Stand: 06.06.2019 18:14 Uhr

Hamburger Museum stellt Knetkunst aus

von Kerry Rügemer

Wir alle haben es schon mal getan: Unsere Hände tief in Knete gesteckt, sie gedrückt und geformt. Das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe widmet sich von Freitag an diesem weichen Material. "Alles kneten" heißt die Ausstellung.

Es geht gar nicht anders: Man muss sofort zupacken, die Finger in die roten, blauen oder schwarzen Knetblöcke versenken, die da so jungfräulich auf einem gigantischen gelben Kunststofftisch stehen. Hier darf jeder zugreifen, rollen, pressen, formen, gestalten. "Es riecht, man sieht es, man kann es fühlen - aber gleichzeitig kann man es hören", sagt Künstler Henrik Jacob. "Ich habe Schallplatten überknetet und jede Platte klingt natürlich anders." Jacob hat eine ganze Bar in Originalgröße geknetet - nur in Schwarz, Weiß und allen möglichen Grautönen. Dabei überknetet er Flaschen, Fotos, Aschenbecher und einen Kühlschrank - alles mit kleinen Knetstückchen, die wie Pixel wirken: Je weiter man weggeht, desto klarer wird das Bild.

Ein Werftarbeiter aus Knete. © Kathrin Klingner / Martin van Soest / Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

"Alles kneten": Viel mehr als Kinderkram

Kulturjournal -

Knete ist Kinderkram? Von wegen. Knete ist Kunst! Das zeigt eine Ausstellung in Hamburg: Sie präsentiert Plastiken und Installationen, aber auch Animationsfilmklassiker und Musikvideos.

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Hamburger baut Werftarbeiter nach

Ganz anders ist die kleine Installation von Marlin van Soest aus der Modelliermasse Fimo: Bis ins Detail ausgestaltete Metallarbeiter schweißen, grillen oder besprechen sich in einer Küche mit filigranen blauweißen Kacheln und einem weich fallenden Tischtuch: "Das ist die Flintwerft, ein alter Tauchereibetrieb, der in Steinwerder liegt", sagt van Soest. "Ich habe die Arbeiter und die Werft sechs oder sieben Monate begleitet und nebenher angefangen zu bauen." Diese ausgiebige Recherche sieht man den liebevoll geformten Szenen an: Selbst der Feuerstrahl aus einem Schweißgerät ist dreifarbig aus sehr dünnen Wülsten täuschend echt gearbeitet.

Interview

Knete: "Metamorphose eines Materials"

Noch bis zum 3. November findet im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe die Ausstellung "Alles kneten. Metamorphose eines Materials" statt. Ein Gespräch mit der Kuratorin Susanna Kumschick. mehr

Animationsfilme großer Künstler

Und dann die vielen Filme: Musiker wie Frank Zappa oder Peter Gabriel produzierten Musikvideos mit Knetanimationen. Im Video der australischen Band Tame Impala zerfließen psychedelisch anmutende Knetbilder ineinander. Und natürlich sind auch die wunderbaren Filme von Aardman Animations: "Wallace und Gromit" oder "Shaun das Schaf" zeigt die Ausstellung.

Faszination Knete

Mehr als 60 internationale und sehr unterschiedliche Arbeiten sind hier zu sehen. Kunst aus Knete ist auf den ersten Blick ein ungewöhnliches Museumsexponat, weil es ein eher unbeständiges Material ist. Gerade das aber hat Kuratorin Susanna Kumschick so fasziniert: "Eigentlich ist Knete nicht musealisierbar. Es ist für die Transformation, für die Metamorphose, das schnelle Verändern und nicht fürs Aufbewahren. Es hat auch etwas Subversives. Und das in ein Museum zu bringen, das hat mich sehr fasziniert." Faszinierend ist die ganze Ausstellung: Hier sieht man die enorme Vielfalt dieses Materials, dass der Münchner Apotheker Franz Kolb 1890 erfunden hat und das schlicht aus Wasser, Öl und Stärke besteht.

"Alles kneten" - das kann man dann auch selbst an diesem wunderbaren gelben Tisch. Und dieser Lust wird sich kaum jemand nach dem Besuch der Ausstellung entziehen können - einfach großartig!

Bilder aus der Ausstellung "Alles kneten"

Hamburger Museum stellt Knetkunst aus

Rollen, formen, gestalten: Im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe dreht sich alles um das Thema Knete. Neben dem Anschauen bekannter Werke kann auch selbst geknetet werden.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Museum für Kunst und Gewerbe
Steintorplatz
20099  Hamburg
Telefon:
040 / 428134880
Preis:
12 Euro, ermäßigt 8 Euro, Do. ab 17 Uhr 8 Euro, unter 18 Jahren frei
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag: 10-18 Uhr
Donnerstag: 10-21 Uhr
Donnerstag an oder vor Feiertagen: 10-18 Uhr
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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 04.06.2019 | 19:00 Uhr

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