Stand: 01.03.2019 16:43 Uhr

"Herzenssache" - Wilhelm Busch als Maler

von Daniel Kaiser

Das Ernst Barlach Haus im Hamburger Jenischpark zeigt die unbekannte Seite Wilhelm Buschs. Er hat nämlich nicht nur "Max und Moritz" erfunden, sondern auch gemalt wie ein Weltmeister. Dabei wollte Busch eigentlich nicht, dass seine Bilder ausgestellt werden.

Ausstellung: "Herzenssache" - Gemälde von Busch

Die Bildergeschichten von "Max und Moritz" und der "Frommen Helene" gehören zum Bildungskanon. Kaum jemand weiß aber, dass Wilhelm Busch ein ausgebildeter Maler war und etwa 1.000 Gemälde hinterlassen hat. "Das liegt auch daran, dass Busch seine Malerei selbst unter der Decke gehalten hat", erklärt Karsten Müller, der Leiter des Ernst Barlach Hauses. Malen war für Busch eine "Herzenssache" - daher der Titel der Ausstellung. Er war von Selbstzweifeln geplagt, denn er hielt seine Bilder für schwächer als die seiner niederländischen Vorbilder aus dem 17. Jahrhundert, ging immer wieder ruppig mit ihnen um, verbrannte sogar viele eigene Gemälde.

Porträt

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Versteckformate - kleine Bilder zum Verstecken

Busch malte Porträts wie das seines Bruders bei einem Kostümfest, grasende Kühe, spielende Kinder, Trinkgelage, Familienszenen und atmosphärische Landschaften. Meist sind es keine großen Schinken, sondern kleine Postkarten in Öl. "Die Forschung nennt das auch 'Versteckformate'", erklärt Müller, "also kleine Bildchen, die man schnell unters Bett schieben konnte. Das, was wir hier sehen, hat Wilhelm Busch für sich im privaten Kämmerlein gemalt."

Rote Jacke als Markenzeichen

Es ist eine Ausstellung ganz ohne "Max und Moritz" und die anderen Bildgeschichten, die sein Leben finanzierten. Nur eine kleine Maikäferzeichnung erinnert an den anderen Wilhelm Busch. Sein Markenzeichen auf den Bildern sind Männer in knallroten Jacken, die immer wieder auftauchen. "Das sind meistens kleine Bauernfiguren, die Busch immer wieder in seinen Landschaftsbildern platziert. Sie sind der Stellvertreter des Betrachters im Bild", erläutert Müller. Die überraschende, interessante Ausstellung mit Leihgaben aus dem Wilhelm Busch Museum in Hannover kombiniert die Bilder mit frühen Skulpturen Ernst Barlachs. Dabei entsteht ein interessanter Dialog.

Wilhelm Busch

Der Zeichner, satirische Dichter und Humorist wird am 15. April 1832 als ältestes von sieben Geschwistern in Wiedensahl geboren. Von seinem neunten Lebensjahr an wächst er bei seinem Onkel, einem Pastor, in Ebergötzen bei Göttingen auf. Später beginnt Busch ein Maschinenbau-Studium in Hannover. Kurz vor dem Abschluss bricht er die Ausbildung ab und schreibt sich an der Kunstakademie Düsseldorf ein, um Maler zu werden.
Als 32-Jähriger schafft er den Durchbruch: mit der Bildergeschichte von "Max und Moritz". Später zieht Busch zurück nach Wiedensahl, dann nach Mechtshausen am Harz, wo er am 9. Januar 1908 im Alter von 75 Jahren stirbt und beigesetzt wird.

Variantenreiche Wilhelm-Busch-Formel

Wilhelm Buschs späte Landschaftsbilder ähneln sich auf den ersten Blick. Es ist wie eine Wilhelm-Busch-Formel: links ein Busch oder Baum und rechts dann der Himmel und die Weite. "Diese Formel wird sehr variantenreich und mit einer Leichtigkeit und einem Schwung durchgespielt, dass man wirklich den Eindruck hat, man stehe vor einer Art sehr persönlichem Tagebuchblatt", so Müller. Der Pinselstrich des alten Wilhelm Busch geriert sich dabei wie der eines jungen Wilden.

Busch als Pinselmagier

Erst als Busch 1908 stirbt, findet man im Nachlass diese Bilder. Es gibt in München eine Ausstellung. Junge Maler wie Paul Klee sind fasziniert. "Einige seiner Kerle mit roten Jacken gehören in eine Gemäldegalerie", schreibt Klee. "Es ist die Anerkennung einer jungen Avantgarde-Generation, die in Wilhelm Busch eben nichts Verzopftes sieht, sondern einen Pinselmagier, der ganz neue Maßstäbe setzt", erklärt Müller. Vielleicht würde Busch sich im Grabe herumdrehen, wenn er wüsste, dass seine Bilder nun ausgestellt werden, aber so eine rotierende, zappelnde Figur würde auch zu seinen Bildergeschichten passen, lacht Müller.

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"Herzenssache" - Wilhelm Busch als Maler

Das Ernst Barlach Haus im Hamburger Jenischpark zeigt die unbekannte Seite Wilhelm Buschs: dessen Ölgemälde. Obwohl sie seine Herzenssache waren, ging er ruppig bis fatal mit ihnen um.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Ernst Barlach Haus im Jenischpark
Baron-Voght-Straße 50a
22609  Hamburg
Telefon:
(040) 82 60 85
E-Mail:
info@barlach-haus.de
Preis:
7 Euro / ermäßigt 5 € / Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre frei; Gruppen (ab 10 Personen) 4 Euro (Studierende 2 Euro) pro Person / Schülergruppen frei; Familienkarte 10 Euro I Jahreskarte 20 Euro / Kombikarte mit dem Jenisch Haus 10 Euro / Öffentliche Führungen (sonntags 11 Uhr, keine Gruppen): kostenlos
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag (an Feiertagen auch Montag) 11 bis 18 Uhr
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Dieses Thema im Programm:

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