Stand: 14.07.2020 06:01 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Kunstwerk Garten: Der Ludwigsluster Schlossgarten

von Karin Erichsen

Die großen historischen Gärten in Mecklenburg-Vorpommern, zum Beispiel in Hohenzieritz, Neustrelitz, Schwerin oder Ludwigslust sind nicht nur wunderbare Erholungsräume, sondern echte Kunstwerke. Sie sind nach ausgefeilten Konzepten angelegt und wollen dem Besucher Botschaften vermitteln, seine Sinne lenken, ihn überraschen oder auch täuschen. Die Serie "Kunstwerk Garten" stellt einige besondere Gärten vor: in dieser Folge den Ludwigsluster Schlossgarten.

Der Rundgang beginnt vor dem Ludwigsluster Schloss, wo sich mit mächtigem Brausen ohne Unterlass Wassermassen über kunstvoll gefasste Kaskaden ergießen - und das in einer ansonsten ziemlich trockenen Region. Wer um das Bassin herum geht, der sieht das gesamte Schloss auch noch verdoppelt im Spiegel der Wasserfläche: Machtfülle und Herrlichkeit präsentieren sich in Bild und Ton. "Nur aus diesem Grund wurde meistens so ein Bassin angelegt, um das Bauwerk - und damit die Macht des Monarchen - noch einmal zu spiegeln und damit symbolisch zu verdoppeln", erklärt Dietmar Braune, der Leiter der Staatlichen Gärten in Mecklenburg-Vorpommern.

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Ludwigsluster Schlossgarten soll unterschiedliche Sinne ansprechen

Natürlich hat das Becken auch einen praktischen Nutzen, von dort wird das Wasser nämlich in den Park geleitet, wo es ebenfalls von großer Bedeutung ist. "Alles wirkt durch das Wasser größer und dreidimensional", schildert Braune. Im Barock gebe es einen Wechsel zwischen bewegtem Wasser und stillen Wasser. Ganz ruhige Wasserflächen würden der reinen Spiegelwirkung dienen, das bewegte Wasser soll auch die anderen Sinne, wie das Gehör, ansprechen.

Hinter dem Schloss erstreckte sich ehemals ein barocker Garten, mit akkurat gestutzten Hecken und Spalierbäumen. Sie zeigten, dass der Monarch sich selbst die Natur zum Untertan machen konnte. Ein kurzgemähter Rasenteppich erinnert noch heute daran, ebenso wie die großen Töpfe mit exotischen Pflanzen, die auch schon der Herzog gern zur Schau stellte.

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Dietmar Braune ist der Leiter der Staatlichen Gärten in Mecklenburg-Vorpommern.

"Er konnte damit zeigen, seht her, ich kann selbst die Pflanzen, die nur am Mittelmeer wachsen, im kalten Norden kultivieren", sagt Dietmar Braune. An erster Stelle hätten bei diesem Gedanken die Orangen gestanden. "Eine Orange ist eine immergrüne Pflanze, hat immer gleichzeitig Blüten und Früchte, ist immer aktiv und hat damit eine Symbolkraft für das ewige Leben".

Naturbilder statt übersichtlicher Gartenstrukturen

Die geraden Sichtachsen vom Schloss, zum Beispiel in Richtung der Residenzstadt Schwerin, sind weitere, noch vorhandene Elemente der barocken Anlage. Ansonsten ist der Park heute aber von einem ganz anderen Gartenkonzept geprägt: vom englischen Landschaftsgarten. Romantische Naturbilder statt übersichtlicher Gartenstrukturen, die sich im Zweifel auch von der Schlossterrasse aus bewundern ließen."Das Ziel war es, das natürlich erscheinen zu lassen, obwohl es künstlich angelegt ist", erklärt der Leiter der Staatlichen Gärten.

Das alte Konzept funktioniert immer noch

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Die Bäume leiten den Blick auf das Ludwigsluster Schloss.

Der Besucher geht auf geschwungenen Wegen durch den Park und immer wieder bieten sich ihm neue überraschende Eindrücke. Würde man einen Rahmen um die Kulissen setzen, sollten sie wie romantische Gemälde wirken, so war der Plan des Gartenarchitekten Peter Joseph Lenné. Und das funktioniere immer noch, sagt Dietmar Braune: "Jeder Baum oder jede Baumgruppe ist eigentlich so platziert, dass dort die Sicht gelenkt wird. Man geht nach links und schaut zu dieser imposanten Eiche und dann dreht man sich nach rechts und sieht das Schloss."

Wobei heute die Eindrücke vielleicht sogar noch schöner sind als vor 170 Jahren, als der Garten angelegt worden ist. Denn nun erst haben viele Bäume ihre imposante Größe erreicht und entfalten damit erst die gewünschte Wirkung.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 14.07.2020 | 19:00 Uhr

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