Die Künstlerinnen Anja Witt (l) und Monika Hahn steht vor ihren Werken. © NDR Foto: Anina Pommerenke

GEDOK: Ein Netzwerk für Künstlerinnen

Stand: 27.10.2020 06:00 Uhr

Die GEDOK ist eine Gemeinschaft für Künstlerinnen und Kunstfreunde, die 1926 von der jüdischen Kunstförderin Ida Dehmel in Hamburg gegründet wurde. Noch heute hat die GEDOK in Deutschland 3.500 Mitglieder.

von Anina Pommerenke

Aufgenommen in die GEDOK werden nur Künstlerinnen, die von einer Fachjury ausgewählt werden. Förderer können allerdings auch männlich sein, solange sie die Ziele der GEDOK unterstützen. Gerade in einer Zeit, die unfassbar schwierig für freischaffende Künstlerinnen und Künstler ist, sind Institutionen wie GEDOK wichtig, wie das Beispiel der beiden Künstlerinnen Anja Witt und Monika Hahn zeigt.

GEDOK: Ein Netzwerk, das hilft

Die Künstlerin Monika Hahn steht vor einigen ihrer Objekte © NDR Foto: Anina Pommerenke
Monika Hahn lässt sich bei ihren Werken von einzelnen Fundstücken wie Muscheln und deren Form inspirieren.

Unterschiedlicher können zwei Künstlerinnen wohl nicht arbeiten: Die studierte Ozeanographin Anja Witt nähert sich dem Meer aus einer wissenschaftlichen Perspektive. Das Ergebnis: farbenfrohe und abstrakte Bilder in Serie. Monika Hahn lässt sich von einzelnen Fundstücken wie Muscheln und deren Form inspirieren und kreiert daraus verspielte Objekte. Die beiden haben sich schon vor 15 Jahren über die GEDOK kennengelernt. Jetzt stellen sie erstmals gemeinsam zum Thema "Meeresrauschen" aus. "Bei Vernissagen trifft man gleichgesinnte und interessante Frauen. Das ist immer eine schöne Gelegenheit - ein schönes Netzwerk, das uns hilft", sagt Monika Hahn.

"Ein ganz wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft"

Während die ehemalige Illustratorin Monika Hahn nicht alleine von ihrer Kunst leben muss, ist es für Anja Witt ein schwieriges Jahr. Eine lange im Voraus geplante Ausstellung konnte zu Beginn des Jahres nicht öffnen, Malunterricht nicht stattfinden. Die Künstlerin vermietet ihre Werke für gewöhnlich an Hotels, auch die sind zurzeit von der Krise geplagt. Gleich drei Standbeine sind ihr weggebrochen. "Wir müssen damit leben", sagt sie. "Wir müssen vernünftig sein. Es ist schwierig gerade. Ich hoffe, dass wir die Kunst irgendwie am Leben halten - das braucht man zum Leben, das finde ich zumindest. Sie ist ein ganz wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft." Und lachend fügt Anja Witt hinzu: "Wir versuchen irgendwie da zu sein und hoffen, dass auch unsere Fans bei uns bleiben."

Kein Galerist im Spiel

Sich jetzt endlich mal wieder zeigen zu können, "in echt" und nicht im Internet, ist für beide Künstlerinnen eine wichtige Chance. Die GEDOK ermöglicht ihren Mitgliedern neben Einzelausstellungen auch die Teilnahme an Gruppenausstellungen, wie gerade erst in Pampin in Mecklenburg Vorpommern. Ein Vorteil: Dabei ist kein Galerist im Spiel. "Gerade die großen Galerien haben ganz oft 80 Prozent Männer, die sie ausstellen" sagt Anja Witt und Monika Hahn erklärt: "Die Männer haben mehr Selbstbewusstsein, Frauen machen sich eher klein und trauen sich nicht so. Das ist leider so."

"Kunst wird Frauen oft nicht zugetraut"

Die Mitgliedschaft in der GEDOK empfinden beide daher als bereichernd und nach wie vor notwendig. Frauen werde Kunst oft nicht zugetraut, sagt Anja Witt. "Die Leute sagen dann: 'Ach, Sie sind die Künstlerin. Das hätte ich jetzt gar nicht gedacht.' Es ist manchmal doch ein Klischee, dass ein älterer, selbstbewusster Mann eher als Künstler wahrgenommen wird." Die GEDOK ist somit für ihre Mitglieder Netzwerk und Plattform. Und sie bringt wie im Fall von Monika Hahn und Anja Witt auch ganz unterschiedliche Künstlerinnen und Kunstformen zusammen. Das daraus spannende neue Projekte entstehen können, zeigt die Ausstellung "Meeresrauschen" im Kunstforum der GEDOK in Hamburg-St. Georg besonders deutlich.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 27.10.2020 | 11:20 Uhr