Stand: 06.11.2019 15:00 Uhr

Von Monet bis Gauguin: Impressionisten in Hamburg

von Peter Helling

Farbrausch in der Hamburger Kunsthalle: Vom 7. November bis zum 1. März lässt sich hier eine Revolution nacherleben. Wie der französische Impressionismus des 19. Jahrhunderts die Kunst völlig neu dachte, das zeigen Bilder, die unser Sehen auf den Kopf gestellt haben. Meisterwerke der dänischen Sammlung Ordrupgaard lassen diese Revolution der Kunst nachvollziehen.

Bilder aus der Ausstellung

Die Ausstellung "Impressionismus. Meisterwerke aus der Sammlung Ordrupgaard" befindet sich im zweiten Obergeschoss der Kunsthalle. Dort lassen die großen Fenster viel Tageslicht herein, man blickt auf die grau verhangene Alster. Dies sei eine Einstimmung auf die Ausstellung, sagt Kunsthallendirektor Alexander Klar: "Die Idee ist, die Ausstellung im Einklang mit dem Gebäude zu gestalten. Dieser Rhythmus aus Licht und Schatten, den würde ich gerne herausarbeiten. Ich glaube, das Ergebnis ist schon mal ganz gut, ich bin ganz zufrieden."

Noch nie so viele Impressionisten in Hamburg

Einen Raum weiter hängt das "Who's who" des französischen Impressionismus. Zudem sieht man hier, wie der Impressionismus begann, wie sich der Pinselstrich von der festen Form löste. Noch nie, unterstreicht Markus Bertsch, der die Bilder ausgesucht hat, waren gleichzeitig so viele Impressionisten hier in Hamburg zu sehen: "Ich bin einfach glücklich, dass wir jetzt viele Figuren haben, die ich immer schon hier haben wollte. Insbesondere freue ich mich über Berthe Morisot, eine wichtige Künstlerin."

Wilhelm und Henny Hansen als begeisterte Kunstsammler

Ihr frisches Porträt zeigt ein junges Mädchen mit Strohhut: Das wendet den Blick nach innen, schaut am Betrachter vorbei - ringsum hingetupfte Farbflecken, Blumen, ein Vogelkäfig. Gesammelt haben diese Meisterwerke ab 1916 der dänische Versicherungsdirektor Wilhelm Hansen und dessen Frau Henny. Auf ihrer Sammlung basiert das Ordrupgaard Museum bei Kopenhagen. "Das war sein Anspruch, er wollte ganz aktuelle Kunst sammeln und an den Dingen partizipieren, die gerade en vogue waren", erklärt Kurator Bertsch.

Das Ehepaar hatte beste Verbindungen nach Paris und sammelte das Allerbeste der neuen französischen Kunst. "Dazu gehörte Mut, Geschick, Geld und natürlich auch eine wahnsinnige Passion für die Sache", so Bertsch. "Sie haben damit gelebt, Kunst und Leben sollten miteinander verwoben werden."

Von Courbet bis Gauguin

In der Kunsthalle lässt sich der Werdegang der neuen Kunst bis hin zu Paul Gauguin verfolgen: Wie die Maler herausgegangen sind aus ihren Ateliers und sich mit der Staffelei direkt in die Natur stellten. Gustave Courbet etwa, der sogar den Sprung zweier Rehe in einem winterlichen Wald festhielt. "Das ist eine absolute Momentaufnahme, wie mit dem Zeitraffer eingefangen. Einen Sekundenbruchteil später haben die Rehe wieder den Bildraum verlassen", sagt Bertsch bewundernd.

Monets berühmte Waterloo-Bridge

Der flüchtige Moment, Stimmungen, die flimmernde Zone zwischen den Dingen: Um das reine Abbilden ging es nicht mehr. Claude Monet ist hier mit wichtigen Werken zu sehen. Seine Meerszene wirkt wie eine Skizze, vom Licht gestreichelt. Und doch handelt es sich um ein fertiges Bild. Eine Version seiner berühmten Waterloo-Bridge beeindruckt besonders: grau, verwaschen - und voller quirligem Leben. "Ich denke auch, dass man den Impressionismus immer ernst nehmen muss. Die Bilder haben vielleicht auf den ersten Blick etwas Gefälliges, entscheidend ist, wie sie entstanden sind", meint Bertsch.

Am Ende der Ausstellung folgt dann der Übergang in eine neue Zeit. Bei Gauguin ist fast schon ein Hauch Abstraktion zu erkennen. Plötzlich werden seine Bäume blau. Zu sehen sind außerdem seine Tahiti-Bilder. Und das Bild eines schlafenden Kindes mit einer Puppe. Über die Tapete kreisen dunkle Vögel, wie in einem schweren Traum.

Von Monet bis Gauguin: Impressionisten in Hamburg

Eine neue Sicht auf die Welt: Der Impressionismus revolutionierte die Kunst. Die Hamburger Kunsthalle zeigt ab dem 7. November Werke aus der dänischen Sammlung Ordrupgaard.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Hamburger Kunsthalle
Glockengießerwall
20095  Hamburg
Telefon:
(040) 428 13 12 00
E-Mail:
info@hamburger-kunsthalle.de
Preis:
14 Euro (ermäßigt 8 Euro), Kinder und Jugendliche frei
Öffnungszeiten:
Dienstags bis sonntags: 10 - 18 Uhr (donnerstags bis 21 Uhr)
Montags geschlossen
Hinweis:
Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft der Botschafters des Königreichs Dänemark in Deutschland. NDR Kultur ist Kulturpartner.
Kurator:
Dr. Markus Bertsch
Wissenschaftliche Assistenz:
Amelie Baader
In meinen Kalender eintragen

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Kulturjournal | 06.11.2019 | 19:00 Uhr

Mehr Kultur

88:09
Tatort
04:04
Hallo Niedersachsen