Kunst aus Eierkartons: Installationsansicht der Ausstellung "Special Effeggs" von Carlos León Zambrano im Kunsthaus Hamburg, 2021. © Kunsthaus Hamburg, 2021 Foto: Hayo Heye

"Special Effeggs": Kunst mit Gruselfaktor von Carlos León Zambrano

Stand: 06.06.2021 11:15 Uhr

"Special Effeggs" heißt eine neue Ausstellung im Hamburger Kunsthaus - sehenswert nicht nur für alle Liebhaber von Horrorfilmen. Es ist die erste große Ausstellung von Carlos León Zambrano, der aus Venezuela kommt und in Hamburg Kunst studiert hat.

von Franziska Storch

Im Dunkeln leuchtet nur die große Videoprojektion. Eine Schnecke in Nahaufnahme schiebt sich langsam vorwärts. Verstreut im halbdunklen Raum liegen komische Formen, die aussehen wie riesige Würmer oder Ungeziefer. Wer nach oben schaut, möchte schreien. 180 Monster hängen unter der Decke wie in einem alten Keller voller Getier. Die Decke im Kunsthaus Hamburg habe mit ihren vielen Balken eine ganz besondere Architektur, sagt Carlos León Zambrano. Diese Decke habe ihn schon fasziniert, als er das erste Mal ins Kunsthaus gekommen sei. Und dann gibt es diesen Spezialeffekt, bei dem Kuratorin Anna Nowak schmunzeln muss: "Die Objekte fallen peu à peu von der Decke im Laufe der Ausstellungsdauer."

"Special Effeggs" im Kunsthaus: Kunst aus Eierkartons

Also mitten im Horrorfilm statt nur dabei? Für diesen Spezialeffekt hat der Künstler mit einem Pyrotechniker getüftelt. Zündschnur, Verkabelung, Zufallsgenerator und Fernbedienung machen aus dem Kopfkino Realität. Doch am Ende ist es alles nur Show mit ein bisschen Humor. Die Monster bestehen aus Eierkartons, also "Special Effeggs". Selbst wenn einem Besucher oder einer Besucherin eins direkt auf den Kopf fallen sollte, besteht keine Gefahr.

Kunst aus Eierkartons, das ist auch für Carlos León Zambrano neu. Im Corona-Lockdown, als alle Baumärkte geschlossen waren, sei für ihn der Supermarkt zum Baumarkt geworden. "Und tatsächlich habe ich mich inspirieren lassen von ganz billigen, banalen, alltäglichen Objekten wie Eierkartons." Die wurden zu augenlosem Getier, und manche glänzen wegen einer Schicht aus karamellisiertem Zucker.

Die Artenvielfalt als Thema der Ausstellung

Im Kunsthaus stehen außerdem riesige Brutschränke und Metall-Fässer, und sofort kommt die Fantasie von zu Riesen gezüchtetem Ungetier. Die Industrie-Technik hat der Künstler über das Internet organisiert. Diese Brutstätte im Kunsthaus ist eine Art Science-Fiction-Geschichte über eine alternative Evolution - die Entwicklung von anderen Lebewesen und Arten. Auf die Idee sei der Künstler durch ein ganzes Bündel an Fragen gekommen, sagt die Kuratorin: "Wo stehen wir jetzt? Wohin geht die Technologie? Wo steht der Mensch? Was gibt es noch? Welche Lebewesen? Es geht in der Ausstellung auch um Artenvielfalt."

Diese schräge Artenvielfalt können Besucherinnen und Besucher mit allen Sinnen erfahren, selbst mit der Zunge. Denn am Ausgang lockt - wie beim Kinobesuch, den wir alle schrecklich vermissen - sogar eine Süßigkeiten-Bar. "Da darf man sich auch bedienen" sagt Kuratorin Anna Nowak. Aber: "Man sollte genau hinschauen, denn nicht nur Süßigkeiten liegen in der Bar, aber das ist genau auch Absicht in der Ausstellung."

"Special Effeggs": Kunst mit Gruselfaktor von Carlos León Zambrano

Kunst aus Eierkartons: Das Hamburger Kunsthaus zeigt eine Ausstellung, die sich nicht nur an Liebhaber von Horrorfilmen richtet.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Kunsthaus Hamburg
Klosterwall 15
20095 Hamburg
Telefon:
(040) 335 803
E-Mail:
info@kunsthaushamburg.de
Preis:
Regulär 5 Euro, ermäßigt 3 Euro, Schüler*innen 1,50 Euro
Öffnungszeiten:
Dienstag-Sonntag 11-18 Uhr
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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 25.05.2021 | 19:00 Uhr