Stand: 04.06.2019 08:12 Uhr

Kunsthalle zeigt Zeichnungen von da Vinci

von Peter Helling

Keiner kommt 2019 an ihm vorbei, Superlativ reiht sich an Superlativ: Er hat das berühmteste Gemälde der Welt gemalt, die Mona Lisa, die Zahl seiner Gemälde ist an zwei Händen abzuzählen: Leonardo da Vinci. Im Mai jährte sich sein Todestag zum 500. Mal. Und die Kunstwelt steht buchstäblich Kopf. Einen Leonardo zu besitzen: Mehr geht nicht. Und Hamburg hat gleich vier davon. Vier kleine Zeichnungen, groß wie Bierdeckel, wobei sich der Ausdruck eigentlich verbietet. "Im Moment ist es so, dass in öffentlichen Sammlungen in Deutschland sich ganze sechs Zeichnungen befinden, in Weimar, Köln und vier hier in der Hamburger Kunsthalle", sagt Andreas Stolzenburg. Er leitet das Kupferstichkabinett der Kunsthalle. Die Zeichnungen stammen aus der Sammlung des dänisch-deutschen Kunsthändlers Georg Ernst Harzen und werden vom 5. bis zum 19. Juni ausgestellt.

Leonardos Zeichnungen selten wie Mondgestein

Die vier Zeichnungen sind sehr lichtempfindlich. Sie werden nur kurz präsentiert, danach wandern sie wieder für fünf bis sieben Jahre in die klimasicheren und dunklen Depots. Zur Schonung. Kein Wunder, denn Leonardo ist so rar wie Mondgestein. Für Stolzenburg völlig nachvollziehbar. "Die Bilder haben was Rätselhaftes, seine Zeichnungen gehören zu den besten Skizzen, die man zu dieser Zeit kennt, er hat alles bravourös beherrscht."

Frau mit Peitsche

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Die Zeichnung des Philosophen Aristoteles und seiner auf ihm reitenden Geliebten Phyllis entstand, als da Vinci Anfang 20 war.

David Klemm betreut die Digitalisierung der rund 30.000 Werke der graphischen Sammlung. Er freut sich, dass die vier kleinen Meisterwerke aus ganz unterschiedlichen Schaffensphasen des Universalgenies stammen. Das älteste entstand in seinen frühen Zwanzigern, dargestellt ist der Philosoph Aristoteles, auf dem seine Geliebte Phyllis reitet mit einer Peitsche. "Es sieht sehr eindeutig aus - irgendwie", lächelt Klemm. Damals ungewöhnlich, aber typisch für Leonardo sei es, dass er eine alte Geschichte drastisch realistisch ausschmücke. Dann ein heiliger Sebastian. Der nackte, athletische Mann ist von Pfeilen durchbohrt und krümmt sich vor Schmerz. Feinste Psychologie. Sein Markenzeichen, weiß David Klemm.

Klemm: Leonardo da Vinci "wie ein Fotograf"

"Es ist großartig, wie er die Gesichter belebt und ihr Denken zeigt!", sagt Klemm. "Dieses Geheimnisvolle, das ist der Reiz. Das Lächeln der Menschen, was die Mona Lisa auf den Punkt bringt, wo man nicht ganz schlau wird, was in ihrem Kopf vorgeht oder in ihrer Seele. Das macht ihre Faszination aus." Eine besonders markante Zeichnung ist die Rötelskizze eines alten Mannes. Zerzaustes Haar, fast entstellte, fratzenhafte Züge. Andreas Stolzenburg unterstreicht, das sei eben nicht die antikisch-schöne Renaissance, die alle kennen, sondern eine psychologisierende. Leonardo da Vinci könne man sich als einen Künstler auf der Straße vorstellen, der alles um sich herum abzeichnete, ständig in seine Bücher kritzelte. Wie ein Fotograf. In seinen Skizzen komme man seinem Genie ganz nah. Dass es die gleich viermal seit 1869 in der Kunsthalle gibt, war damals ein echter Coup. Denn der Leonardo-Markt war eigentlich abgegrast. Hamburg ist dank Georg Ernst Harzen auch ein klein wenig: Leonardo-Stadt.

Leonardo da Vincis Zeichnungen in der Kunsthalle

Weitere Informationen
03:54
Kulturjournal

Fragile Meisterwerke von Leonardo da Vinci

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Nur neun Zeichnungen von Leonardo da Vinci sind in Deutschland erhalten, vier davon besitzt die Kunsthalle Hamburg. Zum 500. Todestag des Genies werden diese für zwei Wochen gezeigt. Video (03:54 min)

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 05.06.2019 | 19:00 Uhr

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