Stand: 22.08.2019 09:04 Uhr

Jubiläumsausstellung: 150 Jahre Kunsthalle Hamburg

Zum 150. Jubiläum zeigt die Hamburger Kunsthalle eine große historische Sonderausstellung, die die Geschichte des Hauses und seiner Sammlung erzählt, die mit Gemälden von Caspar David Friedrich, Max Beckmann, Ernst Ludwig Kirchner, mit alten Niederländern und vielen zeitgenössischen Künstlern zu den bedeutendsten in Deutschland zählt.

Die Hamburger Kunsthalle mit NDR Kultur Aufstellern © NDR/ Lasser Teubner Foto: Lasser Teubner

Die Hamburger Kunsthalle wird 150 Jahre

Kulturjournal -

Die Hamburger Kunsthalle ist eine Institution. Nun wird sie 150 Jahre alt und der Slogan zum Jubiläum lautet "für UNS ALLE". Was das bedeuten soll, verrät Direktor Alexander Klar.

5 bei 4 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Was für eine mutige Entscheidung! In ihrer großen Jubiläumsausstellung feiert die Kunsthalle nicht ihre vielen Schätze und die vielen eindrucksvollen Ausstellungen, die sie in ihrer langen Geschichte zeigte. Vielmehr nutzt Kuratorin Ute Haug die Gelegenheit, um die Herausforderungen täglicher Museumsarbeit vor Augen zu führen, ohne die es die Kunsthalle nicht gäbe: das Sammeln, Erforschen, Ausstellen und Bewahren von Kunst. "Es sollte einfach auch die Realität eines Museums widerspiegeln, dass das, was dann an der Wand ist oder was man in der Sammlung sieht, immer Produkte langer Aushandlungsprozesse sind, die eben auch schwierig sind", erklärt die Kuratorin der Ausstellung Ute Haug.

Kunst verkaufen, um Kunst zu kaufen

Bild vergrößern
Ute Haug leitet die Abteilung Provenienzforschung und Sammlungsgeschichte in der Kunsthalle Hamburg.

Die Ausstellung versammelt vielfältiges historisches Material: erste Entwurfsskizzen der Kunsthalle, Porträts von Stifterinnen und Stiftern, Listen von Ankäufen und Verlusten, Dokumente über den Bilderraub der Nationalsozialisten, historische und aktuelle Interviews und Debatten um Schließtage umreißen die Entwicklung des Hauses von den Anfängen bis heute. Wobei es in seiner Geschichte eine große Konstante gibt: "Das Museum ist von Beginn eigentlich ein Mangelwesen. Es ist ein durchgehender Duktus der Museumsdirektoren: Es gab immer zu wenig Geld. Immer zu wenig Geld für Ankäufe, für Personal, für Ausstattungen, für wissenschaftliche Arbeit. Eine auskömmliche Finanzierung hat dieses Haus noch nie gesehen."

Alles begann mit einigen Schenkungen Hamburger Kaufleute. Und während dafür bald ein erstes Haus gefunden war, fehlte jahrelang ein wissenschaftlicher Leiter. Erst Alfred Lichtwark, der sich auf Künstler aus Hamburg konzentrierte, und dann Gustav Pauli, der den Blick auf die Impressionisten weitete, brachten Struktur in die Sammlung. Wobei Pauli nach dem Ersten Weltkrieg eine damals übliche, heute geächtete Möglichkeit nutzte, die Sammlung neu auszurichten: "Er hat ab 1919 bis 1933 Hunderte von Kunstwerken verkauft und getauscht, um eben mit dem Geld, das er wieder einnahm, andere Kunstwerke zu kaufen."

Weitere Informationen

150 Jahre Kunsthalle: "Ein unglaublich offenes Haus"

In der aktuellen Ausstellung "Beständig. Kontrovers. Neu." blickt die Hamburger Kunsthalle auf ihre 150-jährige Geschichte. Der neue Direktor Alexander Klar stellt die Schau vor. mehr

Die Rolle des Museums in der Gesellschaft

Gleich mehrere kleine Kapitel thematisieren die Verortung des Museums in der Gesellschaft: Das erste Museumscafé in Deutschland wurde in der Hamburger Kunsthalle eröffnet. Und wie überall wird auch hier über den Widerspruch diskutiert, eine Einrichtung für alle sein zu wollen, aber Eintritt zu verlangen - aktuell sind es 14 Euro. Ein alter Ankündigungskasten mit dem Hinweis "Eintritt frei" zeigt, wie es auch gehen könnte. Und die Besucher rücken ins Blickfeld: Fotografien aus den 50er-Jahren zeigen aufgebrachte Besucher vor Bildern Picassos. Andere die langen Warteschlangen vor dem Museum, die sich seit den 70ern anlässlich der legendären Ausstellungen von Werner Hofmann bildeten. Schon früh stritt man in Hamburg über verlängerte Öffnungszeiten. Denn, so Ute Haug: "Die Kunsthalle war damals ein Tageslichtmuseum, und immer nur wenn es hell war, kam man rein: Im Sommer war das von 10 bis 17 Uhr und im Winter von 10 bis 16 Uhr. Und das war eine ganze lange Zeit so, bis in die 50er-Jahre hinein."

Ob der Einfluss von Sponsoren, drei große Tafeln, die Diebstähle auflisten, oder die Vorstellung aktueller Forschungsprojekte - die Ausstellung gibt umfassenden Einblick in den mühsamen Alltag eines Museums, in die grundlegende Museumsarbeit, die das Haus zusammenhält, es durch immer neue wissenschaftliche Erkenntnisse stetig verändert - und die großen Sonderausstellungen erst möglich macht.

Weitere Informationen
02:28
Hamburg Journal

Jubiläum: Kunsthalle zeigt eigene Geschichte

Hamburg Journal

Anlässlich ihres 150. Geburtstags präsentiert die Hamburger Kunsthalle eine Ausstellung, mit der die Geschichte des eigenen Hauses beleuchtet wird. Eröffnet wird in zwei Tagen. Video (02:28 min)

04:02

150 Jahre Hamburger Kunsthalle

1869 öffneten sich erstmals die Tore der Kunsthalle. Mehr als 600.000 Mark kostete der Prachtbau, dessen Schätze aus acht Jahrhunderten bis heute Besucher in ihren Bann ziehen. Video (04:02 min)

Jubiläumsausstellung: 150 Jahre Kunsthalle Hamburg

Eine mutige Entscheidung: In ihrer großen Jubiläumsausstellung feiert die Kunsthalle nicht ihre vielen Schätze, sondern zeigt die Herausforderungen täglicher Museumsarbeit.

Art:
Fest
Datum:
Ende:
Ort:
Hamburger Kunsthalle
Glockengießerwall 5
20095  Hamburg
Preis:
14 Euro
In meinen Kalender eintragen

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 22.08.2019 | 06:20 Uhr

Mehr Kultur

44:05
NDR Info
49:39
NDR Kultur

Die 13. Fee

NDR Kultur