Stand: 29.07.2020 10:07 Uhr  - NDR Kultur

"Besser als nichts": Kunst im Rostocker Schaufenster

von Katharina Elsner

Ungenutzte Geschäfte, leere Schaufenster: In vielen Gemeinden und Städten ist Leerstand ein Problem, auch in Mecklenburg-Vorpommern. In Rostock hatten eine Handvoll Künstlerinnen deshalb eine Idee: Sie bespielen einen ehemaligen Schreibwarenladen in der Kröpeliner-Tor-Vorstadt mit Kunst, allerdings nur für ein paar Monate und ohne dafür Miete zu zahlen. "Besser als nichts" heißt das Projekt.

Rostock: Kunst in leer stehenden Räumen

Nordmagazin -

Viele Kunstschaffende suchen in der Corona-Krise nach alternativen Konzepten, um sichtbar zu bleiben. In Rostock nutzen einige von ihnen leer stehende Räume für Ausstellungen und Performances.

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Durch den Raum schallt der monotone Sprechtext einer Videoinstallation. Jaqueline Duhr steht vor einer weißen Wand mit Bohrlöchern. Vor ihr hängen schwarz-weiße Fotomontagen, dazwischen ist ein Gedicht aufgeklebt, das noch von der letzten Ausstellung übrig geblieben ist. Einer der Künstler hat einzelne Worte mit einem Filzstift durchgestrichen, so dass das Gedicht einen neuen Sinn ergibt. Für die Künstlerin Jaqueline Duhr ist diese Vermischung der Werke etwas Besonderes: "Es wirkt auch mit den Löchern in der Wand, das Weggetrichene, was als ganzes Gedicht stand. In der Kombination mit dem Bild schafft das Gedicht die Synthese zu den Bildern und bringt etwas Neues hervor. So baut es aufeinander auf. Es ergänzt sich und befruchtet sich. Das ist der besondere Charme an dieser Zwischennutzung."

Kunst produzieren und einen neuen Wert schaffen

Die Künstlerin Stefanie Rübensaal hat Kollegen wie Jacqueline Duhr oder Steffen Dürre in den leerstehenden Laden geholt, um ihre Kunst auszustellen. In einem der begehrtesten Viertel Rostocks, der Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Rübensaal hat den Vormieter angerufen, überredet und nun überlässt er ihr das Geschäft mietfrei. Rübensaal sagt: "Wir wollen aktiv sein, Kunst produzieren, sichtbar sein und den Ort beleben, mit Ausstellungen, Lesungen, Performances den Laden und das Viertel bespielen und dadurch einen neuen Wert schaffen."

Unterstützung durch die Bürgerschaft

Etwa alle zwei Wochen wechselt Rübensaal die Ausstellungen. Ihr Ziel ist es, Kunst mehr in den Alltag zu holen. Denn Kunst kann ein Viertel beleben, meint sie. Das findet auch die Bürgerschaft Rostocks. Sie hat den Bürgermeister beauftragt, zu schauen, welche weiteren leerstehenden Räume die Stadt unbürokratisch an Künstler vergeben kann. Julia Pittasch von der FDP sagt, dass die Stadt bisher verkannt habe, dass solche Zwischennutzungen eine Chance sein können. Sie ist überzeugt, "dass es eine Win-win-Situation gibt. Dass auf der einen Seite die Kultur- und Kreativ-Wirtschaft die Künstlerinnen unterstützt, aber die auch was für mich tun. Erst kommt die Kunst, dann das Cool. Die Kunst bringt etwas mit, bringt Leute in Gegenden, wo sie sonst nicht hingegangen wären. Sie lässt einen das Viertel entdecken, wo man nicht weiß, ob da etwas los ist. Die Leuten bringen Leben rein und Aufmerksamkeit dahin."

Online-Magazin gegründet

Das funktioniert bei "Besser als nichts" in Rostock gut: Passanten blicken durch die Schaufenster, bleiben kurz stehen oder stecken den Kopf zur Tür hinein. Aber Stefanie Rübensaal hat noch etwas angestupst: Sie hat ein Online-Magazin erstellt, das die aktuellen Werke der Künstler und Künstlerinnen zeigt. Auch das ist ein Erfolg: Das Magazin wird inzwischen gedruckt, die zweite und dritte Ausgabe werden von der Stadt gefördert. Die Ausstellungen des Projekts "Besser als nichts" laufen noch bis Anfang September im Laden am Barnstorfer Weg 33 in Rostock. Weitere Projekte sind in Planung.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 29.07.2020 | 07:40 Uhr

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