Stand: 15.07.2020 16:12 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Mehr als 170 Werke bei Ahrenshooper Kunstauktion

von Juliane Voigt

Die 46. Ahrenshooper Kunstauktion wird ganz anders sein als sonst. Denn für die Versteigerung, die am 1. August stattfinden soll, wurden Corona-bedingt einige Anpassungen vorgenommen. Die Vorbesichtigung ist bereits mit einer üppigen Schau gestartet. Mehr als 170 Bilder sind bis Ende Juli im Kunstkaten und in der Strandhalle in Ahrenshoop ausgestellt.

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Ulrich Knispel - "Krankes Kind" (Öl auf Malplatte. 1949. 1280 x 960 mm. Verso Ausstellungsaufkleber: "1949, Kunstausstellung Sachsen-Anhalt").

Auf dem Gemälde sitzen zwei Kinder, eng beieinander, das Mädchen ist sehr blass, der Junge hat liebevoll den Arm um sie gelegt. "Krankes Kind" heißt das Bild von Ulrich Knispel, gemalt 1949 auf einer dünnen Spanplatte, in Ahrenshoop in einem großen Rahmen hinter Glas. "Das Bild wurde ausgestellt auf der Kunstausstellung des Landes Sachsen-Anhalt 1949 und ist durch Zufall eigentlich wieder aufgetaucht", sagt Chefauktionator Robert Dämmig. "Ich verfolge das Bild jetzt schon einige Jahre, und wie es jetzt aussieht, sah es nicht aus, wir haben das aufwendig restaurieren lassen." Das Bild sei völlig verbogen gewesen. "Wir haben das erst mal plan machen lassen, die Farbflächen festigen lassen, erst mal einen Rahmen rundum gemacht, der ist jetzt ganz objekthaft, und schützend museal gerahmt."

"Krankes Kind": Bild und Künstler mit abenteuerlicher Geschichte

Als Dozent der Burg Giebichenstein in Halle war Ulrich Knispel mit Studenten zum Zeichnen in Ahrenshoop. Die Ergebnisse wurden in einer Ausstellung in der Bunten Stube gezeigt - Stillleben mit Holzstücken, toten Fischen und Skeletten. Die SED sah darin eine Provokation. Aus Angst vor einer Verurteilung floh Ulrich Knispel 1951 mit seiner Familie nach Westberlin.

Das Bild hat ebenfalls eine abenteuerliche Geschichte. "Es kommt aus einer Sammlung in Mecklenburg beziehungsweise haben die das eigentlich mal Anfang der 70er-Jahre in Halle bei einer Haushaltsauflösung weggestellt", erzählt Dämmig. "Es war dann einfach ein aufmerksamer und beherzter Blick desjenigen, der dann die Bildtafel auch retten konnte." 1949 habe Knispel ein Aquarell mit genau dem gleichen Bildmotiv ausgestellt, bezeichnet mit "Gesine und Ulrich". "Das sind seine beiden Kinder, aber das ist natürlich eine reine Metaphorik", sagt Dämmig.

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Elisabeth Büchsel - "Rast am Meer" (Öl auf Hartfaser. 1910er Jahre. 370 x 530 mm. U. l. signiert. Verso biblisches Motiv).
Mehrere Werke von Elisabeth Büchsel werden versteigert

Auch die Hiddensee-Malerin Elisabeth Büchsel ist in der Ahrenshooper Kunstauktion vertreten. Mit einem klassischen Motiv, der "Rast am Meer", und einem sehr ungewöhnlichen Bild: einem großen Format, dem Porträt eines älteren Mannes. Weißhaarig, die Hände im Schoß, blickt er ernst und nachdenklich geradeaus. "Es kommt aus einer Bremer Sammlung und war dort Jahre im Familienbesitz", sagt Chefauktionator Dämmig. Trotz fachkompetenter Hilfe habe er nicht rausbekommen können, wer das war und wo es gezeichnet wurde. "Möglicherweise ein berenteter Seefahrer, möglicherweise in Hiddensee oder Stralsund", vermutet Dämmig.

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Elisabeth Büchsel - "Porträt" (Öl auf Leinwand. Um 1905. 810 x 1100 mm. U. r. monogrammiert. Verso auf dem Keilrahmen monogrammiert).

Zu sehen ist das Bild in der Strandhalle Ahrenshoop, wo hauptsächlich Bilder der Moderne und zeitgenössische Kunst ausgestellt sind. Im Kunstkaten können ebenfalls Bilder der Ahrenshooper Kunstauktion besichtigt werden - dort sind Bilder der ersten Generationen der Freiluftmaler zu sehen.

Ungewöhnliche Werke im Programm der Kunstauktion

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Paul Müller-Kaempff - "Dornenhaus Ahrenshoop" (Öl auf Leinwand. Um 1906. 810 x 1200 mm. U. l. signiert.).

"Dieses Jahr haben wir sehr stark die Künstlerkolonie vertreten, mit einem wirklich ikonografischen Bild von Paul Müller Kaempf", sagt Dämmig zum Gemälde "Das Dornenhaus". Außerdem werde auch ein "Mondscheinbild" von Louis Douzette versteigert. "Dann gibt es natürlich einige der modernen Künstler, also Hans Kinder, der wäre dieses Jahr 120 geworden, da haben wir in der Auktion vier aussagekräftige Arbeiten von ihm", stellt der Chefauktionator sein Programm vor. Zum 50. Todestag von Edmund Kesting habe man dieses Jahr eine ungewöhnliche Arbeit direkt aus dem Nachlass, die bis zu Kestings Tod 1970 in seinem Arbeitszimmer hing. Insgesamt sind knapp sind 170 Bilder in der Strandhalle und im Kunstkaten in Ahrenshoop zu besichtigen.

Auktion wird in den Außenbereich übertragen

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Louis Douzette - "Mondnacht am Bodden" (Öl auf Leinwand. Um 1900. 650 x 970 mm. U. r. signiert).

Üblicherweise stellt Robert Dämmig die Arbeiten während der Auktion vor dichtgedrängtem Publikum ausführlich vor. Das wird in diesem Jahr anders. Bild und Ton werden ins Außengelände um die Strandhalle übertragen, sodass man auch im Außenbereich live dabei ist. Wenn man bieten möchte, kann man dann in den Saal hineingehen. Die Vergabe der Bieterkarten werde laut Dämmig nicht limitiert, sodass "jeder, der eine Bieterkarte haben möchte, auch kommen kann".

Der Auktionator rechnet mit vielen Telefon- und Online-Bietern. Die Vorbesichtigung ist zudem auch online möglich. Die Ausstellung im Kunstkaten und in der Strandhalle ist bis zum 31. Juli täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 16.07.2020 | 19:00 Uhr

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