Stand: 20.07.2018 16:46 Uhr

Bent Szameitat: Zeit im Foto

von Daniel Kaiser

Wie fotografiert man Zeit? Der Hamburger Fotograf und Pionier der Filmografie, Bent Szameitat, zeigt seine Antworten auf diese Frage jetzt in einer Ausstellung im mecklenburgischem Kloster Rehna.

Vögel im Flug, Fische im Strom und das Brandenburger Tor als bizarrer Fächer - Szameitats Bilder dehnen die Zeit. Er drückt nämlich nicht einfach nur auf den Auslöser, sondern hat eine eigene Kunstform entwickelt: Die Filmografie. Dazu wird der Film in der Kamera während des Aufnahmevorgangs weiterbewegt, genauso wie die Kamera während der Aufnahme bewegt werden kann. So entsteht ein kleiner Film auf nur einem Foto.

Kunst und Technik kommen sich ganz nah

Szameitats längliche Aufnahmen sind wie eine Zeitlupe. In der einfachsten Version entstehen dabei Panoramen, wie man sie heute auch mit fast jeder Smartphone-Kamera machen kann. Szameitat geht aber weiter. Er experimentiert seit mehr als zwanzig Jahren mit dem Verfahren und hat Ausdrucksformen gefunden, die einen völlig anderen Blick auf die Wirklichkeit ermöglichen. Kunst und Technik kommen sich in diesen Bildern besonders nah. Das so belichtete Bild erzählt einen ganzen Zeitablauf als Foto. Man sieht alles gleichzeitig. Vögel fliegen und landen, ein Mann hat zwei Köpfe. "Die Zeit wird zur Fläche", erklärt Szameitat.

"Heureka!" im Elbtunnel

Sein Erweckungserlebnis hatte der Daniel Düsentrieb der Fotografie Anfang der 80er-Jahre zufällig unter der Elbe. "Während einer Autofahrt durch den Elbtunnel belichtete ich einen unbelichteten Film beim Zurückspulen", erinnert er sich. Man sah die Fliesen an der Tunnelwand, die plötzlich wellenförmig schienen. Da entstand etwas Neues - irgendwo zwischen Foto und Film. Mitte der 90er-Jahre entwickelte Szameitat erste Pläne für den Bau einer neuartigen Kamera, beziehungsweise für den Umbau einer Spiegelreflexkamera, und begann, erste Ideen zu realisieren.

Stiller Dialog über Zeit

Seine Filmografien wirken im Kreuzgang des alten Klosters von Rehna besonders stark. Die archaischen Kirchenmauern, in denen schon Ewigkeiten in Zeitlupe vergangen sein mögen, sind ja selbst so etwas wie gemauerte Filme. So entsteht ein aufregender Kontrast und ein Dialog über Zeit.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 20.07.2018 | 19:05 Uhr