Stand: 10.05.2019 00:01 Uhr

"Im Licht des Nordens": Dänische Meisterwerke in Hamburg

von Anette Schneider

Einige große Einzelausstellungen dänischer Maler gab es bereits in der Hamburger Kunsthalle. Jetzt präsentiert das Haus erstmals mit der Ausstellung "Im Licht des Nordens" einen Überblick über das 19. Jahrhundert, das als Goldenes Zeitalter der dänischen Malerei gilt. Die gut 80 Gemälde kommen als Gäste aus dem Museum Ordrupgaard nahe Kopenhagen, das eine der wichtigsten Kunstsammlungen des Landes beherbergt, und dessen Schätze jetzt nur in Hamburg zu sehen sind, weil das Museum gerade umgebaut wird.

Hamburger Kunsthalle: Das Licht des Nordens

Eine alte, schiefe Birke steht vor einem breiten Fluß. Wind zieht sanft durch reife Getreidefelder. Schäumende Brandung trifft auf eine felsige Küste. So unspektakulär die Bilder auch wirken - für die dänische Kunst waren sie um 1820 völlig ungewöhnlich. Nach den Napoleonkriegen, der Zerstörung Kopenhagens und einem Staatsbankrott, war man auf der Suche nach Selbstvergewisserung und einer nationalen Identität. Einer, der diese Entwicklung in der Kunst vorantrieb, war Christopher Wilhelm Eckersberg. Der Maler hatte lange in Rom und Paris gelebt und lehrte seit 1818 an der Akademie in Kopenhagen Malerei. "Er ist einer der maßgeblichen Ausbilder der nachfolgenden Generation, die wir eben als Protagonisten des Goldenen Zeitalters fassen", so Kurator Markus Bertsch. "Er hat viele Reformen an der Akademie in die Wege geleitet und auch das Freilichtstudium forciert. Das führte dazu, dass die Künstler ihr eigenes Land entdeckten, was vorher nicht der Fall war."

Maler bilden täglisches Leben der Bauern ab

Ein Feldweg schlängelt sich durch Wiesen. Darüber spannt sich ein hoher Himmel, Bauern rechen Heu zusammen, Kinder hocken im Gras. Eine Künstlerkolonie, die auf der Insel Fünen lebte, hält in leuchtenden Farben die tägliche Arbeit der dort wohnenden Menschen fest. Andere überhöhen bestimmte Landschaften oder ein Schloss, in dem die dänischen Könige gesalbt wurden, zeigen sie erhaben, als nationale Symbole. Gesammelt hat all diese Bilder Wilhelm Hansen. "Er war ein sehr erfolgreicher Versicherungsdirektor und baute sich eine sehr repräsentative Sammlung dänischer Malerei auf, die dem Anspruch nachkommen sollte, die ganze Epoche von dem frühen 19. Jahrhundert bis in die eigene Gegenwart abzudecken", so Bertsch.

Realität empörte das dänische Publikum

Diesen Bogen schlägt auch die Ausstellung. Nach vielen Landschaftsbildern endet sie mit zwei beeindruckenden Ausstellungsräumen, die sozialkritische Arbeiten von Lauritz Andersen Ring (1854-1933) zeigen, und die symbolischen, menschenleeren Räume von Vilhelm Hammershoi. Ring war um 1890 der erste, der das dänische Landleben nicht mehr idealisierte, sondern grau in grau malte. Und verschwommene, abgründig anmutende Landschaften, die - wie die Räume von Hammershoi - Seelenlandschaften gleichen.

"Es gibt häufig nebelverhangene Szenerien, Winterdarstellungen, Herbstdarstellungen, entlaubte Bäume. Das sieht man vorher selten. Und damit korrespondieren auch diese Interieurs, die er gemalt hat, oft in der Konstellation von Personen, die an Fenstern sitzen und ganz in sich gekehrt sich ihren Gedanken hingeben", sagt Bertsch.

Nach Jahrzehnten der Landschaftsmalerei mit viel sonnenbeschienener Oberfläche führen Ring und Hammershoi erstmals kritisch-realistische und psychologisch-abgründige Momente in die dänische Kunst ein - das damalige Publikum war empört.

Im Rahmen der Ausstellung findet ein Matineekonzert, sowie eine Lesung statt. Weitere Infos entnehmen Sie der Internetseite der Kunsthalle.

"Im Licht des Nordens": Dänische Meisterwerke in Hamburg

Das Ordrupgaard Museum zu Gast in der Hamburger Kunsthalle: Die Ausstellung "Im Licht des Nordens" zeigt Meisterwerke der dänischen Malerei aus dem 19. und beginnenden 20. Jahrhundert.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Hamburger Kunsthalle
Glockengießerwall
20095  Hamburg
Telefon:
040 428 131 200
E-Mail:
info[at]hamburger-kunsthalle.de
Preis:
14 Euro (ermäßigt 8 Euro), Kinder und Jugendliche frei
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntags: 10 - 18 Uhr (Donnerstags bis 21 Uhr)
Montags geschlossen
Hinweis:
Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren frei
In meinen Kalender eintragen

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 10.05.2019 | 11:20 Uhr

Mehr Kultur

54:22
NDR Info
47:08
NDR Info