Stand: 19.08.2020 11:36 Uhr

Spiel mit dem Licht: Kunstvoll gedruckte Gartenpläne

von Karin Erichsen

In der Reihe "Kunstwerk Garten" stellen wir Ihnen in diesem Sommer jede Woche faszinierende Gärten in Mecklenburg-Vorpommern vor: Diesmal den Lenné-Park in Remplin nahe Malchin. Allerdings geht es nicht um den Garten selbst, sondern um kunstvoll gedruckte Gartenpläne, die derzeit in der Kapelle des Rempliner Schlossgartens gezeigt werden.

Die Kapelle ist ein kleiner Kulturort, in dem Künstler den ganzen Sommer über ausstellen und Musiker regelmäßig Konzerte geben. "Die große Wäsche" heißt die Ausstellung der Berliner Künstlerin, die sich selbst Jakob Knapp nennt. Etwa 150 blütenweiße, transparente Blätter hängen mit Holzklammern an roten Leinen befestigt wie frisch gebleichte Tücher. Nur wer genau hinschaut, nimmt wahr, dass auf das zarte Japanpapier historische Schlossgartenpläne gedruckt sind. "Unter bestimmten Lichtverhältnissen sieht man gar nichts. Aber dann wieder gibt es Tausende von Ebenen und komplexe Zusammenhänge, die man lesen kann", sagt Jakob Knapp. "Ob geschichtlich, symbolisch oder geistig-kulturell - das fasziniert mich an den Plänen."

Pläne von Gärten in MV bis nach Versailles

Lenne Park © NDR Foto: Karin Erichsen
Mit ihrer Installation "Die große Wäsche" präsentiert die Berliner Künstlerin und Architektin, die sich selbst Jakob Knapp nennt, 150 Linoldrucke von Schlossgartenplänen.

Die junge Frau mit dem männlichen Künstlernamen widmet sich seit ihrem Studium der Architektur den Plänen von Städten und Gärten, die sie künstlerisch bearbeitet. Für diese Ausstellung hat sie unter anderem Pläne der Schlossgärten von Remplin, Schwerin, Ludwigslust und Neustrelitz gedruckt. Aber auch Entwürfe von Versailles oder dem historischen Schlossgarten Peterhof in Sankt Petersburg hängen mit auf der Leine. Aufgewachsen ist die Künstlerin Jakob Knapp ganz in der Nähe in Neubrandenburg und Waren. Viele Gärten des Landes kannte sie schon aus ihrer Kindheit. "Mein Vater ist Geologe und Botaniker und meine Großmutter war unglaublich naturlieb, hat viel gezeichnet und hatte einen wunderschönen Garten. Das hat mich geprägt", schildert Jakob Knapp ihr Liebe zur Natur. Als Architektin habe sie natürlich eine große Affinität zu Städten, alten Kulturstätten und zu allem, was sich dort anreichert. Irgendwann sei sie von der Städtearchitektur zur Gartenarchitektur gelangt.

Kapelle im Lenné-Park: Ort für ungewöhnliche Kunstwerke

Abbildung eines Schlossgartens auf transparentems Japanpapier. © NDR Foto: Karin Erichsen
Je nach Lichteinstrahlung sieht man die Abdrucke der Schlossgärten mal mehr und mal weniger gut.

Die Kapelle im Lenné-Park von Remplin war eine Entdeckung. Das rote Backsteingebäude mit seiner freiliegenden Balkenstruktur im Inneren ist für Konzerte und Ausstellungen wie geschaffen. Der Galerist Peter Balsam aus Berlin ist vor etwa zehn Jahren auf das Gebäude aufmerksam geworden und er beschloss, seinen Lebenstraum von einem eigenen Kulturort zu verwirklichen. Seither lädt er jeden Sommer Künstler und Musiker ein. Seit neuestem stellt er die Kapelle nur einem Künstler pro Saison zur Verfügung. "So lassen sich auch kleinere Werke präsentieren, die nicht auf den ersten Blick ins Auge springen", sagt Balsam.

Gartenpläne erzählen etwas über die Geschichte

Die Gartenpläne nehmen direkten Bezug auf den Ausstellungsort: Die Besucher, die aus dem idyllischen Rempliner Lenné-Garten in die Kapelle kommen, können sich dort den Entwurf eben jenes Gartens ansehen. Daneben hängt der Plan vom Schlosspark Putbus. "Putbus ist zwar kein Lenné-Park, aber auch ein Landschaftspark im ganz klassischen Sinne: mit den Sichtachsen, den Baumgruppen, der Staffelung der Gehölze. Und interessanterweise gibt es eine Beziehung von Remplin nach Putbus", schildert die Künstlerin. So sei der Graf Hahn aus Remplin mit Malte von Putbus befreundet gewesen und habe ihm zum Bau des Theaters geraten. In dem Zusammenhang sei dann auch der Park entstanden. Die Besucher der Ausstellung können weitere solcher Verbindungen knüpfen entlang der Leine von Garten zu Garten. Oder aber sie bewundern einfach nur die filigranen Strukturen der Pläne, die in ganzer Schönheit aufleuchten, wenn die Sonne durch das transparente Papier strahlt.

Die Installation "Die große Wäsche" mit gedruckten Gartenplänen von Jakob Knapp ist noch bis zum 18. September in der Schlosskapelle Remplin zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 18.08.2020 | 19:00 Uhr