Stand: 14.06.2018 13:04 Uhr

Ausstellung: "Rostock. Jetzt 800"

von Matthias Schümann

Die Hansestadt Rostock feiert in diesem Jahr ihren 800. Geburtstag. 1218 wurde der Siedlung am Fluss Warnow das Stadtrecht verliehen. Die Feiern zum Jubiläumsjahr begannen schon im Januar, aber jetzt steuern sie auf einen ihrer Höhepunkte zu. Denn das Kulturhistorische Museum der Stadt präsentiert ab dem 14. Juni eine große Ausstellung zur Geschichte der Stadt.

Eine Person guckt durch ein festinstalliertes Fernglas in einen Schrank

Ausstellung: "Rostock. Jetzt 800"

Nordmagazin -

Vor genau 800 Jahren wurde Rostock gegründet. In einer Sonderausstellung zeigt das Kulturhistorische Museum Rostock jetzt die Geschichte der Hansestadt.

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Der Umbau für die Ausstellung "Rostock jetzt 800" war so aufwendig, dass das Haus, das eigentlich immer geöffnet hat, in den vergangenen Wochen geschlossen war. Jetzt aber empfangen Vogelgezwitscher und liebliche Natur die Besucher. Auf eine Leinwand wird ein Bild der Warnow projiziert. So mag es hier ausgesehen haben, als es die Stadt Rostock noch nicht gab. Unberührte Natur und ein sanft dahinfließender Fluss.

Gleich daneben befindet sich eine Vitrine mit Grabungsfunden, denn die Ausstellung beginnt nicht im Jahr 1218, als die Ufer der Warnow schon bebaut waren, sondern viel früher. "Rostock ist weit älter als 800 Jahre. Wir können mal davon ausgehen, dass es 1.000, 1.200 Jahre sind, wenn man die Siedlungsgeschichte nimmt", schildert Museumsdirektor Steffen Stuth. "Anhand von archäologischen Funden zeigen wir, wie eine Stadt um 1200 aussieht."

Blütezeit durch die Hanse

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Museumsdirektor Steffen Stuth betrachtet im historischen Refektorium des Klosters zum Heiligen Kreuz historische Dokumente.

Das Hauptaugenmerk der Ausstellung liegt dann aber schon auf den 800 Jahren bewegter Historie. Die Kuratoren der Schau schufen keine rein chronologische Abfolge der Ereignisse, sondern sie stellten Fragen an die Stadtgeschichte. Was braucht man, um so eine Stadt zu werden? Was hat Rostock gekauft, um im Mittelalter so mächtig, reich und einflussreich zu werden?

Der Themenpunkt "Wie wir stritten" handelt nicht nur vom Dreißigjährigen Krieg, welcher der Stadt schwer zusetzte, sondern laut Stuth auch vom "Streit des Herzogs mit der Stadt im 18. Jahrhundert". Mit den 30er-Jahren und dem Nationalsozialismus beschäftigt sich die Ausstellung unter dem Thema "Was aus uns wurde".

Und die Ausstellung liefert Antworten auf die Fragen. "Die Rostocker Bürger geben uns durch erhaltende Zeitzeugnisse Antworten und wir schauen, wie die Bürger gelebt haben, wo sie essen und trinken gegangen sind", schildert Stuth.

Geschichte zum Anfassen für Kinder

Auf 1.200 Quadratmetern sind 650 Exponate zu sehen. Darunter befinden sich absolute Raritäten wie die sogenannte Heide-Urkunde, die die Verleihung des Stadtrechts an Rostock im Jahr 1218 bezeugt, oder die Papsturkunde zur Gründung der Universität Rostock im Jahr 1419. Diese ist so wertvoll, dass sie nur die ersten vier Wochen gezeigt werden darf.

Interview

Rostocks bewegende Stadtgeschichte

Zum 800. Geburtstag der Hansestadt zeigt das Kulturhistorische Museum Rostock eine Ausstellung zur Geschichte der Stadt. Ein Gespräch mit dem Museumsdirektor Steffen Stuth. mehr

Zu sehen ist auch ein Rostocker Heringsarm. Das unscheinbare Fässchen aus Bronze war das erste einheitliche Eichmaß der Hanse. Vorbild war ein Rostocker Bierfass.

Für Kinder gibt es einen ausgeklügelten Ausstellungsrundgang, in dem sie selbst Sachen ausprobieren können. "Die können hier durch die Ausstellung gehen, haben einen Zeitreisepass, und werden so anhand von ganz spannenden Rätseln und Aufgaben durch die Ausstellung geleitet, das heißt das ist hier auch für Familien eine ganz tolle Angelegenheit."

Doch warum liegt dort eine handelsübliche Ratsche aus Holz? "Was heute nach Party und Public Viewing klingt, hatte vor Jahrhunderten einen bedrohlichen Klang", erklärt der Historiker Ulrich Klein. "So hat damals die Feuerknarre funktioniert. Damit hat man vor Bränden gewarnt."

Niedergang Rostocks und neuer Aufschwung

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In einer Multimedia-Installation ist Rostock um das Jahr 1600 zu sehen. Auf der Karte kann man die damaligen Grundstücke in der Stadt, deren Eigentümer mit Berufen und Steueraufkommen nachvollziehen.

Während die Kleinen die Knarren drehen und Rätsel raten, befassen sich die Erwachsenen mit dem Niedergang Rostocks. 1677 brannte die Stadt ab, ein Großteil der Bevölkerung wanderte in andere Regionen. Von diesem Niedergang erholte sich Rostock laut Museumsmitarbeiterin Annelen Karge erst im 19. Jahrhundert durch die Industrialisierung. "Einer meiner Lieblinge ist das Kaiserpanorama, 3D-Fotografie aus dem 19. Jahrhundert", sagt Karge. "Man sieht drumherum auch so ein bisschen Lebensweise aus der Zeit, Straßenbilder Rostocks, die Kleider, wie man sie damals trug, und wir freuen uns auch, ein Kleid zeigen zu können, das ganz neu in die Sammlung gekommen ist."

Das Kleid aus dem 19. Jahrhundert ist aus Seide und in Altrosa gehalten, hoch geschlossen und elegant. Ganz anders als ein etwas nachlässiges Kleidungsstück, mit dem die Schau endgültig in der Neuzeit ankommt. Eine knallrote Lederjacke. Die Jacke gehörte einmal Udo Lindenberg, 1987 schenkte er sie dem DDR-Staatschef Erich Honecker. Heute gehört sie dem Kulturhistorischen Museum Rostocks und ist damit auch Teil der 800-jährigen Stadtgeschichte.

Ausstellung: "Rostock. Jetzt 800"

Anlässlich des 800-jährigen Jubiläums zeigt das Kulturhistorische Museum Rostock eine Ausstellung zur Geschichte der Stadt - von den ersten Siedlern bis zu Udo Lindenbergs Lederjacke.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Kulturhistorisches Museum Rostock
Klosterhof 7
18055  Rostock
Telefon:
0381 381-4530
E-Mail:
kulturhistorisches.museum(at)rostock.de
Preis:
Eintritt frei
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr
Hinweis:
Öffentliche Führungen: Jeden Sonntag, 11 Uhr (5€ pro Person)
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 14.06.2018 | 14:40 Uhr

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