Besuch beim Restaurator: Für jedes Bild eine andere Tinktur

Stand: 20.04.2021 10:00 Uhr

Wolfram Vormelker ist Restaurator, hat Stuckdecken in den schönsten Schlössern wieder originalgetreu aufgebaut und die schönsten Gemälde restauriert. Ein Besuch in seiner Werkstatt in Klingendorf bei Rostock.

von Kathrin Klein

Ein Schloss mit vielen Türmen, das will Wolfram Vormelker wieder zum Strahlen bringen. Vorn spiegelt es sich im Wasser, über dem Schloss Wolken und Lichtspiele. Immer wieder tunkt der Restaurator das mit Watte umwickelte Stäbchen in eine Lösung. Unzählige Male macht er das in seiner Werkstatt in der Nähe von Rostock. In einer früheren Wassermühle aus dem 14. Jahrhundert. Auf dem etwa 150 Jahre alten Gemälde hat sich eine gelbgrüne Schicht gebildet: Eine Mischung aus Firnis und Dreck. 60 verschiedene Lösungsmittel hat Wolfram Vormelker hinter sich auf einem alten Holzregal stehen. "Das ist ein Gemisch aus zwei Lösemitteln, die beeinflussen sich gegenseitig", erklärt er. "Das eine ist schärfer, das andere ist weicher, die beiden bremsen sich oder steuern sich sozusagen ein bisschen."  

Manchmal geht auch was schief

Restaurator Wolfram Vormelker reinigt in seiner Werkstatt ein Gemälde © NDR Foto: Kathrin Klein
Welche Lösungsmittel-Mischung er genau verwendet, das verrät Wolfram Vormelker nicht - aus Sorge, dass Menschen ohne Sachverstand damit Schaden anrichten könnten.

Für jedes Bild mixt der 71-Jährige eine andere Tinktur. "Wenn man ungefähr weiß, was man lösen will, kann man sich das ausrechnen", sagt Vormelker. "Das hängt davon ab, ob ich Wachs lösen will oder ein Wachsharz-Gemisch oder eine Kopal-Mischung, wie in diesem Fall hier. Meistens klappt es, manchmal klappt es auch nicht." Dabei ist auch schon mal was richtig schief gegangen - wie bei seinem ersten Kapitänsbild. "Bei vielen dieser Gemälde sind die Takelage und die Strippen in den frischen Firnis gemalt - und wenn man den runternimmt, sind die Strippen auch weg. Das ist mir passiert", erzählt der Restaurator. "Ich hatte zum Glück vorher Fotos gemacht, so konnte ich es rekonstruieren. Aber das war sehr peinlich und das war ausgerechnet die 'Padua'." 

Welche Lösungsmittel er benutzt, verrät der Profi lieber nicht. "Ich habe Angst, dass die Leute es hören und nachahmen - ohne zu wissen, was sie tun", sagt er. "Ich hatte schon Bilder hier, die mit Fensterputzmitteln behandelt wurden. In den meisten Fensterputzmitteln ist Ammoniak, das ist tödlich für so eine Oberfläche."

Gemälde von 1710 mit Dampfstrahler "behandelt"

Jetzt muss das etwa 1 x 1 Meter große Schlossbild, an dem Vormelker arbeitet, erst einmal ruhen. Die Lösung soll abdampfen, das Bild trocknen. Das Material ist alt und will nicht überstrapaziert werden. Wolfram Vormelker macht Platz auf seinem sieben Meter langen Arbeitstisch. Marke Eigenbau, aus Gerüstteilen und Metallplatten. Er hebt ein großes Gemälde von Alonso Cano herunter, datiert um 1710: eine Interpretation der sixtinischen Madonna.

Bevor dieses Gemälde zu Wolfram Vormelker kam, war es fast ruiniert. "Die Oberfläche war durch einen Dampfstrahler zerstört, der da mit voller Wucht draufgehalten wurde. Das war ein mühsamer Prozess, weil durch die Hitze die Harze härter und fester werden. Das war kompliziert", meint der Restaurator.

Werke von Alonso Cano hängen in den berühmtesten Gemäldegalerien der Welt. Im Museo del Prado zum Beispiel. Dies hier sei nicht so spektakulär, meint der Restaurator. Aber er ist froh, dass es heute noch abgeholt wird.     

Figuren werden auf Hochglanz poliert

Restaurator Wolfram Vormelker reinigt in seiner Werkstatt eine weiße Figur. © NDR Foto: Kathrin Klein
Die beiden Figuren aus der Sanitzer Kirche sind aus Eichenholz geschnitzt und weiß angestrichen.

Weiter geht es mit zwei weißen Marienfiguren aus der Sanitzer Kirche. Von Weitem sehen sie aus wie aus weißem Marmor, dabei sind sie aus Eichenholz geschnitzt und weiß angestrichen. Eine der beiden Figuren ist schon wieder weiß, die andere noch recht angegraut. Mit Stahlwolle holt er den Schmutz runter. "Das geht auch mit der Glasfaser oder mit einem feuchten Tuch", erklärt Vormelker. "Ganz zum Schluss kommt die Polierweiß-Fassung - damit kann man die Oberflächen differenzieren: Gesicht und Hände werden hochglänzend, die Kleidung nicht ganz so doll. Das ist ein toller Effekt. Vor allem kann der Staub nach der Restaurierung einfach heruntergepustet werden, weil die Oberfläche so glatt ist."

Anschließend schnappt sich Wolfram Vormelker wieder das Schlossgemälde, er will es heute noch fertig bekommen. Ein Gutshausbesitzer aus Vorpommern hat es ihm gebracht - und fünf ähnliche Bilder. Sie sind alle reif für den Frühjahrsputz.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 19.04.2021 | 19:00 Uhr