Stand: 22.06.2020 13:48 Uhr  - NDR Kultur

Virtueller Rundgang durch "Liebermanns Welt"

von Oliver Kranz

Nach und nach öffnen die Museen wieder, auch in Berlin. Gleich am Brandenburger Tor befindet sich das Max-Liebermann-Haus. Dort sind zurzeit zwar keine Gemälde zu sehen, aber eine sehr interessante Ausstellung über Leben und Werk des Malers und Akademiepräsidenten. Sie heißt "Liebermanns Welt".

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Am Pariser Platz, gleich neben dem Brandenburger Tor stand das Palais, in dem Max Liebermann gelebt hat.

"Wenn'se nach Berlin reinkomm', gleich links", so beschrieb Max Liebermann Gästen den Weg zu seinem Wohnhaus. Das Brandenburger Tor lag früher an der Stadtgrenze. Liebermanns Vater hatte das Palais gleich daneben 1857 gekauft. "Das wurde im Krieg zerstört, dann lag das Haus an der innerdeutschen Grenze, die DDR hat es abgeräumt", erklärt Evelyn Wöldicke. Sie hat die Ausstellung im Max Liebermann Haus kuratiert: "Nach der Wiedervereinigung wurde das Gebäude wiederaufgebaut. Die Originale sind nicht mehr erhalten. Und die Leute kommen auf der Suche nach diesem Original. Deswegen dachten wir: Wir müssen einfach dieses Bedürfnis befriedigen."

Mit VR-Brillen durch Max Liebermanns Wohnräume

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Eine Videoinstallation gibt den Besucherinnen und Besuchern einen Einblick in den virtuellen Rundgang, der zurzeit aufgrund der Corona-Bestimmungen noch nicht mit VR-Brillen angeboten werden kann.

Das Kernstück der Ausstellung ist ein virtueller Rundgang durch Liebermanns Wohnräume. Leider steht er aufgrund der Corona-Bestimmungen zurzeit nicht zur Verfügung. Die Gefahr, dass sich Besucher mit den VR-Brillen zu nah kommen oder sich gar berühren, ist zu groß. Stattdessen werden Fotos gezeigt. "Es gibt jede Menge Schwarz-Weiß-Fotos", sagt Evelyn Wöldicke. "Liebermann war sehr berühmt. Sogar seine Wohnräume wurden in Architekturzeitschriften abgelichtet, als home stories, wie wir es von heute kennen. Einfach weil die Leute wissen wollten, wie er denn nun wohnt."

Denn Max Liebermann war DER Malerfürst des späten Kaiserreichs und der Weimarer Republik, Präsident der Berliner Secession und später der Akademie der Künste. Die Ausstellung präsentiert in Schautafeln mit Fotos und Gemälden seinen Werdegang. Das erste Bild, mit dem er auf sich aufmerksam machte, zeigte arme Frauen in einem düsteren Stall beim Gänserupfen - damals ein Skandal. "Das war nicht das, was man sehen wollte", erklärt die Kuratorin. "Das war nichts Heroisches. Es war auch kein Historiensujet - kein König, keine Schlacht. Es waren einfache Leute mit einer einfachen Tätigkeit. Das allein hat schon genügt, um Aufsehen zu erregen."

Der Werdegang zum Malerfürsten des deutschen Impressionismus

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"Kunst und Künstler" war eine von 1902 bis 1933 monatlich erscheinende Illustrierte für bildende Kunst, in der auch Beiträge von Max Liebermann veröffentlicht wurden.

Der Kaiser bezeichnete Liebermann als Rinnsteinmaler. Doch der ließ sich wenig beeindrucken. Er studierte in Weimar und Paris und lebte sechs Jahre in München, bevor er 1884 in seine Heimatstadt Berlin zurückkehrte. In seinen frühen Jahren malte er naturalistisch - oft mit düsteren Farben. Später wurden die Bilder heller und skizzenhafter. Die Ausstellung zeigt Beispiele: Vornehme Großstädter im Zoo, in einem Ausflugslokal, beim Tennisspielen.

"Es tauchen die ersten Lichtflecken auf - das Spiel mit Licht und Schatten, das später Liebermanns Kunst sehr beeinflussen wird", erklärt Evelyn Wöldicke. "Er wird ja auch für diese Lichtflecken berühmt. Das Licht, das durch Bäume scheint und am Boden diese schönen Fleckenmuster verursacht, das ist eins seiner Markenzeichen."

Angefeindet aufgrund seiner jüdischen Herkunft

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Das berühmte Zitat von Max Liebermann wird auch in der Ausstellung dokumentiert.

1898 gehörte Max Liebermann zu den Gründungsmitgliedern der Berliner Secession, einer Künstlergruppe, die das Pathos der damals vorherrschenden Malerei ablehnte und stattdessen einen deutschen Impressionismus propagierte. Als Secessionspräsident gab er lange die Richtung vor. Das trug ihm auch Kritik ein: Karikaturen zeigen ihn als autoritären Herrscher über das Berliner Kunstgeschehen. Auch aufgrund seiner jüdischen Herkunft wurde er angefeindet - erst recht nach der Machtergreifung der Nazis.

"Er war Jude, er war reich, er hatte viel Macht. Schlimmer kann man es eigentlich gar nicht treffen", erklärt die Ausstellungsmacherin Evelyn Wöldicke. "Ick kann ja nich so viel fressen, wie ick kotzen möchte", soll Liebermann 1933 nach einem Fackelzug der Nazis durchs Brandenburger Tor gesagt haben. Er starb zwei Jahre später. Die Ausstellung in seinem modern wiederaufgebauten Wohnhaus lässt Liebermanns Welt lebendig werden.

Videoinstallation in der Ausstellung über Max Liebermann © NDR.de Foto: Oliver Kranz

"Liebermanns Welt" - Ausstellung in Berlin

NDR Kultur - Klassisch unterwegs -

Das Highlight der neuen Ausstellung im Max Liebermann Haus ist, die Wohnräume des Malerfürsten des deutschen Impressionismus mittels einer VR-Brille besuchen zu können.

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Virtueller Rundgang durch "Liebermanns Welt"

Das Highlight der neuen Ausstellung im Max Liebermann Haus ist, die Wohnräume des Malerfürsten des deutschen Impressionismus mittels einer VR-Brille besuchen zu können.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Max Liebermann Haus
Pariser Platz 7
10117  Berlin
Öffnungszeiten:
Fr.: 10 - 18 Uhr
Sa., So.: 11 - 18 Uhr
Anmeldung:
Eine vorherige Anmeldung ist nicht erforderlich!
Hinweis:
Eintritt frei bis zum 25. August 2020
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 22.06.2020 | 16:20 Uhr

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