Gruppenfoto mit Aline Helmcke im Horst-Janssen-Museum © NDR/Helgard Füchsel

Aline Helmcke erhält erstmals vergebenes Horst-Janssen-Stipendium

Stand: 03.01.2022 11:23 Uhr

Das Horst-Janssen-Museum in Oldenburg ermöglicht erstmalig Nachwuchswissenschaftlern aus dem Bereich Grafik und Zeichnung, zu Horst Janssen zu forschen. Nun startet mit Aline Helmcke die erste Stipendiatin.

von Helgard Füchsel

Ein für Oldenburg typisches Giebelhaus an einer Kopfsteinpflasterstraße. Hier hat der Künstler Horst Janssen in den 1930er-Jahren bei seinen Großeltern gewohnt. "Der Förderverein des Horst-Janssen-Museums hat darin eine Wohnung gemietet - für Stipendiaten, die zu Horst Janssen forschen", erklärt die Vorsitzende Inge von Danckelman. "Was wir uns sehr wünschen ist, dass Janssen nochmal in ganz neue künstlerische Zusammenhänge gestellt wird."

Aline Helmcke aus Leipzig hat Janssens Werk bereits in einen neuen Zusammenhang gesetzt. Die 47-Jährige hat nach der "Guten Morgen Mappe" aus Janssens Frühwerk einen Animationsfilm gezeichnet. Darin fliegen Horst Janssen und seine Freundin Verena ganz krickelig gezeichnet in den Himmel und auch ein Hund wird zum Leben erweckt, alles dem Stil von Horst Janssen nachempfunden.

Aline Helmcke nimmt Janssens Frühwerk in den Fokus

Gruppenfoto mit Aline Helmcke im Horst-Janssen-Museum © NDR/Helgard Füchsel
Gruppenfoto mit Aline Helmcke (li.) und dem kuratorischen Team im Horst-Janssen-Museum

Der Animationsfilm ist seit Oktober in der Gruppenausstellung "Janssen Animiert" zu sehen. Aline Helmcke weiß erst seit Kurzem, dass sie als erste Horst-Janssen-Stipendiatin weiter forschen darf: "Das ist eine große Freude. Im Zusammenhang mit der jetzt laufenden Ausstellung 'Janssen Animiert', dachte ich: 'Och schade, schon vorbei' und hatte das Gefühl, es hat doch gerade erst angefangen, dass ich Horst Janssens Arbeit entdecke. Die Zusammenarbeit mit dem kuratorischen Team am Horst-Janssen-Museum war auch fantastisch. Die Sammlung seiner grafischen Arbeiten ist so umfassend, von daher freue ich mich riesig, dass ich jetzt noch mal Zeit habe, für ein Dreivierteljahr nach Oldenburg zu kommen und vor Ort zu forschen."

Die Künstlerin und Wissenschaftlerin interessiert sich besonders für Janssens Frühwerk. Anhand früher Holzschnitte und Lithografien will sie untersuchen, in wie fern die Technik den Inhalt der Werke beeinflusst. Dabei will sie auch selbst Bildserien zeichnen und die Technik des Künstlers nachvollziehen: "Ich bin immer wieder erstaunt und überrascht, mit welcher Offenheit er sich allen möglichen Zeichentechniken und Sujets zuwendet. Es ist unglaublich, dass sich ein Künstler ein Leben lang mit Zeichnung beschäftigt hat, weil wir Zeichnung immer noch wie so eine Vorbereitung zum richtigen Werk wahrnehmen, also was dann entweder Skulptur sein kann oder Malerei."

Ausstellung oder Schrift als Ergebnis der Forschung

Horst-Janssen-Museumsdirektorin Jutta Moster-Hoos steht mit der Vorsitzenden des Fördervereins des Horst-Janssen-Museums Inge von Danckelman vor dem ehemaligen Wohnhaus von Horst Janssen Haus in der Lerchenstraße 14 in Oldenburg © NDR/Helgard Füchsel
Horst-Janssen-Museumsdirektorin Jutta Moster-Hoos steht mit der Vorsitzenden des Fördervereins des Horst-Janssen-Museums Inge von Danckelman vor dem ehemaligen Wohnhaus von Horst Janssen Haus in der Lerchenstraße 14 in Oldenburg

Das Stipendium ist für Nachwuchsforscher, die bereits einen Abschluss an einer Universität haben. Ein Dreivierteljahr lang wohnen die Forscher für das Forschungsstipendium in der Stipendiaten-Wohnung und bekommen monatlich 1.200 Euro. Als Ergebnis soll eine Schrift herauskommen oder aber auch eine Ausstellung, sagt die Museumsdirektorin Jutta Moster-Hoos: "Man ist schon sehr frei und hat Anleitung im Haus. Es geht ja auch um das Konvolut und das Archiv des Janssen-Museums, das als Forschungsgrundlage dient. Aber die Richtung, in die sich das entwickelt, da ist die Forschung wirklich frei."

Wenn es nach der Museumsdirektorin geht, werden darauf weitere Stipendiatinnen und Stipendiaten folgen. Es gibt noch viel zu forschen, sagt sie: "Janssen ist ja sehr, sehr produktiv gewesen. Es ist ein Riesenoeuvre. Es gibt viele schriftliche Quellen dazu. Und Janssen hat ja in verschiedenen Phasen immer wieder sich selbst in der Kunstgeschichte mit sozusagen seinen Vorgängern beschäftigt und darüber sinniert und das findet alles Niederschlag im Werk."

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 03.01.2022 | 09:20 Uhr