-Fiction sein, das können psychologische Welten sein, das können aber auch politische Themen sein, zu denen es keine Bilder geben soll."

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Victoria Lomasko zeichnet Frauen aus islamischen Republiken der ehemaligen Sowjetunion.

Düstere Zukunftsvisionen und Gerichtsreportagen sind unter den Exponaten. Beeindruckend aber auch bedrückend sind die grafischen Reportagen von Victoria Lomasko. Sie zeichnet Frauen aus islamischen Republiken der ehemaligen Sowjetunion. Die arbeiten heutzutage in Moskau unter Bedingungen, die von Menschenrechtsorganisationen als Sklaverei bezeichnet werden, erzählt die Künstlerin.

Zusammen ergeben die drei Ausstellungen zur neunten Kunst faszinierende Einblicke in die Comickunst. Wer alle drei besuchen möchte, sollte viel Zeit mitbringen.

Bilder der Ausstellung "Die neunte Kunst"

Die Ausstellung "Die Neunte Kunst" ist im Stadtmuseum und im Edith-Russ-Haus noch bis zum 2. April zu sehen, im Horst-Janssen-Museum sogar bis zum 6. Mai.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 02.02.2018 | 06:20 Uhr

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