Stand: 20.05.2020 10:09 Uhr  - NDR 90,3

Ausstellung: Farbenfroh und düster zugleich

von Franziska Storch

Für Künstler ist es häufig schwierig, ein bezahlbares Atelier in Hamburg zu finden. Das Forum für Künstlernachlässe finanziert deshalb ein Atelierstipendium für zwei Künstler. Im vergangenen Jahr haben dies die Hamburgerinnen Jenny Schäfer und Clara Lena Langenbach erhalten. Zum Ende des Stipendiums haben die beiden nun eine Ausstellung im Künstlerhaus Sootbörn.

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Jenny Schäfer und Clara Lena Langenbach haben ein Jahr lang im Atelier im Künstlerhaus Sootborn gearbeitet. Ihre Werken können nun besucht werden.

Ein Jahr haben sich Jenny Schäfer und Clara Lena Langenbach das circa 40 Quadratmeter große Atelier im Künstlerhaus Sootbörn geteilt. "Das Stipendium ist so ein bisschen wie eine kuratierte WG", sagt die Bildhauerin Clara Lena Langenbach. Die Stimmung in der WG sei gut, meint Jenny Schäfer: "Ich habe mich sehr darüber gefreut, Claras Arbeiten sich dort so entwickeln zu sehen."

Zum Ende des Stipendiums dürfen die beiden Künstlerinnen zusammen eine Ausstellung in der Galerie im Künstlerhaus Sootbörn machen. Das gemeinsame Thema stand schnell fest: das Wohnzimmer. "Durch den Coronavirus sind eben alle zu Hause, da wird noch einmal ein ganz anderer Fokus auf das eigene Heim gelegt", sagt Jenny Schäfer.

Ein Wohnzimmer als Ausstellung

Das Wohnzimmer in der Ausstellung ist sehr schräg. Es gibt einen krummen Metallstuhl, einen pinken Tisch mit einer Zimmerpflanze aus weißem Ton, die statt Blätter künstliche Fingernägel hat und eine flache, breite Liege mit einem Stoff, auf dem die runzelige Stirn von unzähligen Leuten zu sehen ist.

"Es gibt bei Wikipedia eine Liste, die nennt sich World Leaders, also Landesoberhäupter, und von all diesen Landesoberhäuptern habe ich quasi die Fotos mit den schönsten Stirnfalten gesucht und daraus eine Collage erstellt", erläutert Langenbach die Entstehung ihres Kunstwerks. Das Stirnrunzeln ist für die Künstlerin ein Ausdruck von Nachdenken und die Stirnfalten haben sie an knautschige Ledersofas erinnert.

Farbenfroh und düster zugleich

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Das düstere, bedrohliche Schwarz-Weiß-Bild eines Meeres hat Schäfer mit Kinderaufklebern von springenden Delfinen aufgehellt.

Jenny Schäfer hat pink-graue Regalbretter an die Wände gebracht und darauf liegt jede Menge Kram, unter anderem Mädchenspielzeug und Lollis. Darüber hängen Glitzeraufkleber und düstere Fotos vom Meer. Auf einem Bild sieht man einen sich auflösenden Horizont auf einem Schwarz-Weiß-Bild. Darauf: mehrere bunte Delfine.

Im Zusammenhang mit der Berichterstattung über Delfine, die wegen des niedrigeren Schiffverkehrs in den Hafen von Triest zurückgekehrt waren, sei ihr das selbst noch einmal in einem ganz anderen Zusammenhang erschienen, sagt Schäfer.

Message: Positiv denken in schwierigen Zeiten

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Farbenfrohe Spielsachen auf dunkelgrauem Hintergrund. Jenny Schäfer und Clara Lena Langenbach spielen mit dem Kontrast.

Die bunten Kinderspielsachen: Meerjungfrauen, Delfine oder Muscheln, antworten auf die düsteren Fotos mit heiterer Fantasie. Auch das passt zur Pandemie: Positiv denken in schwierigen Zeiten. Statt rauschender Eröffnung mit Sekt und Gummibärchen darf man aber auch diese Ausstellung nur wie im Supermarkt betreten: mit Maske.

"Es riecht nach Desinfektionsmittel", sagt Jenny Schäfer. "Lustigerweise haben auch einige Besucher gesagt, dass das ganz gut zu den Arbeiten passt." Ein Besuch in diesem schrägen Wohnzimmer lohnt sich. Die Arbeiten sind auf den ersten Blick schrill und poppig und haben auf den zweiten Blick auch Tiefgang. Den besser zu sehen, dabei helfen die Künstlerinnen gerne in einem kurzen Gespräch.

Ausstellung: Farbenfroh und düster zugleich

Jedes Jahr erhalten zwei Künstler ein Atelierstipendium im Künstlerhaus Sootbörn. Jenny Schäfer und Clara Lena Langenbach haben dies für eine farbenfrohe als auch düstere Ausstellung genutzt.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Künstlerhaus Sootborn
Sootborn 22
22453  Hamburg
Preis:
Der Eintritt ist frei
Öffnungszeiten:
Die Ausstellung ist vom 20. bis 24 Mai jeweils von 17 Uhr bis 20 Uhr im Künstlerhaus Sootbörn zu sehen
Hinweis:
Die Künstlerinnen sind täglich von 17 bis 20 Uhr vor Ort. Das Gebäude ist eine ehemalige Schule im Bauhaus-Stil und befindet sich im Verlängerung der Start- und Landebahn des Flughafens in Lokstedt.
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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 19.05.2020 | 19:05 Uhr

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