Stand: 21.06.2018 16:01 Uhr

Kunststudenten gestalten auf Gut Loitz

von Susann Moll

Raus aus dem Atelier! Das hat bei den Studenten der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alftern bei Bonn Tradition. Jedes Jahr fährt Professor Jochen Breme mit einigen seiner Schützlinge weg, um außerhalb der Hochschule zu arbeiten. In diesem Jahr hat sie der örtliche Kunstverein nach Loitz eingeladen.

Jochen Breme stellt gemeinsam mit einem seiner Studenten ein Drahtgestell in Form eines Stierkopfes auf. Daran befestigt ist eine riesige Plastiktüte, die schnell vom Wind aufgeblasen wird. Diese sogenannte Windskulptur ist nur eines von vielen Werken, die Jochen Breme und seine Studenten in den vergangenen vier Wochen in Loitz geschaffen haben. Für das Projekt hat ihnen der örtliche Kunstverein Teile einer ehemaligen Rinderzuchtanlage zur Verfügung gestellt.

Räume mit Ecken und Kanten und Geschichte

"Das ist ein ganz großer Glücksfall", findet Prof. Jochen Breme, "dass man selten die Gelegenheit hat, so großzügige Räume ohne große Einschränkung zur Verfügung zu haben. Das andere ist, dass diese Gebäude hier Geschichte haben, nicht neutral sind wie eine Galerie, kein White Cube - sondern dass diese Räume Ecken und Kanten haben, ihren eigenen Ausdruck, ihre eigene Stimmung und ihren eigenen geschichtlichen Kontext."

Ortsbezogenes Arbeiten ist wichtig

Es sei ihm wichtig, sagt der Professor für Bildhauerei, dass seine Studenten ortsbezogen arbeiten - mit den räumlichen Gegebenheiten und der Natur, aber auch mit den Leuten ringsherum. Angelika Kehlenbach hat deshalb acht Menschen aus Loitz und Umgebung fotografiert und interviewt. Allen hat sie die gleichen Fragen gestellt. Beispielsweise: "Welche Frage möchtest du an die Welt zurückgeben?"

Die kompletten Interviews werden bei der Vernissage am Sonnabend zu hören sein. Angelika Kehlenbach versteht ihr Werk als partizipative Kunst, weil ihre Gesprächspartner mitgestalten konnten. "Die Arbeit mit Menschen ist einfach wunderbar und jeder Einzelne, wie er sich ausdrückt und was seine Welt ist. Ich habe einen Einblick in die Welt von jedem Einzelnen bekommen und das ist ein großes Geschenk", erzählt Angelika Kehlenbach.

Ihre Kommilitonen haben beispielsweise Außenwände der ehemaligen Kuhställe mit großflächigen Malereien verziert, ein Student hat eine Skulptur aus Holz und Band gefertigt und ein anderer arbeitet an einer Sound-Installation in einem alten Getreidesilo.

Abends in die Röhre schauen

Am Rande des Geländes in Loitz fällt außerdem eine sechs Meter hohe Metallröhre mit einer Tür auf. Die begehbare Säule gehört zum Projekt von Antonia Wolter und hilft, sich beim Blick nach oben auf ein Detail am Himmel zu konzentrieren. Zudem hat die angehende Kunstpädagogin ein Observatorium für die Sommersonnenwende geschaffen.

Antonia Wolter erklärt: "Und zwar habe ich an den kurzen Ende der Scheune auch wieder eine sechs Meter lange Röhre so installiert, dass man von dem Dunkeln in der Scheune durch die Röhre durch genau den Sonnenuntergang am Tag der Sommersonnenwende sehen kann. Wenn man an dem richtigen Punkt steht, dann muss man nur den Blick ungefähr 45 Grad drehen und dann sieht man schon die Sonnenaufgangsröhre und kann genau hindurchschauen und sieht den Ort, wo sie nur wenige Stunden später wieder aufgeht."

Wenn die Studenten ihre Werke präsentieren, geht die Sonne noch annähernd am selben Punkt unter, verspricht Antonia Wolter. Besucher können das Observatorium dann also auch noch nutzen - natürlich nur, wenn der Himmel gegen halb 10 abends wolkenfrei ist.

Kunst im Kuhstall

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 21.06.2018 | 19:00 Uhr

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