Stand: 11.01.2019 15:23 Uhr

Katja Flints berührende Fotos in Rostock

von Matthias Schümann
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Schauspielerin Katja Flint genießt beim Fotografieren die Spontaneität.

Sie ist bekannt als Schauspielerin, als Vamp und als Grande Dame: Katja Flint, geboren 1959, hat mit ihrem gleichermaßen feinen und markanten Gesicht die deutsche Kino- und Fernsehlandschaft geprägt. Sie war Marlene Dietrich, Madame de Pompadour und die TV-Kommissarin Franziska Luginsland. In Rostock ist Katja Flint nun von einer anderen Seite zu erleben: als Fotografin. Die Kunsthalle zeigt ihre erste Einzelausstellung, "Eins". Zu sehen ist die Ausstellung bis 24. Februar.

Katja Flint steht vor einer ihrer Fotografien.

Katja Flint: Emotionen in Schwarz-Weiß

Kulturjournal -

Als Schauspielerin zeigt Katja Flint in ihrem Gesicht gekonnt Gefühle, und das seit über dreißig Jahren. Nicht so bekannt ist, dass sie auch als Fotografin Gefühle präsentiert.

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Die Schultern sind starr, das weiße Hemd, Schlips und Sakko sind gestochen scharf. Der Kopf darüber aber ist unscharf, anscheinend wirft ihn der junge Mann hin und her, sein Gesichtsausdruck ist gequält. "Angry young man" heißt dieses Foto von Katja Flint. Das Bild zeigt Oskar, den Sohn der Schauspielerin. Flint beschreibt, was sie auf dem Foto darstellen wollte: "Ich habe zu ihm gesagt: 'Stell dir vor, du bist ein Banker und du hast wirklich Menschen auf dem Gewissen, die durch dich ihre Altersversorgung verloren haben. Wie fühlt sich einer, wenn er das begreift?' Das hat er fantastisch umgesetzt."

Fotos von Flint: Sinnlichkeit in Schwarzweiß

Viele Aufnahmen dieser Ausstellung in der Kunsthalle Rostock leben von Kontrasten - scharf und verschwommen, entspannt und verzerrt. 32 Schwarz-Weiß-Fotos sind zu sehen, alle zeigen Köpfe, mal mit Hals und Schultern, mal nur die Gesichter, die wütend aussehen oder trauernd oder ängstlich.

Katja Flint mit Bildern voller Sinnlichkeit

Starke und durchaus unangenehme Emotionen standen am Anfang dieser Serie von Aufnahmen, aber dabei blieb es nicht, erzählt Katja Flint: "Ich bin von dem Thema Angst und Leid ausgegangen - Angst vor dem Leid und vor dem Tod, was in der Kunstgeschichte schon immer ein Thema war. Deswegen sind zu Anfang diese aggressiveren Bilder entstanden. Dann hat es sich weiterentwickelt, zu einer Menge sinnlicher, liebevoller und zarter Bilder."

Auf den Fotos sind Kolleginnen - und Unbekannte

Fotografie von Katja Flint, die ihre Arbeiten nun in der Kunsthalle Rostock ausstellt

Katja Flints Fotos in der Kunsthalle Rostock

Schauspielerin Katja Flint zeigt zum ersten Mal in einer Einzelausstellung ihre Fotografien in Rostock. Ihre berührenden Schwarz-Weiß-Fotos sind von Francis Bacons Malerei inspiriert.

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Ihre Modelle wählt Flint eher zufällig aus. Zu sehen sind die Schauspielerinnen Jasna Fritzi Bauer und Antje Traue, aber auch Menschen aus der Nachbarschaft, ein Seemann aus Rostock, und auf einem Foto Flint selber mit dicken Schnürsenkeln kreuz und quer übers Gesicht gebunden: "Es soll einfach dieses mangelnde Selbstvertrauen zeigen. Dass man meint, dass man es nicht kann und nicht talentiert ist. Letztlich könnte man sagen, dass ich diese Schnürsenkelgrenzen mit dieser Ausstellung gesprengt habe."

Seit einigen Jahren traut sich Katja Flint, ihr Talent in einem anderen Genre als der Schauspielerei zu erproben. Im Gegensatz zum Film mit großem Team und langen Vorlaufzeiten genießt sie beim Fotografieren die Spontaneität. Eine schwarze Decke als Hintergrund, einfache Lampen als Lichtquellen, keine Schminke. Ihre Faszination für die Fotografie rührt vor allem aus der bildenden Kunst.

Francis Bacon als Inspiration

"Inspiriert hat mich Malerei von Francis Bacon, der wunderbar mit dem Pinsel durch die Gesichter streift. Und ich habe mich zu Anfang gefragt, ob es möglich ist, so ein Effekt mit fotografischen Mitteln herzustellen. So entstanden die ersten Bilder. Und dann habe ich das immer mehr reduziert. Dadurch sind auch einige unscharfe Bilder entstanden. Ich breche meine eigenen Regeln, was immer interessant ist. Wenn man ewig bei der gleichen Regel bleibt, wird es langweilig."

Bevor es jetzt zur ersten Einzelausstellung mit Bildern von Katja Flint kam, war Überzeugungsarbeit nötig. Die leisten Familie und Freunde, vor allem aber eine Galeristin der renommierten Galerie Eigen + Art und der Direktor der Kunsthalle Rostock, Jörg Uwe Neumann: "Katja Flint ist als Schauspielerin bekannt. Sie kann auf Anweisung Emotionen darstellen. Als Regisseur muss man diese Anweisungen geben und das macht man im Umkehrschluss als Fotograf ja. Ich finde, es sind sehr eindrucksvolle Arbeiten dadurch entstanden, weil sie das auch beherrscht", so Neumann.

Entstanden ist ein beachtliches Debüt. Die Bilder im Erdgeschoss der Kunsthalle sind locker gehängt, einzeln, in Gruppen mit viel Platz dazwischen. Platz für die Wirkung dieser sehr intensiven Bilder und für die Phantasie der Betrachter, die Raum brauchen, um die angedeuteten Geschichten für sich zu Ende zu erzählen.

Katja Flints berührende Fotos in Rostock

Schauspielerin Katja Flint zeigt zum ersten Mal in einer Einzelausstellung ihre Fotografien in Rostock. Ihre berührenden Schwarz-Weiß-Fotos sind von Francis Bacons Malerei inspiriert.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Kunsthalle Rostock
Hamburger Straße 40
18069  Rostock
E-Mail:
Kunsthalle@rostock.de
Preis:
4-6 Euro
Kartenverkauf:
Telefon Kasse: 0381 381-7008
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 11.01.2019 | 19:05 Uhr

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