Dreharbeiten zu "Die Weiße Rose" © Staatsoper Hamburg/Brinkhoff-Moegenburg Foto: Brinkhoff-Moegenburg

Staatsoper Hamburg probt "Weiße Rose" als Graphic Opera

Stand: 02.04.2021 14:00 Uhr

An der Hamburgischen Staatsoper entsteht derzeit eine auf einer Kammeroper basierende Graphic Opera über die "Weiße Rose". Ein Film über das Leben Sophie und Hans Scholls, speziell für ein junges Publikum. Ein Besuch bei den Dreharbeiten.

Dreharbeiten zu "Die Weiße Rose" © Staatsoper Hamburg/Brinkhoff-Moegenburg Foto: Brinkhoff-Moegenburg
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von Katja Weise

Der Regisseur David Bösch klingt fast ein bisschen verschwörerisch, als er zu einer kleinen Führung durch den für Nicht-Eingeweihte zunächst unübersichtlichen Raum ansetzt. Eine Struktur ist nicht zu erkennen: Wände, Tische, Stühle, Mischpult, Bildschirme: "Wir sind hier in der Opera Stabile. Das ist wie so eine große Factory. Wir haben hier ganz verschiedene Filmsets. Da ist zum Beispiel ein Tisch mit einer Schreibmaschine, da ist der Verhörraum und hier haben wir die Zelle."

Verschiedene Minikulissen sind in der Studiobühne der Staatsoper aufgebaut, im Nebenraum sogar ein großer Greenscreen, wie bei Harry Potter, witzelt Bösch, aber heute sollen vor allem Detailszenen gedreht werden. Und dafür geht es erstmal an den Schreibtisch.

Dreharbeiten zur Graphic Opera: kleine Szenen und konzentrierte Arbeit

Immer wieder streicht eine Männerhand im Lederhandschuh über die Tastatur der darauf stehenden Schreibmaschine, ein Flugblatt klemmt drin, dann wird die Schublade des Schreibtisches aufgezogen. Die Musik kommt vom Band. Sie wurde bereits im Februar in der Staatsoper aufgenommen. Es dauert eine Weile, bis David Bösch zufrieden ist. Der Übergang muss passen, denn gleich geht es im Verhörraum weiter.

Dreharbeiten zu "Die Weiße Rose" © Staatsoper Hamburg/Brinkhoff-Moegenburg Foto: Brinkhoff-Moegenburg
Marie-Dominique Ryckmanns und Michael Fischer bei Dreharbeiten

Marie-Dominique Ryckmanns setzt sich hinter den Tisch, die blonden Haare sind unter einer braunen Perücke verborgen, mit dem typischen Sophie-Scholl Seitenscheitel: "Dadurch, dass wir immer ganz kleine Szenen drehen, ist es eine sehr konzentrierte Arbeit, und es macht eigentlich auch sehr viel Spaß, sich das Drumherum vorzustellen. Es gibt einem auch sehr viel Freiraum in der Interpretation."

Korrekturen müssen immer wieder sein

Die junge Sopranistin kommt aus München. Als Studentin ist sie oft durch den Lichthof der Universität gegangen, in den die Geschwister Scholl die Flugblätter von der Balustrade fliegen ließen. Sie hat sich intensiv auf die Rolle vorbereitet und singt jetzt, während ihr die Kamera ganz nahekommt, beinahe lautlos mit - erhebt sich, schaut dem Mann, der ihr das Todesurteil bringt, ins Gesicht.

Bösch korrigiert immer wieder. Immer wieder wird die Musik eingespielt, der Dirigent dazu auf einem Bildschirm, zur Orientierung für die Sängerin: "Es ist natürlich neue Musik und bestimmt ungewohnt, auch für uns am Anfang, aber ich muss sagen, die Melodien gehen schnell ins Ohr. Auch unsere Techniker und Kameramänner haben schon die Ohrwürmer."

Filmszenen werden mit Animationen gemischt

Die gespielten Filmszenen sollen später mit animierten gemischt werden. Patrick Bannwart und Falko Herold, die diese gestalten, sind mit am Set, schauen genau hin und machen Skizzen. Die Zeichnungen für den Film entstehen zum großen Teil später. Vieles werde erst während der Dreharbeiten entschieden, sagt Bösch: "Zum Beispiel hat sich das Verhältnis von Filmszenen und Animation schon verändert. Das hat damit zu tun, dass unsere Sängerin und unser Sänger auch sehr begabte Darsteller sind."

Der Bariton Michael Fischer singt und spielt Hans Scholl. Er meint: "Dieses Intime, wenn die Kamera so knapp vor einem ist, ist schon ungewohnt natürlich. Denn auf der Oper hat man doch die Distanz zum Publikum und muss das viel größer zeigen. Aber wenn die Kamera da ist, erlaubt das einen viel größeren Tiefenblick in diese Rolle und das ist schon auch schön."

Ein junges Publikum soll über die Bildebene Zugang zu der zunächst für die meisten vermutlich ungewohnten Musik finden. David Bösch spricht von Seelenmusik und das, was am Ende herausgekommen soll, bezeichnet er als "Graphic Movie Opera. Digital und handgemacht."

Weitere Informationen
Das Publikum an der Staatsoper Hamburg sitzt im Corona-Abstand vor der Uraufführung von "Ghost Light" © NDR Foto: Annette Matz

Kulturpartner: Staatsoper Hamburg

Das Spannungsfeld der Staatsoper Hamburg liegt zwischen sorgsamer Pflege eines breiten Repertoires und der markanten Leidenschaft für das Neue. extern

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 03.04.2021 | 07:20 Uhr