Stand: 20.08.2020 16:56 Uhr

Schloss Ludwigslust: Renovierung des Westflügels geht weiter

von Axel Seitz

Auf den ersten Blick ist dem Schloss Ludwigslust von außen nicht anzusehen, dass das Innere des Gebäudes eine gewaltige Baustelle ist. Das wird erst auf der Gartenseite deutlich: Hier stehen Gerüste bis hoch zum Dach am Westflügel. Gerade dieser Teil des Residenzschlosses wird bereits seit einigen Jahren umfassend saniert, damit sich Besucherinnen und Besucher künftig nicht nur den bereits fertigen Ostflügel, sondern das ganze Schloss anschauen können.

Bauarbeiten im Westflügel dauern an

Die Marketerie-Böden sind bereits ausgebaut worden, an den Wänden fehlen Tapeten und Verkleidungen, das Mauerwerk ist ohne Putz zu sehen, teilweise fehlen Türen. Was derzeit noch eine Baustelle ist, soll in drei bis vier Jahren Museum sein, betont die Direktorin der Staatlichen Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen MV, Pirko Kristin Zinnow: "Im ersten Obergeschoss werden die sogenannten Damen-Appartements wieder entstehen. Hier hat die Herzogin gelebt und wir wollen das Leben der Frauen am Hof wiederherstellen. Im zweiten Obergeschoss wird das Alexandrinen-Appartement wiederhergestellt - hier lebte die Großherzogin. Wir werden das Appartement mit historischen Möbeln, einschließlich ihrem Bett, präsentieren können." Alles nach historischen Vorlagen, originalgetreu.

Das Bett befindet sich - auseinandergebaut - seit 1906 im Depot. Bis es aber wieder in Ludwigslust stehen wird, haben Architekten und Handwerker noch viel zu tun.

Fußböden zuerst saniert

Zunächst sollen die Fußböden in den zahlreichen Räumen gereinigt und aufgearbeitet werden, erklärt Claudia Hennig vom zuständigen Staatlichen Bau- und Liegenschaftsamt Schwerin: "In den Außenwänden vermuten wir, dass die Balkenköpfe geschädigt sein könnten. Aber aus den Erfahrungen aus dem Ostflügel wissen wir, dass da zum Teil Braunfäule, also Pilzbefall oder Borkenkäferbefall, drin ist. Wir erwarten hier noch einige Überraschungen, die unter dem Boden liegen."

Auch Zeitgeschichte soll präsentiert werden

2021 sollen die Arbeiten an den Fußböden abgeschlossen sein. Wie die Wände gestaltet werden, dazu gibt es auch bereits Überlegungen. So soll ein ehemaliges Schlafzimmer der Familie von Herzog Johann Albrecht nicht im Stil des 19. Jahrhunderts rekonstruiert werden, sagt Jörn Meiner. Zu DDR-Zeiten hätten sich dort die Büros des städtischen Bauamtes befunden. "Aber wir bemühen uns, im Schloss und insbesondere an solchen Stellen, die weniger repräsentativ im Sinne der historischen Bausubstanz sind, auch die späteren Zeitschichten zur Wirkung kommen zu lassen."

Der Dezernatsleiter bei den Staatlichen Schlössern, Gärten und Kunstsammlungen MV verweist so auf eine Tapete aus DDR-Zeiten. Sie wird gereinigt - auch mit einer Fehlstelle, "wo aus Makulatur diese Entnazifizierungsbögen geklebt worden sind. Das wollen wir zeigen, um ein authentisches Gefühl zu vermitteln."

Schon 25 Millionen Euro ausgegeben

In den vergangenen Jahren wurden bereits knapp 25 Millionen Euro für die Sanierung der Ludwigsluster Schlosses ausgegeben, betont der für die Schlösser im Land zuständige Finanzminister Reinhard Meyer (SPD): Jetzt müsse mit der Innensanierung weitergemacht werden. Ein solches Denkmal erfordere viele Investitionen. "Wir werden in den Westflügel investieren, damit wir ab 2024 Ausstellungen anbieten können. Der goldene Saal muss restauriert werden. Das alles sind Investitionen in Höhe von weiteren 20 Millionen Euro."

Alle Beteiligten hoffen, das Mitte bis Ende 2023 die Bauarbeiten abgeschlossen sind. Damit kann das Schloss Ludwigslust nach rund 250 Jahren seiner Fertigstellung nicht nur im bereits sanierten Ostflügel (2016 fertiggestellt), sondern auch im sanierten Westflügel in seiner ganzen Schönheit präsentiert werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 20.08.2020 | 19:00 Uhr