Stand: 16.05.2017 11:33 Uhr

Food Revolution 5.0 - Die Zukunft des Essens

In dieser Ausstellung geht es um ein großes Thema: Die Zukunft der Ernährung ist die Zukunft der gesamten Menschheit - so die These. Mehr als 30 internationale Designer präsentieren in der Ausstellung "Food Revolution 5.0" im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe ihre Vorstellungen, Ideen und Entwürfe in vier Bereichen: Farm, Markt, Küche und Tisch.

von Anette Schneider

Das Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg ruft zur "Food Revolution" auf. Weil eine globale industrielle Landwirtschaft aus Profitgründen ohne Rücksicht auf Umwelt und Menschen Lebensmittel produziert, die wir verschwenden, während andere verhungern, setzt das Museum nun dagegen: mit Arbeiten internationaler Designer und Architekturbüros, die Alternativen zur industriellen Massenproduktion von Lebensmitteln aufzeigen.

Schmeckt das oder kann das weg?

"Wir wollen dem Besucher klarmachen: Essen ist hochgradig politisch. An jeder einzelnen Kaufentscheidung, wenn ich in den Supermarkt gehe, hängt ein ganzer Rattenschwanz an Politik hinten dran", sagt Kuratorin Claudia Banz und blickt auf ein Foto, das Rinder auf ausgelaugtem Boden zeigt. Einst reichte dort der brasilianische Urwald bis an den Horizont. "Das sagen ganz viele Studien: Die industrielle Landwirtschaft führt uns wirklich in den Abgrund. Die industrielle Landwirtschaft ist einer der Hauptverursacher des Klimawandels. Und deswegen: Wir müssen etwas tun!" Das heißt: die Umwelt schonen, Ressourcen sparen, also nachhaltig produzieren, anders - und anderes! - essen.

Ein kleines Architekturmodell präsentiert einen Schweinestall, der mit einem Gewächshaus verbunden ist: Sämtliche Ausscheidungen der Tiere werden direkt zur Aufzucht von Tomaten genutzt. Daneben stellt ein kurzer Film die Insektenfarm für zu Hause vor: ein kleines Gefäß, passend für das Küchenregal.

Konfrontation auf dem Teller

"Insekten sind in asiatischen Ländern tägliche Speise als Proteinlieferant. Bei uns sind Insekten mit Ekel behaftet, gleichzeitig haben wir aber das ganze Problem mit der Tierhaltung, Fleischkonsum, CO2-Ausstoß, Klima - also eigentlich brauchen wir alternative Proteinquellen", erklärt Designerin Carolin Schulze. Wie aber bekommt man Nordeuropäer dazu, ihren Ekel zu überwinden und Insekten zu essen? Carolin Schulze setzt auf uns Vertrautes: Sie püriert Mehlwürmer zu Brei, aus dem ein 3-D-Drucker kleine Hasen formt.

Der in Kuwait lebende Hanan Alkouh geht noch einen Schritt weiter: In seinem Film lässt er einen Schlachter eine Rinderhälfte zerlegen - mit Säge, Axt, Messer. Erst der Titel der Arbeit verrät: Das vermeintliche Tier besteht aus Algen - einem idealen Fleischersatz!

Die Ausstellung konfrontiert Fotoserien und Info-Tafeln über die dramatischen Folgen der industriellen Landwirtschaft mit immer neuen Designer-Ideen: In vier umfangreichen Kapiteln treffen aktuelle Probleme wie Klimawandel, Wasserknappheit, Hungersnöte, Landgrabbing und Monokultur auf alternative Produktionsweisen und Märkte sowie Entwürfe zu einer neuen - alten - Küchen- und Tischkultur. Eine edel gestaltete Küche etwa entpuppt sich als autarkes Wunderwerk: Der Ofen gart mit Heu. Und in einem Wasserbecken reinigen Schlingpflanzen das Abwaschwasser für die Wiederverwertung. Denn der Ausstellungstitel "Food Revolution" meine, so Claudia Banz: "Nicht bedingungsloser Fortschritt: immer weiter in der Technologisierung, mit smarten Küchen und Apps und was es alles gibt. Sondern sich zurückbesinnen: Was brauchen wir wirklich? Wie viel müssen wir wirklich essen? Oder das ganze Thema Regionalität: Erdbeeren isst man eben dann nur im Juni, wenn sie wachsen. Und nicht im Winter."

Anregungen zum bewussteren Essen

Im abschließenden Kapitel rund um den "Tisch" nehmen Designer in witzigen Trickfilmen und ausgestellten Entwürfen unser gedankenloses Essverhalten aufs Korn: Gegen das bewusstlose Schlingen vorm Fernseher oder im Gehen setzen sie zum Beispiel Müslischalen mit Deckeln, deren kleine Öffnungen das schnelle Löffeln unmöglich machen. Oder Gabeln mit sehr kurzen Zinken, die das Essen garantiert wieder zu einem bewussten Akt machen.

Sehr unterhaltsam und sinnlich fordert die Ausstellung einen grundlegenden Bewusstseins- und Wertewandel gegenüber dem Essen ein - von der Produktion bis zum gemeinsamen Verspeisen.

Gemüse

Gesucht: Die innovativste Kantine Hamburgs

Hamburg Journal -

Im Rahmen der Ausstellung "Food Revolution" sucht das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburgs innovativste Kantine. Eine Jury sortiert vor, dann haben alle Hamburger die Wahl.

5 bei 1 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Food Revolution 5.0 - Die Zukunft des Essens

Niedliches aus Mehlwürmern und Schlingpflanzen, die den Abwasch erledigen: Das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe zeigt, wie das Essen der Zukunft aussehen könnte.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Museum für Kunst und Gewerbe
Steintorplatz
20099   Hamburg
Telefon:
(040) 42 81 34 880
E-Mail:
service(at)mkg-hamburg.de
Preis:
12 Euro, ermäßigt 8 Euro, Do ab 17 Uhr 8 Euro, bis 17 Jahre frei
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag: 10-18 Uhr
Donnerstag: 10-21 Uhr
Donnerstag an oder vor Feiertagen: 10-18 Uhr
Kassenschluss jeweils 30 Minuten vor Schließung des Museums.
In meinen Kalender eintragen

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal | 16.05.2017 | 19:00 Uhr

Mehr Kultur

28:29 min

Ricky und seine verrückten Freunde

31.05.2017 00:00 Uhr
NDR Fernsehen
07:17 min

Ausflugstipp: Besuch im Celler Schloss

28.05.2017 13:00 Uhr
Landpartie - Im Norden unterwegs
04:50 min

Quiz: Grafitti-Kunst von Jörg Pippirs gewinnen.

28.05.2017 13:00 Uhr
Landpartie - Im Norden unterwegs