Stand: 17.08.2020 17:21 Uhr

Die bunte Popwelt des Jim Avignon in Ahrenshoop

von Juliane Voigt

Schon immer hat den Aktionskünstler Jim Avignon die humorvolle und hintersinnige Auseinandersetzung mit dem Alltag beschäftigt. Seit den 1990er-Jahren bemalt er Flugzeuge, Autos, macht Street-Art - und stellt auf der ganzen Welt aus. Nun sind neue Bilder - manche nur wenige Tage alt - und Installationen in Ahrenshoop in derAusstellung "Under the boardwalk" zu sehen. Sie läuft bis zum 20. September in der Galerie Alte Schule.

"Under the boardwalk" heißt so viel wie unterm Bohlenweg oder Strandpromenade. Auf dem Ausstellungplakat küsst sich ein Paar am Strand unter einer Seebrücke. Im Hintergrund ist das Meer. Das ist das große Thema dieser kleinen Schau. "Wie verhalten sich Leute am Strand? Was für Interaktionen gibt es. Der Pier dient als Laufsteg, auf dem sich Leute präsentieren. Er ist von der Form her ähnlich wie ein Laufsteg: Auf dem Laufsteg laufen die Models, dann drehen sie um. Am Pier läuft man auch bis zum Ende und dreht wieder um", so Avignon.

Häufiges Element in Jim Avignons Kunst: das Smartphone

Menschen am Meer. Fast alle haben entweder ein Handy am Ohr oder eines neben sich liegen. Zu sehen sind in den Galerieräumen des Badeortes auch Porträts und Stillleben, Kinder und Blumen. Avignon hat riesengroße bunte Comics gemalt und sie auf Papierbahnen provisorisch an die Wände gepinnt. "Ich habe das Papier als mein Material entdeckt. Ende der 90er-Jahre habe ich viel in Clubs gemalt, zum Teil live, zum Teil mit einer Rolle unterm Arm." Er sei aufgetaucht und habe ein Zeitfenster von ein bis zwei Stunden gehabt, um einen großen Saal vollzuhängen. "Das habe ich einfach beibehalten. Das passt zu mir."

"Ich stelle sonst nur in Großstädten aus"

Popart-Künster Jim Avignon sitzt in einem Fenster vom Kunstmuseum Ahrenshoop © NDR Foto: Juliane Voigt
Freut sich, zum ersten Mal direkt am Meer auszustellen - der Künster Jim Avignon (links).

Jim Avignon ist in Berlin seit den 1990er-Jahren beinah an jeder Ecke präsent. Er bemalte die Mauer an der East Side Gallery, Clubs, Häuser, Flugzeuge der British Airways und entwarf Swatch-Uhren. Seine Motive sind das Berliner Nachtleben, Partys, feiernde Menschen und fröhliche Dämonen. Die Bilder verbreiteten gute Laune und zeigen oft Avignons direkte Umgebung. Manche Bilder der Ahrenshooper Ausstellung sind gerade einmal zwei Tage alt: "Ich stelle sonst nur in Großstädten aus. Das ist eine Reise in eine Parallelwelt - dieses direkt neben dem Strand auszustellen, vor der Eröffnung kurz baden zu gehen."

Großstadtbilder mit Immobilienmaklern und Hippster Freaks

Galerist Robert Dämmig schätzt Avignon als Beobachter des Corona-Sommers in Ahrenshoop und seinen heiter-ironischen Blick auf Sonne, Strand, Handy und Mundschutz. "In seinem Beruf als Maler versucht er immer einen menschlichen Abstand zu dem betrachteten Gegenstand zu halten. Wobei Avignon sich natürlich auch als Teil des Milieus begreift, das er selber darstellt." Er male Großstadtbilder, Leute seiner Generation, Immobilienmakler, aber auch Hippster Freaks - die bunte Mischung, die man aus dem Alltag kenne. "Sein Menschenbild ist besonders. Ich finde, man kann den Begriff verwenden: besonders humanistisch."

Popart-Künster Jim Avignon sitzt auf einer Bühne vom Kunstmuseum Ahrenshoop © NDR Foto: Juliane Voigt
"Meine Bilder und meine Musik haben dieselbe melancholische Fröhlichkeit", so Avignon.

Jim Avignons bunter Blick auf den Alltag findet sich auch in seinen Song-Texten wieder. Als Musiker tritt er normalerweise weltweit in den angesagtesten Clubs auf. Er begleitet sich dabei mit einem kleinen elektronischen Zauberkasten. "Wer mich kennt, würde sagen, dass meine Musik und meine Bilder eins zu eins sind." Sie hätten dieselbe Art der Verklammerung von heiteren und schweren Themen, dieselbe melancholische Fröhlichkeit, eine Leichtigkeit, eine Flüchtigkeit, so der Künstler.

Die bunte Popwelt des Jim Avignon in Ahrenshoop

Jim Avignon ist seit den 1990er-Jahren bekannt. Er bemalte Flugzeuge, designte Swatch-Uhren und ist gefragter Street-Art-Künstler. In Ahrenshoop sind seine jüngsten Arbeiten zu sehen.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Galerie Alte Schule
Dorfstraße 16
18347 Ahrenshoop
Telefon:
(038220) 66330
E-Mail:
info@galerie-alte-schule-ahrenshoop.de
Öffnungszeiten:
Mittwoch bis Sonntag
10 bis 13 Uhr
14 bis 18 Uhr
Hinweis:
Malerei, Arbeiten auf Papier, Installationen
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Kulturjournal | 17.08.2020 | 19:00 Uhr