Schwarzweißfotografie die Helmut Schmidt neben einer Skulptur zeigt. © Archiv Ernst Barlach Haus Hamburg

"Kanzlers Kunst": Die Sammlung der Schmidts im Barlach Haus

Stand: 01.10.2020 16:54 Uhr

Helmut Schmidt und seine Frau Loki waren leidenschaftliche Kunstsammler. Eine Ausstellung im Ernst Barlach Haus in Hamburg zeigt jetzt Werke aus ihrer Sammlung.

von Kerry Rügemer

Die Ausstellung "Kanzlers Kunst", die im Ernst Barlach Haus im Jenischpark zu sehen ist, ist in Kooperation mit der Helmut und Loki Schmidt Stiftung und der Bundeskanzler Helmut Schmidt Stiftung entstanden. Die hier gezeigten Werke - heute alle Eigentum der Helmut und Loki Schmidt Stiftung - stammen aus dem Privatbungalow der Schmidts in Hamburg-Langenhorn und sind erstmals einer breiten Öffentlichkeit zugänglich.

Das erste Bild, das man sieht: Loki Schmidt, mit einem entrückten, fast madonnenhaften Blick in die Ferne. Ein Heiligenschein aus bunten Blüten schwebt über ihrem Haupt - eine Blumenheilige. Das Porträt stammt von Gudrun Brüne-Heisig, der Frau des Malers Bernhard Heisig aus Leipzig. Von ihm stammt das Kanzler-Porträt gleich um die Ecke. Und dann: Nolde, Paula Modersohn-Becker, Goya, Dix und vieles mehr.

Galerie-Besuche und Auktionskataloge

Schwarzweißfotografie die Helmut Schmidt neben einer Skulptur zeigt. © Archiv Ernst Barlach Haus Hamburg
Helmut Schmidt neben Barlachs "Rächer" im Ernst Barlach Haus Hamburg, 30. September 1977.

"Sie waren keine Sammler im strengen Sinne. Sie waren nicht getrieben von einer Leidenschaft, dieses und nur jenes Stück zu bekommen, sondern sie haben sich, glaube ich, bei Galerie-Besuchen zum Beispiel oder beim Blättern durch Auktionskataloge verständigt, was ihnen gefällt, und die Werke dann erworben. Es war eine sehr entspannte Vorstellung von guten Gelegenheiten, die sich ergeben haben und die so eine Wohnung über die Jahrzehnte auch gut füllen können", erklärt Museumsleiter Karsten Müller die Sammel-Leidenschaft der Schmidts.

Eine Vitrine als Wunderkammer

Kanzlers Kunst. Die private Sammlung von Helmut und Loki Schmidt

Herausgeber Helmut und Loki Schmidt-Stiftung
216 Seiten
ca. 200 Farbabbildungen
Hardcover mit Fadenheftung
Format 21 x 26,8 cm
ISBN 10: 3-86218-134-0
ISBN 13: 978-3-86218-134-6
34.00 €

Müller ist glücklich, diese außergewöhnliche Privatsammlung des prominenten Paares in seinem Haus zu zeigen. Rund 150 Werke von 50 Künstlern sind zu sehen: Gemälde, Plastiken, Hanseatisches und Internationales, bunt gemischt. Da ist eine Vitrine, voll mit unterschiedlichsten Exponaten: von ausgeblasenen Ostereiern und Mineralien bis hin zu winzigen Skulpturen und Muscheln. "Es reicht von Steinzeit-Speerspitzen bis zu afrikanischen Holzskulpturen, da gibt es Kleinbronzen von Barlach und Co., Henry Moore zum Beispiel, aber auch Mineralien, also ein ganzes Sammelsurium, eine Wunderkammer", erklärt Müller. Diese Vitrine ist das Einzige, das original so gezeigt wird, wie es im Schmidtschen Haushalt stand.

"Bilder waren nicht nur Wohlfühl-Tapete"

Ein Hausflur mit Treppenaufgang voller Kunst: An den Wänden jängen dicht gedrägt Gemälde. © Andreas Weiss Foto: Andreas Weiss
Kunst überall: Das Haus der Schmidts in Hamburg-Langenhorn: Treppenaufgang.

Die Hängung im Haus sei einzigartig und unwiederholbar, erklärt Müller. Das sei eine sehr spezielle Konstellation in Langenhorn gewesen und es war klar, dass man für so eine museale Situation eine andere Lösung finden musste. Im Barlach Haus sind die Bilder in neun Räumen thematisch unterteilt: Landschaften und Menschen von den geschätzten Worpswede- und Fischerhude-Künstlern Otto Modersohn und Paula Modersohn-Becker, August Haake und Fritz Overbeck, Klassiker der Moderne: August Macke, Edvard Munch - und "Mädchenhändler" von Otto Dix, auf dem ein unsympathischer Typ über eine Frauengruppe zu wachen scheint. Diese Werke zeigen, so der Museumsleiter, "dass Bilder für die Schmidts nicht nur Wohlfühl-Tapete waren, sondern wirklich auch Reibungsflächen und Nachdenk-Objeke, mit denen sie sich intensiv beschäftigt haben."

Überraschende Ausstellung, die familiäres Gefühl erzeugt

Eine Schwarzweißfotografie, die das Ehepaar Schmidt bei einer Ausstellungseröffnung zeigt.
Helmut und Loki Schmidt im Ernst Barlach Haus Hamburg, Oktober 1977.

Am Ende: natürlich Ernst Barlach, der "größte Bildhauer des Jahrhunderts", wie Schmidt einmal sagte. Da lehnt "Der singende Mann" entspannt auf einem Podest - die berührende Skulptur eines sich glücklich in die Arme fallenden Paares mit dem Titel "Das Wiedersehen" steht gegenüber.

Ergänzt wird die Schau von Fotos der Besuche Helmut und Loki Schmidts im Barlach Haus. Eine sehr interessante, überraschende Ausstellung, in der man ein geradezu wohliges, familiäres Gefühl für die privaten Kunstliebhaber Helmut und Loki Schmidt entwickelt.

Weitere Informationen
Im Haus von Helmut und Loki Schmidt hängen die Bilder dicht an dicht. © NDR Foto: Janine Artist

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Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Ernst Barlach Haus im Jenischpark
Baron-Voght-Straße 50a
22609  Hamburg
Telefon:
(040) 82 60 85
E-Mail:
info@barlach-haus.de
Preis:
7 Euro, ermäßigt 5 Euro
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr.
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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 01.10.2020 | 19:00 Uhr