Tom Sachs startet sein "Space Program" in den Deichtorhallen

Stand: 19.09.2021 14:14 Uhr

Der US-amerikanische Künstler Tom Sachs simuliert in seiner Ausstellung "Space Program: Rare Earths" in den Hamburger Deichtorhallen eine Mission zum Asteroiden Vesta. Besucher können Teil der Crew werden - und ihr Handy schreddern. 

Tom Sachs in der Ausstellung SPACE PROGRAM: RARE EARTHS in den Deichtorhallen Hamburg. © Julia Steinigeweg Foto: Julia Steinigeweg
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von Kerry Rügemer

In der großen Halle für aktuelle Kunst in den Hamburger Deichtorhallen ist eine riesige Wand aus Monitoren aufgebaut. Es ist ein täuschend echt aussehendes Kontrollzentrum für die Mission, die zwei Astronautinnen auf den Planeten Vesta bringen soll. 

"Space Program: Rare Earths": Weltraummission liebevoll nachgebildet

Alles ist bis ins kleinste Detail liebevoll nachgebildet. In der riesigen Raumkapsel quetschen sich die Astronautinnen in ihren Weltraumanzügen in die Sitze. Eine Kamera überträgt ständig die einzelnen Phasen des Starts: Da steigt ein Raketenmodell mit viel Rauch gen Himmel - alles wird live in den vielen kleinen Stationen nachgestellt und per Kamera auf einen riesigen Monitor übertragen.

Die Installation "Mobile Quarantine Facility" besteht aus einem umgebauten Wohnwagen, in dem Elemente aus der Raumfahrt angebracht sind, z.B. das Logo von der NASA, verschiedene Antennen und Sensoren. © Tom Sachs Foto: Genevieve Hanson
"Mobile Quarantine Facility (MQF)" heißt dieses Objekt des Künstlers Tom Sachs, das in den Deichtorhallen zu sehen ist.

Gebaut ist alles aus Sperrholz, viel Klebeband und Heißkleber. Die riesige Raumkapsel sieht mitgenommen aus, man sieht allen Objekten ihre Handarbeit an. Das ist Tom Sachs sehr wichtig: "Man sieht, wie dreckig und benutzt alles ist", sagt der Künstler. "Es hat Tausende von Jahren gedauert, bis wir die Spuren unseres Handwerks eliminiert haben. Unsere Handys zum Beispiel - glatt und schlicht, an ihnen erkennt man keinerlei Spuren ihrer Konstruktion mehr. Hier bei uns sieht man die ganzen Narben der Konstruktionen, auf die wir stolz sind. Es ist wichtig, sich daran zu erinnern: Diese Narben sind ein Beweis für unsere Handarbeit!"

Teil der Crew werden - und sein Handy schreddern

Es geht um seltene Erden auf Vesta, die abgebaut werden sollen - so die Mission. Besucher können Teil der Crew werden und so auch zwei Bereiche der Ausstellung besuchen, die ihnen sonst verwehrt bleiben: In der Indoktrination müssen dafür Fragen beantwortet und Schrauben sortiert werden. So wird man Teil des Teams und darf dann in die Transsubstantiation zur Wesensverwandlung: Ein großer Schrein, voll mit Werkzeugen und alten Handyakkus, mit Federfetischen und einem großen Mixer. Hier kann man - kein Scherz - sein Handy schreddern lassen. 

Zwei Menschen sitzen auf Stühlen vor einer Installation, die wie ein Raumfahrt-Kontrollzentrum aussieht. © Tom Sachs Foto: Genevieve Hanson
Auch das "Mission Control Center" ist Teil der Ausstellung.

Danach werden die Überreste in Akku und Hülle geteilt, sozusagen Körper und Seele. Völlig verrückt, aber gibt es tatsächlich Besucher, die das machen. "Wenn man Vertrauen hat und bereit ist, ohne sein Handy zu leben, dann helfen wir”, erzählt Sachs. “Das ist nicht das Handy deines Geliebten, deines Drogendealers oder so - es ist DEIN Handy. Wenn du Vertrauen hast - wir helfen dir!"

Tom Sachs stellt unser Konsumverhalten in Frage

Konsumverhalten, die kurze Lebensdauer der Dinge, die wir kaufen, unser unersättlicher Hunger nach immer mehr Technologie - das alles stellt Tom Sachs in Frage. Menschliche Spuren von Handwerk und Konstruktion als Markenzeichen zu etablieren - das ist ihm wichtig.

Fazit: Die während der Besuchszeiten ständig bespielte Ausstellung ist einfach überwältigend. Alles sieht echt aus, es rauscht und dröhnt und riecht nach Rauch aus den fauchenden Vulkanschloten eines fremden Planeten. Hamburg im Weltraum-Rausch - toll!

Tom Sachs startet sein "Space Program" in den Deichtorhallen

Der US-amerikanische Künstler simuliert in seiner Ausstellung in Hamburg eine Mission zum Asteroiden Vesta.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Deichtorhallen Hamburg
Deichtorstraße 1
20095 Hamburg
Telefon:
040 32103-0
E-Mail:
mail@deichtorhallen.de
Preis:
12 Euro, ermäßigt 7 Euro
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag 11 - 18 Uhr, Montag geschlossen
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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 17.09.2021 | 19:00 Uhr