Ausstellung über Helmut Schmidt eröffnet in Hamburg

Stand: 17.06.2021 19:06 Uhr

Welche Gedanken Helmut Schmidts sind heute und für die Zukunft relevant? Das Helmut-Schmidt-Forum verspricht einen "multiperspektivischen Blick" auf Schmidt und seine Zeit. Die Ausstellung wird am 19. Juni eröffnet.

von Kerry Rügemer

Wegen der Corona-Pandemie waren die Museen lange geschlossen. Deshalb ludt das Helmut-Schmidt-Forum seit Dezember 2020 zunächst online ein zu einem exklusiven Blick auf seine Ausstellung "Schmidt! Demokratie leben". Nun öffnet die Ausstellung am 19. Juni endlich für Besucher. Im Mittelpunkt der Ausstellung, die seinen politischen Werdegang in den 1950er- und 1960er-Jahren, seine Kanzlerjahre und die Jahre "außer Dienst" beleuchtet, steht Helmut Schmidts großes Thema, die Demokratie.

Helmut Schmidt 1982 an Bord des Segelschiffes "Atalanta" auf der Kieler Förde © dpa Foto: Wulf Pfeiffer
Helmut Schmidt mit seiner typischen Kopfbedeckung 1982 an Bord des Segelschiffes "Atalanta".

Die Fahndungsakte der Bundesanwaltschaft gegen "Helmut S", ein handgeschnitztes Schachspiel aus der Kriegsgefangenschaft oder die für Schmidt typische Elblotsenmütze. Die Ausstellung im Helmut-Schmidt-Forum zeigt Persönliches, manchmal Skurriles und Politisches aus dem Leben des Altkanzlers aus Langenhorn. So sind auch acht Aktentaschen Helmut Schmidts samt Inhalt ausgestellt. Die vielen interaktiven Elemente, etwa ein Zeitstrahl mit weltpolitischen Daten, ein digitales Puzzle oder große Touchscreens mit Workshop-Material zu Themen wie Demokratie, Medienkanzler und Protest sollen besonders Schüler ansprechen.

Helmut Schmidts Leben und der Wert der Demokratie im Fokus

Auf zweihundertsiebzig Quadratmetern beleuchtet die neue Ausstellung Helmut Schmidts Leben und den Wert der Demokratie mit diversen Exponaten. Im Zentrum der Schau: der Werdegang des Politikers vom Schüler zum Elderstatesman. Großformatige Fotos hängen in der Halle, zeigen Schmidt mal als Kind mit Loki, mal als Soldat, später als Senator, Minister und Kanzler. Die persönliche Prägung durch Familie einerseits und Nationalsozialismus andererseits, erklärt die Ausstellung, wurden zu Triebfedern seines lebenslangen Engagements für demokratische Werte.

Peer Steinbrück ist Kuratoriumsvorsitzender der Bundeskanzler-Helmut-Schmidt-Stiftung. Er sagt: "Er hat dieses Deutschland immer für gefährdet gehalten aus seiner historischen Wahrnehmung insbesondere der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und deshalb hat es ihn immer ziemlich umgetrieben, wenn er Tendenzen sah, sowie wir sie heute verstärkt haben, dass diese Demokratie nicht gelebt wird und dass vor allem nicht allein die Politik oder irgendwelche Institutionen, sondern die gesamte Zivilgesellschaft sich dessen bewusst ist, dass Demokratie täglich wieder gewonnen werden muss."

Interaktive Dialog als demokratisches Prinzip

Die Ausstellung gliedert sich in drei Bereiche. Sie erzählen - vor, während und nach der Kanzlerschaft - mit Fotos, Videos und privaten Ausstellungsstücken das politische Leben des Helmut Schmidt. Von der Sturmflut 1962 bis zur Öl-Krise. Mal ist Schmidt im Hubschrauber über Hamburg zu sehen, mal sind Brettspiele zur Engergiepolitik ausgestellt. Zu damaligen aber auch heutigen Fragen, können Besucher auf Bildschirmen abstimmen.

Zu politischen Positionen und Schmidt-Zitaten ihre Meinung aufschreiben und an eine Wand pinnen. Der interaktive Dialog als demokratisches Prinzip, erklärt der Kurator Magnus Koch: "Auf jedem unserer Tische haben wir Abstimmungstafeln zur Zukunft der Demokratie. Und hier geht es speziell um den Klimawandel, um Fragen, was denken unsere Gäste eigentlich darüber, das Wahlalter zu senken, damit auch junge Menschen sich äußern können."

Voranmeldung notwendig

Einige Einschränkungen gibt es Corona-bedingt immer noch: Besucher können die Ausstellung nur nach Voranmeldung besuchen. Führungen dürfen aufgrund der Kontaktbeschränkungen derzeit noch nicht stattfinden.

Weitere Informationen
Helmut Schmidt gestikuliert während einer Rede im Juni 1979. © dpa Foto: Fritz Fischer

Helmut Schmidt: Kühler Kopf und Krisenmanager

Sturmflut, RAF-Terror, Kalter Krieg: Der einstige SPD-Kanzler galt als Krisenmanager. Vor fünf Jahren ist er gestorben. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 17.06.2021 | 19:00 Uhr