Stand: 19.08.2020 11:36 Uhr

Lenné und seine Landschaftsgestaltung in MV

von Karin Erichsen

Die Reihe "Kunstwerk Garten" stellt in diesem Sommer jede Woche faszinierende Gärten in Mecklenburg-Vorpommern vor: dieses Mal den Schlossgarten Basedow und den Schlossgarten Schwerin.

Wer in diesem Sommer Urlaub im Norden gemacht hat und zum Beispiel mit dem Fahrrad durch die Mecklenburgische Schweiz gefahren ist, dem steht die Schönheit dieser Gegend wahrscheinlich noch sehr eindrucksvoll vor Augen. Solche herrlichen Kulissen kann kein Gartenkünstler schaffen, möchte man meinen. Dabei ist das, was wir für Natur pur halten, nichts anderes als gestaltete Kulturlandschaft. Prägend war dabei der Landschaftsarchitekt Peter Joseph Lenné.

Region Schwerin von Lenné mitgedacht worden

"Mit Peter Joseph Lenné verbinden wir die wunderbaren Schlossgärten von Neustrelitz, Ludwigslust oder Schwerin. Dabei reichen die Entwürfe des Gartenkünstlers weit über die Grenzen der Schlossgärten hinaus", erklärt Dietmar Braune, Leiter der Staatlichen Gärten in Mecklenburg-Vorpommern.

Viel Gehölze und viel Wasser; ein von Peter Joseph Lenné gestalteter Garten in Mecklenburg-Vorpommern © NDR Foto: Karin Erichsen
Dietmar Braune, Leiter der Staatlichen Gartenanlagen in Mecklenburg-Vorpommern, ist verantwortlich für die drei großen Lenné-Schlossgärten in Schwerin, Ludwigslust und Neustrelitz.

So sei zum Beispiel die gesamte Region Schwerin von Lenné mitgedacht worden. Die Topographie lege den Vergleich mit Potsdam-Sanssouci nahe: Der Wasserreichtum durch den Burgsee, den Faulen See und den Schweriner See, die Inseln Kaninchen- und Ziegelwerder als Pfaueninseln. Lennés Pläne reichten über die Paulshöhe bis weit in die Ostorfer Feldflur, über den Schweriner See bis zum Görslower Ufer und nach Raben Steinfeld - ein riesiges Areal habe der Landschaftsarchitekt im Blick gehabt, so Braune. Auch wenn nicht die gesamte Planung umgesetzt werden konnte.

Bei Basedow entstand durch Lenné ein ganzes Dorf

Bronzebüste eines nach rechts schauenenden Mannes vor einem grünen Baum.  Foto: Siegfried Grassegger
Peter Joseph Lenné 1789 - 1866, Landschaftsgestalter und Städteplaner des Künstlers Christian Daniel Rauch aus dem Jahre 1847 im Berliner Zoologischen Garten, Berlin.

In der Mecklenburgischen Schweiz hat Lenné, der preußische Gartendirektor, der seit 1818 unter drei Königen und Kaiser Wilhelm I. vorrangig in Berlin und Potsdam gewirkt hat, ein weiteres großes Projekt realisiert: Die Parkanlage von Schloss Basedow mit ihrem weitläufigen, insgesamt rund 500 Hektar umfassenden Umfeld.

In Kooperation mit dem Berliner Architekten Friedrich August Stüler hat Lenné das gesamte Dorf umgestaltet und den Park des mondänen Grafen Hahn zu einem englischen Landschaftsgarten verwandelt. Die weitläufige Anlage von Basedow war seither Vorbild für viele andere Gutsbesitzer der Region, beschreibt der Landschaftsarchitekt und Lenné-Forscher Stefan Pulkenat die Nachwirkungen des Projektes. "Wir können hier regelrecht von einer gestalteten Park- und Gutslandschaft sprechen, die sich wie eine Perlenkette um den Malchiner See herumzieht und dann weiter bis nach Hohenzieritz."

Kontakte zu Herzögen und adligen Familien

Nach Kenntnis Stefan Pulkenats habe Lenné bzw. sein großes Büro mit mehreren angestellten Zeichnern insgesamt etwa dreißig private Parkanlagen in Mecklenburg-Vorpommern entworfen. Das Arbeitspensum sei enorm gewesen, man habe bis spät in die Nacht bei Kerzenschein Pläne gezeichnet. In der Region um Basedow sei die Dichte an Parkanlagen aus der Feder Lennés besonders hoch, Beispiele seien die Parkanlagen von Remplin, Kummerow, Pinnow, Rottmannshagen oder Zettemin. Über das preußische Königshaus und über seinen Vorgesetzten, den Hofmarschall von Maltzahn, habe Lenné exzellente Kontakte zu den Herzögen und den adeligen Familien in Mecklenburg und dem heutigen Vorpommern gehabt. Und jeder, der etwas auf sich hielt, wollte einen Park nach Plänen des großen Meisters, erzählt Pulkenat.

Neue Bäume und Alleen in Mecklenburg und Vorpommern

Aber das Wirken des Gartenkünstlers beschränkt sich nicht nur auf die Parkanlagen. Aufgrund intensiver agrarischer Nutzung war die Landschaft monoton geworden, es fehlten Bäume und Büsche, das Bauholz war knapp, beschreibt Stefan Pulkenat die Situation in Mecklenburg in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Lenné habe da eine Aufwertung der Feldfluren aus gartenkünstlerischen, aber auch aus knallharten wirtschaftlichen Gesichtspunkten angeregt. Es habe sich ein Verein zur Landschaftsverschönerung gegründet, in dem auch viele Gutsbesitzer aus Mecklenburg und Vorpommern Mitglied waren. Im Ergebnis seien neue Kulturlandschaften entstanden. Zum Beispiel durch die Pflanzung von Baumgruppen oder Alleen, deren Schönheit und stattliche Größe bis heute beeindrucken.

Lenné organisierte auch die Gehölze

Lenné lieferte nicht nur die Anregungen, sondern auch - durchaus geschäftstüchtig - die entsprechenden Gehölze für die Pflanzungen vor Ort, berichtet der Leiter der Staatlichen Gärten, Dietmar Braune. "Zwar lieferte er nicht persönlich, aber 1823 wurde die preußische Landesbaumschule gegründet und Lenné war über Tantiemen am wirtschaftlichen Erfolg beteiligt. Und nach Mecklenburg-Strelitz hat die Baumschule sehr lange und sehr viele Gehölze gesendet."

Klimawandel macht Bäumen zu schaffen

Der Erhalt dieser Kulturlandschaften stellt die Verantwortlichen heute vor große Herausforderungen, denn der Klimawandel macht den etwa 180 Jahre alten Bäumen zu schaffen. Vor allem die durch Hitze verursachte Trockenheit und die zahlreichen Schädlinge, die hervorragend über die milden Winter kommen, schaden den Pflanzen. Konzepte für die Pflege und den Erhalt der Bäume, zum Beispiel der einmaligen Kastanienalleen, müssen noch entwickelt werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 18.08.2020 | 19:00 Uhr

Region

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