Hammer fällt auf Tisch © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Bernd Wüstneck

Ahrenshooper Kunstauktion: Vorbesichtigung mit Meisterwerken

Stand: 23.07.2021 12:53 Uhr

Am 7. August wird es wieder voll in der Ahrenshooper Strandhalle. Dann gehen knapp 150 Kunstwerke über den Auktionstisch. Interessierte können schon einmal vorbesichtigen, wofür sie an dem Abend in die Bieterschlacht ziehen wollen.

von Juliane Voigt

Das Meer türmt sich auf, Gischt liegt auf dem Wellenkamm. Das Wasser droht mit mächtigem Gedröhn über arglose Betrachter hereinzubrechen. "Die Brandungswelle" ist ein Gemälde von Karl Hagemeister. Es hängt zentral in einem der Säle im Kunstmuseum Ahrenshoop bei der Ahrenshooper Kunstaktion.

Ein immersives Kunsterlebnis, Auktionator Robert Dämmig weiß auch warum: "Der hat ja direkt im Wasser stehend gemalt, also zwei Pfähle ins Wasser geschlagen und die Leinwand dazwischen festgebunden, es ging ja nur so, alles andere wäre umgeblasen worden. Er ist auch öfter überspült worden und dann musste das Bild in mindestens einer Stunde fertig sein. Weil das Licht sich immer ändert und und und..."

Gemälde von Karl Hagemeister besonders begeehrt

Karl Hagemeister in der Nähe von Potsdam. Wenn an der Ostsee Sturm war, telegrafierten ihm Freunde. Das Bild von ihm ist in der diesjährigen Auktion das Top-Los. Vermutet der Chef des Auktionshauses: "Da sind natürlich schon sehr viele Sammler fokussiert. Auch einige Museen waren schon da und haben sich das angesehen, da ist ja ganz selten was am Markt. Wer einen Hagemeister hat, der behält ihn auch. Malerisch ist er unglaublich, direkt vom Motiv, alles plenair, kein Atelier. Und gelebt hat er ganz spartanisch. Vom Jagen, vom Fischen. Und hat sich dem ganzen Kunstzirkus entzogen."

Viele Bilder aus fast allen Kunstepochen

Die Vorbesichtigung der Ahrenshooper Kunstauktion ist im Kunstkaten, der Galerie des Ortes, zu sehen. Und erstmals in einem der großen Säle des Kunstmuseums Ahrenshoop. Hier hängen knapp 100 Bilder, Grafiken, Zeichnungen, in mehreren Reihen. Aus fast allen Kunstepochen seit Gründung der Künstlerkolonien an der Ostseeküste.

Auch ein Bild von Otto Niemeyer-Holstein ist dabei, Usedomer Strand: "Das ist bestimmt mindestens seit 15 Jahren der erste museale Niemeyer mit einer Ostseelandschaft, also da ist ja so gut wie nichts unterwegs. Und dass wir den haben, ist natürlich grandios."

Auch Ahrenshooper Malerin Elisabeth von Eicken dabei

Auch vom Gründer der Künstlerkolonie Ahrenshoop, Paul Müller-Kaempf, ist ein ganz besonderes Bild in die Auktion gekommen: "Das ist von 1890, da sind wir sehr weit gefahren, um den zu bekommen, nach München. Einmal hin und zurück wegen einem Bild, da ist man schon unterwegs."

Von dem Mondscheinmaler Louis Douzette sind zwei Gemälde in der Auktion, natürlich in der Nacht mit dramatischem Licht auf den Szenen. Und eine dunkle Herbstlandschaft der Ahrenshooper Malerin Elisabeth von Eicken. "Dieser herbstliche Birkenweg in den Darß das ist ganz typisch für sie, mit diesen rotbraunen Farben und für eine Frau war das schon wirklich ein Statement. Frauen waren ja letzenendes ausgeschlossen von der akademischen Bildung zum einen, und hatten dann eher den Auftrag, zu unterhalten." Und das ist in dem Sinne keine Sonntagsmalerei, das geht schon weit über eine reine Naturabbildung hinaus."

Einige Bilder verschwinden nach Auktion in privaten Sammlungen

Die Ahrenshooper Kunstauktion hat als ein Sommer-Happening von Künstlern und Künstlerinnen am Ahrenshooper FKK-Strand begonnen. In ihrem 47. Jahr hat das Auktionshaus sich bei Sammlern und Museen eine guten Ruf als lukrativer Kunsthandel erworben.

Die Pandemie hatte kaum Einfluss auf den Kunstmarkt, so der Auktionator Robert Dämmig: "Es ist eher noch schwerer, an gute Sachen zu kommen, weil natürlich alle suchen. Das hat auch mit unserer jahrelangen Arbeit zu tun, dass die Sammler uns Vertrauen. Deshalb haben wir auch den Hagemeister gekriegt, das ist natürlich ein hochdotiertes Werk, das hätte natürlich auch an ein andres Auktionshaus gehen könne, aber es ist jetzt hier bei uns und das macht uns sehr stolz."

Manche der Bilder waren noch nie öffentlich zu sehen und werden auch nach der Auktion wieder in privaten Sammlungen verschwinden. Es lohnt sich, mit dem Katalog einen Rundgang zu machen. Und vielleicht schon einmal ganz mutig online das erste Gebot abzugeben.


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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 23.07.2021 | 19:00 Uhr