"Schaumgeboren" Aktfotografie von Klaus Ender © Klaus Ender Foto: Klaus Ender

Klaus Ender und die Fotografien seines Lebens

Stand: 12.01.2021 17:39 Uhr

Klaus Ender war der Landschafts- und Aktfotograf der DDR und international bekannt. Nun hat hat er durch eine Krankheit sein Augenlicht verloren und gibt trotzdem nicht auf. Ein Besuch.

von Juliane Voigt

Ender ist Autor vieler Gedichtbände und Fotobücher, sein Buch über Filterfotografie gilt als Standardwerk. Auch international schaffte er damit später den Durchbruch. Für schwarz-weiß-Fotos mit Motiven wie diese ist er bekannt: Ein junges Mädchen liegt in der Meeresbrandung - ein braungebrannter schöner Po. Oder eine Reihe von zehn Schönheiten nackt von hinten.

Der Buchautor und Fotograf Klaus Ender auf seiner Terrasse © NDR Foto: Juliane Voigt
Klaus Ende ist für seine Aktfotos berühmt geworden.

Entstanden sind sie 1963 am FKK-Strand auf Rügen. Klaus Ender erzählt, er sei hingegangen, habe nach hübschen Frauen geguckt. im Urlaub sei man sowieso "ein bisschen lockerer": "Von zehn angesprochenen waren es acht Mädchen, die gesagt haben: 'Ja, das machen wir.' Dann habe ich fotografiert - schöne ästhetische Aktfotografie. Kein Sex, keine Erotik. Das ist meine Stärke geworden, weil es auch mein Inneres war".

Fotograf Klaus Ender ist praktisch erblindet

Der Künstler sitzt im Wintergarten seines Hauses in Bergen. Er ist in seinem Innersten angekommen. Die Bilder seines Lebens sind in ihm drin. Seit knapp zwei Monaten ist er so gut wie blind. "Ich kann praktisch meine eigenen Texte nicht mehr lesen, ich kann draußen keinen Straßennamen mehr entziffern. Die Bilder, die mir jetzt noch mein Gehirn liefert, sind total zerrissen." Das sei natürlich ein schwerer Schlag, den man nicht so ohne Weiteres wegstecke.

Ein Augen-Infarkt steckt dahinter. Eine Katastrophe für einen, der das Sehen zu seinem Beruf gemacht hat. Von Klaus Ender heißt es, er habe die Aktfotografie salonfähig gemacht. Seine Akte waren so anständig, dass die Zeitschrift "Magazin" sie veröffentlichte. 1975 sahen 23.000 Menschen in Potsdam seine erste Akt-Ausstellung. 1982 aber wurde die DDR ihm zu eng.

1982 von der DDR nach Österreich gezogen

Er ging nach Österreich. "Ich war Akt- und Landschaftsfotograf. Damit hatte ich mir einen Namen gemacht. Aber in Österreich konnte ich damit nicht werben, das ist ein katholisches Land." Es habe praktisch keine FKK-Strände, so dass er sich ein Metier suchen musste. Neben ihm sitzt seine Frau Gabriela Ender.

Seit mehr als 40 Jahren leben sie glücklich zusammen. Sie erinnert an ihr erstes Treffen: "Wir haben uns 1978 in Potsdam kennengelernt, sind uns zufällig über den Weg gelaufen. Er hat mich dann angesprochen. Ich war erst sein Modell." Klaus Ender erzählt, wo sie geheiratet haben: im weltberühmten Hotel Schloss Cäcilienhof in Potsdam. Das Paar reiste von da an um die ganze Welt. Bis in die Antarktis.

Klaus Ender zieht 1996 zurück nach Rügen

"Stille" Landschaftsfotografie von Klaus Ender © Klaus Ender Foto: Klaus Ender
Diese Landschaftsfotografie von Klaus Ender trägt den Titel "Stille".

Ender fotografierte freiberuflich als Reise-Journalist. 1996 aber zog es ihn zurück nach Rügen. "Ich habe mich von Anfang an als Rüganer, nicht als Rügener bezeichnet. Das wird von vielen bestätigt, 'Klaus Du gehörst auf die Insel.' Hier ist noch einigermaßen Natur vorhanden." Sie sei natürlich auch dem Zeitwandel unterworfen. "Ich würde als Motiv lieber einen alten Bretterlaufsteg haben, und einen alten Kahn als eine hochpolierte Segeljacht."

Ihm ist klar, das geht nicht mehr. Klaus Ender versucht neue Wege zu finden, unterstützt von seiner Frau. Sie habe nun praktisch das übernommen, womit er an Bildern gearbeitet haben. Damit arbeite sie weiter. Sie erklärt: "Wir haben schon 18 Bücher im eigenen Verlag gemacht - Gedichtbände und seine Bilder. Die haben wir natürlich zusammen gestaltet. Das geht jetzt so für die Zukunft nicht mehr", sagt Gabriela Ender.

Dafür hat er sich aber schon etwas Neues ausgedacht. "Ich hab mir ein Studio gemacht, das so groß ist wie ein großer Koffer. An dem kann ich Nahaufnahmen machen, mit Filtern arbeiten. So werde ich mir dieses kleine Land zum Aufhänger machen. Um zu zeigen, dass es da noch neue Wege gibt. Ich muss mit dem hellsten Licht, das ich habe, im kleinsten Format arbeiten." 

Auch damit wird ihm sicher etwas Schönes gelingen. Vielleicht ein neues Standardwerk über Filter-Fotografie im Mikro-Format. Wer weiß, was ihm noch einfällt.

Bilder, Fotos, Bücher von Klaus Ender gibt es über seine Homepage und in verschiedenen Galerien der Insel Rügen - wenn sie wieder öffnen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 12.01.2021 | 19:00 Uhr