Stand: 20.04.2020 16:03 Uhr

Das Digitalisierungsprojekt der Hamburger Kunsthalle

In diesem Jahr jährt sich der Todestag von Raffael zum 500. Mal. Der italienische Maler und Architekt gilt als einer der bedeutendsten Meister der Renaissance-Kunst. Von Mai sollte in der Hamburger Kunsthalle eine große Ausstellung zu Leben und Wirkung von Raffael zu sehen sein. Die Exposition findet nun erst Anfang 2021 statt. Denn wie alle Museen ist auch die Kunsthalle in Hamburg aktuell immer noch geschlossen. Aber schon lange vor Corona hatte man dort ein Projekt begonnen, das den Besuch des Kunstmuseums jederzeit und für jedermann erlaubt: virtuell, über das Internet. Jens Büchsenmann hat hinter die Kulissen des Digitalisierungsprojekts geschaut.

Die Verabredung ist lange und gut vorbereitet, der Pförtner in der Wachzentrale wartet schon mit dem Besucher-Ausweis. Ich desinfiziere Hände und Aufnahmegerät.

Raffael, Selbstporträt, 1506 © picture alliance/Museum Scuderie del Quirinale/dpa
Vom 22. Januar 2021 bis zum 25. April 2021 zeigt die Hamburger Kunsthalle Objekte des faszinierenden Künstlers Raffael (1483-1520) aus dem eigenen Bestand.

Dann begrüßt mich David Klemm. Nach einem verwirrenden Weg durch die Abteilung Moderne im Souterrain wieder hoch ins Museumscafé, dann eine schmale Treppe hinauf in sein Büro - David Klemm hat Schlüssel für alle Türen - und den Durchblick.

Meisterwerke werden für alle virtuell zugänglich

Früher sei das eher eine Geheimwissenschaft gewesen, erzählt David Klemm. Nur ein bis zwei Menschen kannten ein solches Kabinett genau und die Kunstwerke blieben mehr oder weniger vor den Augen der Öffentlichkeit verschlossen. Nun drehe sich das eher um. Hunderte oder gar tausend Kunstwerke werden nun jeden Monat der Öffentlichkeit zugänglich gemacht: Porträts, Tierdarstellungen, Hamburger Stadtansichten, historische Ereignisse und Katastrophen und Werke der ganz großen Künstler: Raffael, Rembrandt, Dürer, Munch, Beckmann. Nun könne man die Schätze in großer Zahl zeigen, um damit die Forschung zu beleben oder einfach nur, um Freude zu machen. Das sei doch eine tolle Sache, freut sich der Kurator Klemm.

Hamburg sei bekannt für seinen fantastischen Bestand an Gemälden. Friedrich Runge ist so ein Beispiel. Der Bestand an Druckgrafiken und Zeichnungen des 19. Jahrhunderts werde im Moment gezielt online gestellt, "so dass wir in ein, zwei Jahren sagen können, dass wie die beste Präsentation der Welt haben", so Klemm. Keine Frage also, dass der Kunsthistoriker und Wissenschaftler sich eigentlich gar keinen schöneren Beruf vorstellen kann. Die Kunstwerke Menschen auf der ganzen Welt zugänglich machen zu können, sei eine beglückende Erfahrung.

Mit der Online-Datenbank neugierig machen

40.000 Werke stehen schon online - Schlagworte helfen bei der Suche. Gibt man jetzt, in Corona-Zeiten, den Begriff Pest ein, findet sich prompt ein Blatt von Raffael, auf dem Menschen an der Seuche sterben und leiden. Eine Ausstellung zur Cholera in Hamburg oder gar zu Pandemien in der Kunst könnte also innerhalb von Tagen online stehen.

Die Sammlung der Hamburger Kunsthalle online

Die Sammlung online er hamburger Kunsthalle umfasst derzeit rund 300 Meisterwerke und alle aktuell ausgestellten Werke aus den Bereichen Malerei, Skulptur, Fotografie und Graphik sowie mehr als 35.000 Zeichnungen und Druckgraphiken aus dem Kupferstichkabinett und der Bibliothek. Die Sammlung online wird kontinuierlich erweitert.

Noch vor wenigen Jahren waren die Bedenken groß, dass mit den Veröffentlichungen im Internet die Besucherzahlen zurückgehen würden. Das jedoch trat nicht ein. Das jedoch ist nicht eingetreten. Klemm glaubt sogar, dass das Gegenteil eintreten werde: "Weil der Zauber des Originals seit Jahrhunderten existiert. Der wird nicht nachlassen."

Akustisch und optisch lassen sich so jetzt schon Tausende Werke von Zuhause bequem und sogar gratis erkunden. Rund 10.000 Besuche pro Monat zählt allein die Online-Sammlung - von interessierten Laien ebenso, wie Wissenschaftlern aus der ganzen Welt.

Gerade ist die große Ausstellung des Renaissancekünstlers Raffael online gegangen. Man kann sich durch den Gemäldebestand durchklicken - vom Mittelalter bis zur zeitgeössischen Kunst. Außerdem warten mehr als hunderttausend Zeichnungen und Grafiken im Kupferstichkabinett auf interessierte Userinnen und User.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 20.04.2020 | 09:20 Uhr