Ausstellungsansicht 9, Christa Petroff-Bohne (*1934), Kaffeeportions­kannen (Detail), Edelstahl, Herstellung: VEB Auer Besteck- und Silber­warenwerke, © SKD/Klemens Renner Foto: SKD/Klemens Renner

Deutsche Design Republik: Christa Petroff-Bohnes Œuvre im MKG

Stand: 09.07.2021 13:31 Uhr

Christa Petroff-Bohne war eine der wichtigsten Designerinnen der DDR. Hamburgs Museum für Kunst und Gewerbe stellt sie und ihr Schaffen in einer Ausstellung vor.

von Anette Schneider

Zylindrische Kaffekannen mit griffsicherem Henkel, schlichte, flache Schalen, konisch auslaufende Eiskaffeebecher, dazu edle Bestecke. In DDR-Gaststätten wurde mit und von diesen edlen Edelstahl-Entwürfen gespeist. Jetzt stehen sie auf einem großen Podest - und davor deren Schöpferin Christa Petroff-Bohne.

Christa Petroff-Bohne in der Ausstellung, Dresden 2020 © SKD/Klemens Renner Foto: SKD/Klemens Renner
Christa Petroff-Bohne wurde 1934 in Colditz bei Leipzig geboren.

"Die Funktion spielt nicht die einzige, aber die größte Rolle", so die Designerin. "Heutzutage kommt noch die Frage der Rohstoffe hinzu, die ein Gegenstand verzehrt."

Geprägt von Krieg und Bauhaus

Petroff-Bohnes edle Entwürfe entstanden in den 50er- und 60er-Jahren und wurden bis zum Ende der DDR produziert. 1951 hatte die heute 89-Jährige begonnen, Industriedesign zu studieren, erst in Dresden, dann an der Hochschule für angewandte Kunst in Berlin-Weißensee. Geprägt von Krieg und Bauhaus-Ideen gehörte sie zur ersten Generation derer, die die neue, sozialistische Gesellschaft mit aufbauen wollten. Das hieß: Als Künstlerin trug sie gesellschaftliche Verantwortung - von der Geschmacksbildung bis zum bewussten Umgang mit Materialien.

Christa Petroff-Bohne (*1934), Suppentassen, Entwurf 1959–1961, Herstellung VEB Auer Besteck- und Silberwarenwerke, ab 1961, Chromnickelstahl © Georg Eckelt Foto: Georg Eckelt
Petroff-Bohnes Suppentassen - ein Entwurf aus den Jahren 1959 bis 1961.

So entwarf sie - gegen die in den 50ern noch immer beliebten neo-barocken Schnörkelvasen - eine Reihe schlichter, zylindrischer Vasen, die als Gruppe in einer Vitrine stehen. Sie wurden damals - auch von Walter Ulbricht - als "unkünstlerisch" kritisiert. Daraus entwickelte sich eine gesellschaftliche Diskussion um die Frage, was gutes Design ist. "Diese Wellen haben sich dann bald geglättet", erinnert sich Petroff-Bohne und ergänzt: "Denn es konnte richtig gestellt werden: Warum sind diese Vasen so. Und: Das Volk möchte diese Vasen. Und es wird nachgefragt, nach diesen Vasen."

Erzwungene Umorientierung nach Wende

Ausstellung im MKG: "Schönheit der Form. Die Designerin Christa Petroff-Bohne" © Henning Rogge Foto: Henning Rogge
Die Ausstellung im MKG ist noch bis zum 24. Oktober 2021 geöffnet.

Trotz ihres großen Erfolgs, zahlreicher Auszeichnungen und dem Export ihrer Entwürfe ins westliche Ausland, tauschte sie bald die Praxis gegen die Lehre: In Berlin-Weißensee entwickelte sie maßgeblich die Studieninhalte mit und leitete - ab 1972 als Professorin - die Grundlagenausbildung des Bereichs "Industriedesign". Große Fotografien und eine Wand mit biografischen Informationen zeigen sie zwischen ihren konzentrierten Studenten. Und einigen Vitrinen versammeln deren Lehrstücke, in denen sie sich mit Oberflächengestaltung und Proportionen beschäftigten. Und dann, nach 40 Berufsjahren, standen 1991 die kapitalistischen Sieger vor der Tür.

"Erstmal wurde uns allen gekündigt", erzählt Petroff-Bohne. "Das haben einige Kollegen schwer verkraftet." Sie hätten sich neu bewerben müssen und würden noch heute mit den Folgen leben müssen. "Die Berentung ist ungleich schlechter. Wir sind alle nicht verbeamtet. Wir werden wie mittleres Personal bezahlt."

"Wiedergutmachen" lasse sich solch ein Verhalten nicht. Aber man könnte nach 30 Jahren Verteufelung der DDR endlich einmal anfangen, deren Errungenschaften zur Kenntnis zu nehmen. Zu denen gehört auch das bis heute vorbildliche Industriedesign von Christa Petroff-Bohne.

Deutsche Design Republik: Christa Petroff-Bohnes Œuvre im MKG

Hamburgs Museum für Kunst und Gewerbe stellt Exponate von einer der wichtigsten Designerinnen der DDR aus.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
Steintorplatz
20099 Hamburg
Telefon:
(040) 428 13 48 80
E-Mail:
service@mkg-hamburg.de
Öffnungszeiten:
Montag: geschlossen
Dienstag bis Sonntag: 10-18 Uhr
Donnerstag: 10-21 Uhr
Donnerstag an oder vor Feiertagen: 10-18 Uhr
Kassenschluss jeweils 30 Minuten vor Schließung des Museums.

1. Mai, Heiligabend und Silvester ist das Museum geschlossen.
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 09.07.2021 | 07:20 Uhr