Stand: 05.11.2019 10:56 Uhr

Sprengel Museum stellt Material in den Mittelpunkt

von Agnes Bührig

Künstlerische Werkstoffe gibt es viele - von der Moderne bis zur Gegenwart. In der Ausstellung "Aggregatzustände" im Sprengel-Museum Hannover werden in sechs Räumen 60 Werke ausgestellt - unter anderem von Joseph Beuys, Alice Musiol, Daniel Spoerri und Dieter Roth. Alle Objekte wurden aus außergewöhnlichen Werkstoffen wie Fett, Schwefel, Bronze, Alabaster, Wurst oder Zement gefertigt. Ein Ausblick auf die Ausstellung.

Bilder aus der Ausstellung

"Jahrhundertelang war das Material etwas in der Kunst, was man möglichst nicht sehen sollte", sagt Katrin Kolk, die Kuratorin der Ausstellung. "Es ging immer eher um die Idee und den Inhalt und das Material war etwas, was man notgedrungener Weise brauchte, um eine Idee überhaupt sichtbar zu machen."

Aus weißem Marmor hat Hans Arp in den 1950er-Jahren eine Skulptur geformt, die mit ihren sanft geschwungenen Formen an einen Torso erinnert. Emil Cimiotti hinterfragt zur gleichen Zeit bereits das Gewicht des Werkstoffes Bronze und stellt einen schweren, kugelförmigen Nestkörper auf fragile Füßchen.

"Aggregatzustände": Veränderungen im Laufe der Zeit

Die Auseinandersetzung mit dem Material in "Aggregatzustände" bildet eine Vertiefung zur aktuellen Jubiläumsausstellung "Elementarteile". Auch diese Schau zieht sich durch das gesamte 20. Jahrhundert. "Die Jahrhunderte davor waren im Dienste der Darstellung von Wirklichkeit und der Illusion von Wirklichkeit", sagt Reinhard Spieler, Direktor des Sprengel Museums. "Das hat sich mit der Verabschiedung von der sichtbaren Wirklichkeit, also mit den ersten Schritten in die Abstraktion grundlegend geändert."

Deswegen sei es auch völlig folgerichtig, dass Pablo Picasso anfängt, das Material selbst sprechen zu lassen. Der Spanier entwickelte die Collage, Kurt Schwitters ist ebenfalls ein Pionier dieser neuen Kunstform zum Beginn der Moderne. Auch einige seiner Merzbilder sind in der Ausstellung zu sehen.

Auflösung der Grenze zwischen Kunst und Alltag

Daneben geht es um organisches Material. "Große Landschaft" hat Dieter Roth sein Bild von einer schimmelnden Käsescheibe von 1969 genannt, deren Ränder an eine untergehende Sonne erinnern. Essensreste auf einem roten Teller finden sich in einem Kunstwerk von Daniel Spoerri.

"Kunst und Alltag ist schon ein großes Thema, vor allen Dingen seit den 1960er-Jahren", sagt Spieler. "Man hat versucht, die Barriere zwischen Kunst und Alltag einzureißen. Da ist die Grenze dann auch nicht mehr so einfach zu ziehen. Gerade bei Fluxus-Objekten ist das oft so: Da weiß man nicht, ob es ein Flyer oder ein Kunstwerk ist."

Kunstwerk oder Prozessdokumentation?

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Alice Musiol: "Ring of fire". Streichhölzer, Pappe. 125 x 112 x 1 Zentimeter, Sprengel Museum Hannover, Hannover Rück Stiftung.

Offen bleibt auch die Interpretation einiger zeitgenössischer Positionen. Alice Musiol, Jahrgang 1971, hat aus Streichhölzern ihr Werk "Ring of fire" geformt, das an ein Mandala erinnert. Von Berenice Güttler aus Hannover sind bunte Textilkollagen zu sehen, die einen guten Kontrast zum Filzanzug von Joseph Beuys und einem von Christo verhüllten Bürostuhl bieten.

"Man kann sich nicht richtig vorstellen, wie man sich die anziehen kann und gleichzeitig thematisieren sie eben auch den Prozess des Textilen", äußert sich Kuratorin Katrin Kolk zu den Textilkollagen. Wenn man an die Herstellung von Kleidung denke, dann gebe es dort erstmal eine Schnittmusterzeichnung auf Papier, dann werden die Stoffstücke zurechtgeschnitten und erst am Ende entstehe ein fertiges Kleidungsstück. "Das, was wir hier an der Wand haben, ist eigentlich ein Zwischenzustand." Es ist einer der Aggregatzustände von Kunst, die diese Ausstellung facettenreich zeigt und so einmal ganz explizit das Material von Kunstwerken in den Vordergrund stellt.

Sprengel Museum stellt Material in den Mittelpunkt

Die Ausstellung "Aggregatzustände" im Sprengel Museum Hannover zeigt Kunst, bei der das Material im Mittelpunkt steht. Dabei wird auch die Überschneidung von Kunst und Alltag thematisiert.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Sprengel Museum Hannover
Kurt-Schwitters-Platz
30169  Hannover
Telefon:
(0511) 16 84 38 75
E-Mail:
Sprengel-Museum@Hannover-Stadt.de
Preis:
7 Euro, ermäßigt 4 Euro.
Öffnungszeiten:
Montag: geschlossen
Dienstag: 10 bis 20 Uhr
Mittwoch bis Sonntag: 10 bis 18 Uhr
Hinweis:
An allen Tagen ist der Eintritt für Kinder bis zwölf Jahre und Schulklassen frei. Freitags auch für Erwachsene.
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Dieses Thema im Programm:

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