Sendedatum: 07.12.2018 15:40 Uhr

Heinrich Reinhold: Der Landschaft auf der Spur

von Anette Schneider

Seit einigen Jahren stellt die Hamburger Kunsthalle in großen Ausstellungen deutsche Landschaftsmaler um 1800 vor. Männer wie Jakob Philipp Heckert, Joseph Anton Koch oder Johann Christian Reinhardt. Nun schließt das große Projekt mit einer Neuentdeckung: dem Maler Heinrich Reinhold, der seinen Kollegen als Leitstern einer neuen Landschaftsmalerei galt. Mit gut 120 Zeichnungen, Ölskizzen und kleinformatigen Ölbildern umfasst die erste Ausstellung zu Reinhold fast das gesamte Werk des Künstlers.

Natur als neues Motiv der Malerei

Um 1800 hatten viele, vor allem junge Künstler, genug von den strengen Regeln der Kunstakademien, die genau vorschrieben, wie man Historienbilder, mythologische oder religiöse Szenerien zu malen habe. Sie befreiten sich von diesen starren Vorgaben, indem sie einfach die Natur zu einem neuen Motiv der Malerei erklärten. Sie gingen raus in die Berge und nach Italien und malten harmonisch-komponierte Landschaften, die sie als Ausdrucksträger für politische Ideen oder persönliche Befindlichkeiten nutzten.

Der Kurator Andreas Stolzenburg hat diese Entwicklung in drei großen Ausstellungen vorgeführt. Nun folgt noch eine vierte. "Mit Heinrich Reinhold sind wir nun bei dem Modernsten angekommen, der die Landschaft vollkommen anders sieht, als die Künstlergeneration vorher", so Andreas Stolzenburg.

Heinrich Reinhold starb mit im Alter von 36 Jahren in Rom

Anhand von 120 Zeichnungen, Ölskizzen und kleinformatigen Ölbildern führt die chronologisch gehängte Ausstellung diesen anderen Blick umfassend vor. Reinhold, 1788 in Gera geboren und mit nur 36 Jahren in Rom gestorben, nutzte als einer der ersten die Landschaft als Motiv an sich- also ohne sie zu komponieren, oder gewaltige Berggipfel als erhaben und heroisch darzustellen. Auf seinen kleinen Ölbildern sieht man mal nichts als eine gewaltige Wolke aus einer Schlucht aufsteigen, oder den völlig unspektakulären Blick über eine weite Wiesenebene, mit in der Ferne blau-grau-schimmernder Bergkette und schweren Regenwolken über der Landschaft. "Reinhold machte Ölstudien in der Natur. Er suchte sich häufig nur Ausschnitte, nicht die groß komponierten Sachen für die Touristen. Er beobachtete Licht und Schatten genau und suchte sich Details raus. Das war ungewöhnlich, sodass der junge Maler seinen oft älteren Kollegen schnell als neuer Leitstern der Landschaftsmalerei galt," erklärt Stolzenburg.

Studium in Dresden und Wien, spätere Jahre in Italien

Reinhold hatte in Dresden und Wien studiert und zog ab 1814 mit seinen Freunden in die österreichischen Berge, wo er malte, was ihm gefiel: Auf einer Ölskizze sieht man, wie er den Watzmann aus seiner Umgebung herauslöste und nur seinen Gipfel in bläulich-diesiger Luft zeigt. Eine andere zeigt lediglich einige skurril geformte Felsbrocken auf einer Hochebene. 1819 wanderte er ins lang ersehnte Italien aus und blieb dort blieb er bis zu seinem Tod.

Am Ende der Ausstellung sieht man: Selbst dort, wo jeder deutsche Maler vor der geschichtsdurchdrungenen Landschaft in die Knie ging und sie in arkadische Sehnsuchtslandschaften verwandelte, betont Reinhold die Schönheit dessen, was war: Etwa das spröde, von einem heißen Sommer rostrot verbrannte Karstland. Oder die vielen verschiedenen Blautöne einer abendlichen Hügellandschaft. "Man weiß nicht, was geworden wäre, wenn er länger gelebt hätte. Er ist für mich ein wichtiger Exponent der Entwicklung der realistischen Landschaftsmalerei, die wir immer mit Carl Blechen verbinden", so Andreas Stolzenburg.

Heinrich Reinhold: Der Landschaft auf der Spur

Heinrich Reinhold galt als "Leitstern der neuen Landschaftsmalerei". Die Hamburger Kunsthalle stellt nun nahezu alle Werke des Landschaftsmalers aus.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Hamburger Kunsthalle, Hubertus-Wald-Forum
Glockengießerwall 5
20095  Hamburg
Preis:
14 Euro, ermäßigt 8 Euro, freier Eintritt für Kinder und Jugendliche
Öffnungszeiten:
Dienstag–Sonntag 10–18 Uhr
Donnerstag 10–21 Uhr
Montag geschlossen
Donnerstag an/vor Feiertagen 10–18 Uhr
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal | 07.12.2018 | 15:40 Uhr

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