Stand: 12.07.2019 12:04 Uhr

Hamburger träumt von einem Fahrradmuseum

von Danny Marques Marcalo

Hamburg ist eine Fahrradstadt. Das sagt zumindest der Sammler Jörg Maltzan aus Wilhelmsburg. 70 Fahrräder hat er bisher gesammelt und zwar nicht irgendwelche. Er sammelt vor allem Klapp- und Bonanza-Räder. Die waren in den 1960er- und 1970er-Jahren der Hit auf den Straßen.

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Das von Jörg Maltzan selbst restaurierte Fahrrad. Insgesamt 70 hat er schon gesammelt.

Quietschbunt ist das Fahrrad, das Jörg Maltzan am meisten am Herzen liegt. Ein Klapprad. "Aus autodidaktischen Lehrgründen habe ich es auseinandergenommen. Dabei lernt man unheimlich viel. Ich habe es selbst lackiert, einen eigenen Schriftzug draufgeklebt und einen eigenen Sattel montiert", sagt Maltzan. Der Sattel hat alle Farben des Regenbogens, die Reifen sind pink und unter dem Lenker ist ein Flaschenhalter aus Plastikblumen. Die Klingel ist durchsichtig, sodass man die Zahnräder sehen kann. Ein schräges Exemplar für ein Modell, das eigentlich als hoch seriös gilt, erklärt Sammler Jörg Maltzan: "Die Geschichte des Klapprads begann schon weit vor dem Ersten Weltkrieg, als man begonnen hat es für militärische Zwecke zu nutzen. Mitte, Ende der 1960er-Jahre wurde es dann von der Industrie sehr forciert. Es war der meistverkaufte Fahrradtyp. Heute feiert es eine kleine Renaissance, weil man es auch gut in den öffentlichen Verkehrsmitteln mitnehmen kann."

Bonanza in Wilhelmsburg

Ein menschliches Fahrrad-Lexikon

Jörg Maltzan ist ein lebendes Lexikon für Fahrradwissen. Sein Geld verdient er paradoxerweise als Journalist bei einer Autozeitschrift. Er schreibt aber auch für eine Fahrradzeitschrift und hat einen Blog im Internet. "Natürlich muss man auch soziale Kontakte halten und ich muss mich auch um meine zwei kleinen Kinder kümmern. Ich könnte mich aber 24 Stunden, sieben Tage die Woche mit Fahrrädern beschäftigen", schwärmt er. "Das geht natürlich nicht, aber gerade jetzt, wo die Abende länger werden, da versuche ich das Möglichste zu tun, um sie am Laufen zu halten."

Der Hit aus den 70ern: Bonanza-Räder

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Bonanza-Fahrräder sehen zwar toll aus, sind aber zum Fahren eigentlich ungeeignet.

Neben den Klapprädern schraubt er vor allem gerne an Bonanza-Fahrrädern. In den 1970er-Jahren waren die der letzte Schrei. "Die machten sich tierisch gut auf dem Schulhof oder an der Eisdiele, zum Fahren waren die eigentlich gar nicht geeignet", sagt der Fahrradexperte. Bonanza-Fahrrad: Das sieht aus wie eine abgespeckte Harley Davidson. Der Sitz, Banane genannt, ist tief, der Lenker hoch. Hinten ist Platz für ein Nummernschild, denn die Räder sollten den Anschein eines Autos erwecken. Der Trend ist in Kalifornien an der Westküste der USA entstanden. Da wurden die Räder High-Riser genannt. In Deutschland wurden sie erstmalig im Neckermannkatalog angeboten. "Da tauchte dann auch der Name Bonanza auf," sagt Jörg Maltzan. "Die Fernsehsendung war damals erfolgreich. Man sieht hier auch Reiterembleme, die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass das viel mit der Sendung zu tun hat." Ganz wichtig: Viele Jugendliche bauten sich gerne eine Sturmklingel an das Vorderrad. "Zum Angeben und Krach machen", erklärt der Fahrradsammler. "Man hat auch Bierdeckel zwischen die Speichen geklebt. Man wollte auffallen. Handgriffe, die einen Motorsound imitiert haben. Das muss man sich mal vorstellen. Das wurde dann irgendwann verboten, weil er zu laut war und zu nervig."

Traum vom eigenen Museum

Im Moment lagert Jörg Maltzan seinen Fahrradschatz noch an zwei verschiedenen Standorten. Vielleicht ergibt sich eines Tages ein Wilhelmsburger Fahrradmuseum. Ausstellungsstücke und ein fahrradbegeisterter Museumsleiter stehen schon bereit.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 12.07.2019 | 19:00 Uhr

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